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06.07.2016

18:21 Uhr

Volks- und Raiffeisenbanken

Mehr Kundeneinlagen, weniger Gewinn

Die Volks- und Raiffeisenbanken und ihre Spitzeninstitute beklagen einen Gewinnrückgang. Der Überschuss fällt unter die 10-Milliarden-Euro-Schwelle. Und die Prognose lautet: Es wird weiter abwärts gehen.

Die Bilanzsumme der genossenschaftlichen Finanzunternehmen wächst, der Gewinn nicht. dpa

Volksbank in Hannover

Die Bilanzsumme der genossenschaftlichen Finanzunternehmen wächst, der Gewinn nicht.

FrankfurtDie Genossenschaftsbanken in Deutschland erwarten nach einem Vorsteuergewinn von fast zehn Milliarden Euro 2015 im laufenden Jahr mehr Gegenwind. Das anhaltend niedrige Zinsniveau und die steigenden regulatorischen Kosten drücken 2016 auf die Zahlen, wie Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Branchenverbands BVR, am Mittwoch in Frankfurt sagte. „Insgesamt wird sich der leichte Ergebnisrückgang im Jahr 2016 fortsetzen.“

Im vergangenen Jahr ging der Vorsteuergewinn der genossenschaftlichen Finanzgruppe um acht Prozent auf 9,8 Milliarden Euro zurück – unter anderem, weil die Institute mit ihren Finanzanlagen weniger verdienten. Zudem stiegen die Kosten, besonders fürs Personal. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank könnte den Abwärtsdruck auf die Finanzanlagen mindern. Und tatsächlich glaubt BVR-Präsident Uwe Fröhlich, dass es 2017 „Spielräume für eine weniger expansive Geldpolitik“ gebe. Doch es gibt ein großes Aber. Denn die Einschätzung zur Geldpolitik gelte nur, „wenn es gelingt, den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU in einem geordneten Rahmen abzuwickeln.“

Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehören neben den gut 1000 Volks- und Raiffeisenbanken unter anderem die Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank, die MünchenerHyp sowie die Sparda und PSD Banken. Die konsolidierte Bilanzsumme der Institute, die rund 188.000 Beschäftigte haben, kletterte im vergangenen Jahr um gut zwei Prozent auf 1,16 Billionen Euro.

Die größten Genossenschaftsbanken (2016)

Platz 10

Evangelische Bank eG (Kassel)

Bilanzsumme: 7,2 Mrd. Euro
Einlagen: 6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,8 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 4 Mrd. Euro

Platz 9

Sparda-Bank München eG

Bilanzsumme: 7,2 Mrd. Euro
Einlagen: 6,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,3 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 4,3 Mrd. Euro

Alle Angaben beziehen sich auf das Jahresende 2016.

Platz 8

Bank für Sozialwirtschaft AG (Köln)

Bilanzsumme: 8,6 Mrd. Euro
Einlagen: 6,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 453 Mio. Euro
Kundenforderungen: 5,5 Mrd. Euro

Platz 8

Sparda-Bank West eG (Düsseldorf)

Bilanzsumme: 9 Mrd. Euro
Einlagen: 8 Mrd. Euro
Spareinlagen: 2,9 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 4,6 Mrd. Euro

Platz 6

Frankfurter Volksbank eG

Bilanzsumme: 9,3 Mrd. Euro
Einlagen: 7,3 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,6 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 5,2 Mrd. Euro

Platz 5

Sparda-Bank Südwest eG (Mainz)
Bilanzsumme: 9,4 Mrd. Euro
Einlagen: 7,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 1,8 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 6,5 Mrd. Euro

Platz 4

BBBank eG (Karlsruhe)

Bilanzsumme: 10,2 Mrd. Euro
Einlagen: 8,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 2,2 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 5,5 Mrd. Euro

Platz 3

Berliner Volksbank eG

Bilanzsumme: 12.5 Mrd. Euro
Einlagen: 10,6 Mrd. Euro
Spareinlagen: 895 Mio. Euro
Kundenforderungen: 7,7 Mrd. Euro

Platz 2

Sparda-Bank Baden-Württemberg eG (Stuttgart)

Bilanzsumme: 13,4 Mrd. Euro
Einlagen: 11,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 4,7 Mrd. Euro
Kundenforderungen: 10,7 Mrd. Euro

Platz 1

Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (Düsseldorf)

Bilanzsumme: 38,8 Mrd. Euro
Einlagen: 25,7 Mrd. Euro
Spareinlagen: 93 Mio. Euro
Kundenforderungen: 29,7 Mrd. Euro

Quelle

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

Auch im ersten Quartal 2016 seien die Genossenschaftsbanken im Kredit- und Einlagengeschäft gewachsen und hätten der Konkurrenz Marktanteile abgenommen, erklärte BVR-Vorstand Martin.

Der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU wird die Konjunktur nach Einschätzung der BVR belasten, den Aufschwung in Deutschland aber nicht gefährden. Für 2017 senkte der BVR seine Wachstumsprognose für Deutschland um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. BVR-Präsident Uwe Fröhlich forderte, Europa müsse nach der Brexit-Entscheidung auf mehr Subsidiarität zu setzen.

„Mit dem Verzicht auf die von der EU-Kommission vorgeschlagene Vergemeinschaftung der Einlagensicherung EDIS könnte die europäische Politik ein deutliches Signal setzen und die Verantwortung der einzelnen Mitgliedsstaaten stärken“, so Fröhlich.

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