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05.08.2016

11:31 Uhr

Volksbanken vor Gebührenerhöhung?

„Ein paar Euro Kontoführungsgebühr nicht entscheidend“

Den Kunden der Volksbanken drohen steigende Gebühren. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase seien die Zeiten vorbei, in denen „alles kostenlos sein soll“. Strafzinsen für Privatkunden soll es aber nicht geben.

Müssen Kunden bald mehr für ihre Bankgeschäfte bezahlen? picture alliance / ZB

Volks- und Raiffeisenbanken

Müssen Kunden bald mehr für ihre Bankgeschäfte bezahlen?

Neu-IsenburgDeutschlands Volks- und Raiffeisenbanken stimmen ihre Kunden auf steigende Gebühren ein. „Wir hatten in der Vergangenheit einen Wettlauf, dass alles kostenlos sein soll“, erklärte Horst Kessel, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbands, am Freitag. „Diese Zeiten sind vorbei, denn die früher gängige Quersubventionierung durch Zinserträge ist in der anhaltenden Niedrigzinsphase nicht mehr möglich. Irgendwo müssen die Banken ihr Geld verdienen.“ Letztlich seien „ein paar Euro Kontoführungsgebühr nicht entscheidend“, wenn der Kunde die qualitativ hochwertige Beratung erhalte, die er erwarte.

So haben deutsche Banken beim Stresstest 2016 abgeschnitten

EZB-Bankenstresstest - die Szenarien

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat 51 große Banken aus 15 europäischen Ländern unter die Lupe genommen. Sie prüfte mit der Europäischen Zentralbank eine ganze Reihe von Kennzahlen und testeten wie sich diese in verschiedenen Szenarien bis 2018 entwickeln dürften.

Zum einen spielte die EBA durch, wie es den Banken gehen wird, falls die Vorhersagen der Europäischen Kommission zur Konjunktur in den nächsten Jahren eintreten (Basisszenario). Zum anderen testeten sie die Institute auch im Szenario einer sehr viel schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung (Adverses Szenario).

So haben die neun geprüften deutschen Banken abgeschnitten:

Bayerische Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 11,99 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,41 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,34 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -365

Commerzbank

Kernkapitalquote (2015): 12,13 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,13 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,42 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -471

Dekabank

Kernkapitalquote (2015): 13,50 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,17 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,53 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -397

Deutsche Bank

Kernkapitalquote (2015): 11,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,08 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 7,80 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -332

Landesbank Baden-Württemberg

Kernkapitalquote (2015): 15,98 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 15,58 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -658

Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

Kernkapitalquote (2015): 13,11 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 14,42 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 10,10 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -301

Norddeutsche Landesbank

Kernkapitalquote (2015): 12,09 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 13,16 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 8,62 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -347

NRW.Bank

Kernkapitalquote (2015): 42,54 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 39,44 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 35,40 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -714

Volkswagen Financial Services AG

Kernkapitalquote (2015): 11,67 %

Kernkapitalquote nach Basisszenario (2018): 12,90 %

Kernkapitalquote nach adversem Szenario (2018): 9,55 %

Differenz 2015 vs adv. Szenario 2018 (in Basispunkten): -211

Strafzinsen für Privatanleger soll es jedoch möglichst nicht geben - obwohl das kräftige Wachstum täglich fälliger Gelder für die Institute zunehmend zum Problem wird. Denn für überschüssige Liquidität, die Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, müssen sie 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. „Wegen der hohen Symbolwirkung für die Vorsorge tun die Volksbanken und Raiffeisenbanken alles, um Negativzinsen für den normalen Privatanleger zu vermeiden“, betonte Kessel.

Die Einlagen bei den nach zwei Fusionen inzwischen 279 Instituten in 13 Bundesländern kletterten seit dem Jahresende 2015 von gut 154 Milliarden Euro auf rund 156 Milliarden Euro Ende Juni. Auch die Kreditvergabe legte zu von 124,7 Milliarden auf 128 Milliarden Euro.


Von

dpa

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