Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.03.2014

10:47 Uhr

Vontobel und der Steuerskandal

Die Bank für die Hoeneß-Deals

VonHolger Alich

Für die Schweizer Bank Vontobel war Uli Hoeneß ein Top-Kunde mit großer Bedeutung für die Devisenabteilung. Der FC-Bayern-Präsident handelte am liebsten per Telefon. Sein Betreuer bei der Bank tritt jetzt kürzer.

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei einem Golfturnier: Die meisten Bankgeschäfte führte der FC-Bayern-Präsident per Telefon. dpa - picture-alliance

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß bei einem Golfturnier: Die meisten Bankgeschäfte führte der FC-Bayern-Präsident per Telefon.

ZürichDer Fall Hoeneß wird auch am Finanzplatz Schweiz mit Interesse verfolgt. Dabei gerät die Hoeneß Bank Vontobel in den Fokus. Die riesigen Summen, mit denen Hoeneß mit Devisen herumzockte, waren sogar im Vergleich mit der Größe des Devisengeschäfts der Privatbank beachtlich. Auch die Schweizer Finanzaufsicht Finma hat sich den Fall Hoeneß offenbar angeschaut.

Von der Bank Vontobel selbst heißt es zur Causa Hoeneß offiziell nur: Kein Kommentar. Das Schweizer Bankkundengeheimnis lässt Vontobel keine andere Wahl. Im Umfeld des Instituts wird allerdings gegen Hoeneß' Anwälte gewettert. Die erweckten den Eindruck, die Bank habe Zehntausende Dokumente zu Transaktionen erst im Februar dieses Jahres zur Verfügung gestellt. Die Bank habe aber die Unterlagen zeitnah im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt.

Vontobel-Filiale in der Schweiz. Imago

Vontobel-Filiale in der Schweiz.

Hoeneß-Anwälte hatten während des Prozesses gegen Hoeneß in München betont, die Datei zu neuen Steuersünden sei nach und nach vervollständigt und erst kurz vor Prozessbeginn fertiggestellt worden. Noch sei auch nicht geklärt, wie Gewinne im Einzelnen zu besteuern seien. Er lege Wert auf die Feststellung, sagt Anwalt Bernd Groß, dass „Herr Hoeneß nichts dafür kann“, dass nicht alle Angaben steuerrechtlich korrekt gewesen seien. Der Anwalt sagt auch, dass die Schweizer Bank und Hoeneß „wenig Wert auf die Dokumentation“ der Geschäfte gelegt hätten, weil sie ja eben nicht für deutsche Steuerbehörden bestimmt gewesen seien. Am Mittwoch erkannten die Anwälte die Höhe der Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro an.

Hinter vorgehaltener Hand können einige Vontobel-Manager dem Trubel sogar etwas Positives abgewinnen. „Wir konnten durch das Konto von Uli Hoeneß unseren Bekanntheitsgrad in Deutschland steigern“, sagte vor einigen Wochen ein Investmentbanker der Bank Vontobel, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dies sei praktisch kostenlose Werbung gewesen. „Wer kannte schon vorher den Namen Vontobel in Deutschland?“ Finanzanalysten bezweiflen das: Der Fall sei eine PR, die sich keine Bank wünsche.

Hoeneß entlasten könnte auch ...

... die freiwillige Selbstanzeige

Sollten die Richter zu der Überzeugung gelangen, dass Uli Hoeneß seine Selbstanzeige aus freien Stücken eingereicht hat, könnte dies für ihn strafmildernd berücksichtigt werden.

... die freiwillige Selbstanzeige II

Die freiwillige Selbstanzeige steht der taktischen Selbstanzeige entgegen. Sollten die Richtern zu dem Schluss kommen, dass Hoeneß erst handelte, als ihm bereits klar war, dass ihm Medien auf der Spur waren, kann er in diesem Punkt nicht mit Strafmilderung rechnen.

... die Kooperation mit seinem Steuerberater

Strafmildernd in Betracht könnten die Richter auch, dass Hoeneß bei der Selbstanzeige mit einem Experten, seinem Steuerberater, kooperiert hat, sich von ihm hat beraten lassen.

... die Kooperation mit seinem Steuerberater II

„Das Gericht hat die Aufgabe, den Sachverhalt vollumfänglich zu würdigen, und insbesondere alle Umstände zu berücksichtigen, die für den Mandanten sprechen“, sagt Christine Varga, Rechtsanwältin bei Rödl & Partner. Die Tatsache, dass Hoeneß sich habe beraten lassen, sollten die Strafverteidiger in jedem Falle aufgreifen.

Mittlerweile sind viele Details zum Kundenverhältnis Hoeneß-Vontobel bekannt geworden: Hoeneß wurde über Jahre vom ehemaligen Leiter des Devisenhandels Vontobels, Jürg H., betreut. Der Bayern-Boss war damit kein Kunde der Privatkundenbank, sondern des Investmentbankings. Angesichts der riesigen Summen, mit denen Hoeneß spekulierte, genoss er den Status des „semi-professionellen Anlegers“. Sprich, die Bank führte Hoeneß Orders nur aus, eine Beratung erteilte die Bank nicht. In zehn Jahren wickelte er so rund 50.000 Transaktionen ab – am liebsten per Telefon.

„Der Jürg“, wie Hoeneß den Vontobel-Manager nennt, wurde zu einem Freund der Familie. Mittlerweile leitet H. nicht mehr das Devisen-Geschäft bei Vontobel. Dies sei aber keine Strafaktion gewesen, heißt es in Vontobel-Kreisen. H. ist 61 Jahre und wollte einfach kürzer treten. Er habe sich nichts zu schulden kommen lassen.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.03.2014, 11:28 Uhr

Gewinne und Verluste bei der Devisen-Spekulation sind doch irrelevantz für die Steuer, oder ? Es wurde immer wieder eine sogenannte "Tobin-Steuer" diskutiert aber nicht eingeführt. Oder ??

Übrigens denke ich, über Höness liegt die wohlwollende Hand von Schäuble, von daher erwarte ich ein "politisch mildes Urteil", denn die Promies stehen in Deutschland unter "Schutz" - als Medien-Brüder der Politiker.

Account gelöscht!

12.03.2014, 11:49 Uhr

Merkel und Schäuble pressen Deutschland aus wie eine Zitrone.

Die Steuern steigen, EEG-Umlage zum Auspressen der Bürger für superteuren Strom. Frankreich zahlt nur 13 cent pro KW/h.

KK und Rente werden Zuschüsse gekürzt.

ESM kassiert heimlich Milliarden vom deutschen Steuerzahler. Draghi's einzige Sorge ist, dass die Zinsen für Anleihe-Inhaber ewig ausbezahlt werden - der Steuerzahler wird enteignet.

Wer solche Politiker in Berlin zu sitzen hat braucht keine Feinde mehr. Deutschland wird ferngesteuert ausgeplündert und über die Medien verblödet und ideologisch verblendet.

Aber Abgeordnete mit 9000 EUR Diäten im Monat. Ekelhaft !

Account gelöscht!

12.03.2014, 11:55 Uhr

@SayTheTruth: machen was dagegen uasser jammern. Eins ist klar, ein schild mit der aufschrift "habe die schnauze voll" interessiert niemanden. Also....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×