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04.04.2012

12:13 Uhr

Vor Abwicklung

Eurohypo treibt Ausverkauf in den USA voran

Die Eurohypo treibt ihren Rückzug aus dem US-Markt voran: Die kriselnde Tochter der Commerzbank will ein Hypothekenportfolio im Wert von 740 Millionen Dollar verkaufen - und dafür gibt es viele Interessenten.

Die Zentrale der Eurohypo in Eschborn bei Frankfurt. dpa

Die Zentrale der Eurohypo in Eschborn bei Frankfurt.

New YorkNach dem Abwicklungsbeschluss der EU treibt die Commerzbank-Krisentochter Eurohypo ihren Rückzug vom US-Markt voran. Derzeit steht ein 740 Millionen Dollar schweres Hypothekenportfolio im Schaufenster - das bislang größte, das die Eurohypo in den USA auf den Markt wirft.

Die Nachfrage ist nach Angaben aus Verhandlungskreisen enorm: Mehr als 100 Interessenten hätten sich gemeldet und Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnet, berichteten mit der Sache vertraute Personen. Die Frist für Angebote lief in der Nacht zum Mittwoch aus. Die EU-Kommission hatte der Commerzbank am Freitag grünes Licht für die Zerschlagung der hochdefizitären Eurohypo gegeben.

Der Staats- und Immobilienfinanzierer, der einst in 29 Ländern unterwegs war, muss nun nicht mehr wie ursprünglich gefordert bis Ende 2014 verkauft werden. Stattdessen darf die Commerzbank die Tochter abwickeln. Der Name wird bald verschwinden. 80 Prozent des verbliebenen Portfolios von 166 Milliarden Euro kommen in eine interne „Bad Bank“, die Papiere sollen dort bilanzschonend abgebaut werden. Die Commerzbank übernimmt nur einen kleinen Kern der gewerblichen Immobilienfinanzierung im Volumen von 25 Milliarden Euro in Deutschland, Polen, Frankreich und Großbritannien. Der US-Markt gehört nicht mehr dazu.

In den Boomzeiten 2003 bis 2007 war die Eurohypo ein großer Akteur auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Sie finanzierte zahlreiche prestigeträchtige Bauten und verbriefte die Kredite anschließend im großen Stil. Als der Markt zusammenbrach, stürzte auch die Eurohypo in die Krise. Viele Kredite und Verbriefungen fielen aus. Seither läuft der Rückzug auf Raten. Das US-Portfolio der Eurohypo hat heute noch ein Volumen von rund vier Milliarden Dollar.

Bei dem nun zum Verkauf gestellten Hypothekenportfolio handelt es sich um Kredite für Büros, Einzelhandelsflächen und Appartmentblocks in New York, Boston, Miami, Houston, Chicago und San Francisco, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Es sind aber keineswegs faule Kredite, sondern Darlehen, die mit Zins und Tilgung ordentlich bedient werden. Interessenten können für alles bieten oder nur für Teile davon.

In einer Zeit, in der sich der US-Markt zumindest in den Metropolen langsam erholt, könnte ein Schnäppchen dabei sein. Daher interessieren sich nicht nur Finanzinvestoren wie Blackstone für das Paket, sondern auch strategische Investoren wie die US-Großbanken JP Morgan und Wells Fargo, wie die Insider berichteten. Von Blackstone, JP Morgan und Wells Fargo gab es keine Stellungnahme. Die Eurohypo äußert sich nicht zu laufenden Verkäufen.

Wie groß die Aufräumarbeiten bei der Eurohypo sind, geht aus dem in dieser Woche veröffentlichten Geschäftsbericht hervor: Demnach schrieb das Spezialinstitut 2011 einen Rekordverlust von 3,5 Milliarden Euro vor Steuern - dieses Mal hauptsächlich wegen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen. In der gewerblichen Immobilienfinanzierung schaffte die Eurohypo dagegen zum ersten Mal seit Ende 2007 wieder eine schwarze Null. Das Neugeschäft ruht seit Herbst. Daher lag es im Gesamtjahr mit 2,5 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert (gut fünf Milliarden).

Von

rtr

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