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13.09.2014

09:35 Uhr

Vor dem Referendum

Deutsche Bank warnt Schottland

VonMartin Dowideit

„Schottland: Falsche Richtung“. So lautet der Titel eines Papiers, mit dem die Deutsche Bank vor einer Abspaltung Schottlands von Großbritannien warnt. Die deutliche Antwort einer schottischen Zeitung kam prompt.

Ein unabhängiges Schottland? Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank warnt eindringlich vor möglichen Folgen einer Abspaltung vom Vereinigten Königreich. dpa

Ein unabhängiges Schottland? Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank warnt eindringlich vor möglichen Folgen einer Abspaltung vom Vereinigten Königreich.

DüsseldorfMit drastischen Worten beschreibt David Folkerts-Landau, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, die möglichen Folgen einer Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich. Er wählt dazu deutliche historische Vergleiche.

„Schottland: Falsche Richtung“ lautet die Überschrift des Papiers, das die volkswirtschaftliche Abteilung der Deutschen Bank zum Wochenende veröffentlichte. Und mit den enthaltenen Schlussfolgerungen löste das Institut heftige Reaktionen in Schottland aus. „Nein, danke“ druckte die schottische Zeitung „Daily Record“ am Samstag auf ihre Titelseite, um die Expertise des größten deutschen Geldhauses zu kommentieren.

So wichtig ist Schottland für die deutsche Wirtschaft

Wie stark ist die schottische Wirtschaft überhaupt?

Die jährliche Wirtschaftsleistung beträgt rund 131 Milliarden Pfund - umgerechnet fast 165 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Berlin und Brandenburg zusammen.

Wie viel exportiert Deutschland nach Schottland?

Deutschland exportierte 2013 Waren im Wert von umgerechnet gut fünf Milliarden Euro nach Schottland. "In der Rangliste unserer wichtigsten Kunden würde Schottland einen Platz unter den ersten 50 belegen", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. "Und zwar noch vor Staaten wie Irland und Griechenland." Großbritannien insgesamt steht mit einem Volumen von knapp 76 Milliarden Euro an Nummer drei, hinter Frankreich und den USA, aber noch vor den Niederlanden und China. Die Schotten kaufen vor allem deutsche Maschinen und Fahrzeuge, aber auch chemische Produkte.

Und wie viel kauft Deutschland in Schottland?

Schottland lieferte 2013 Waren im Wert von etwa drei Milliarden Euro in die Bundesrepublik. Das würde zu einem Platz unter den 50 wichtigsten deutschen Lieferanten reichen, noch vor Australien oder Saudi-Arabien.

Importiert Deutschland vor allem Whiskey?

Alkohol ist tatsächlich ein großer Exportschlager. Nummer eins sind zwar Maschinen und Fahrzeuge. Nach Angaben der Scotch Whisky Association wurde 2013 Whisky im Wert von 172 Millionen Pfund (216 Mio Euro) nach Deutschland exportiert. Die Bundesrepublik ist damit fünftgrößter Abnehmer hinter den USA, Frankreich, Singapur und Spanien.

Wie viele deutsche Unternehmen sind vor Ort?

Mehr als 200, sagt DIHK-Experte Treier. "Davon wiederum sind knapp 40 hundertprozentige Töchter von Industrieunternehmen wie BASF, Bosch und Evotec." Insgesamt beschäftigen die deutschen Firmen rund 20.000 Mitarbeiter in Schottland.

Ein Sprecher des schottischen Finanzministeriums wies unmittelbar nach Erscheinen der Studie die Aussagen zurück. Mit einer Ja-Stimme am Donnerstag werde Schottland „ein stärkeres wirtschaftliches Fundament haben als jede Nation zuvor in der Geschichte“, so der Sprecher gegenüber der Zeitung „The Herald“.

Was hat diesen Trubel ausgelöst? Im Vorwort zu der Studie schreibt Deutsche Bank-Chefvolkswirt Folkerts-Landau, dass es „Zeiten gibt, in denen grundlegende politische Entscheidungen negative Folgen haben, die weite über das gehen, was sich Wähler und Politiker vorstellen können“. Die Abstimmung über die schottische Unabhängigkeit sei ein solcher Moment.

Folkerts-Landau zieht eine Parallele zu zwei Ereignissen, die ähnlich folgenschwer gewesen seien:

  •          Die Wiedereinführung des Gold-Standards durch den damaligen britischen Finanzminister Winston Churchill im Jahr 1925.
  •          Die restriktive Politik der US-Zentralbank in den frühen 1930er-Jahren, die zur sogenannten „Großen Depression“ führte.

Beide Entscheidungen hatten hohe Arbeitslosigkeit und Finanzkrisen zur Folge. Auch das Beispiel der Euro-Zone zeige, wie schwer es in der Euro-Krise Länder wie Irland oder Portugal hatten, die den Eindruck erweckt hätten, kurz vor dem Abschied aus einer starken Union zu stehen.

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