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23.02.2004

07:00 Uhr

Vorstandschef der Kreissparkasse Köln plädiert für unternehmerische Führung

WestLB: Sparkassen wollen das Sagen haben

VonCaspar Dohmen (Handelsblatt)

Die Sparkassen pochen auf die Übernahme der unternehmerischen Führung bei der WestLB. „Die Sparkassen sollten mittelfristig mindestens 50 % an der WestLB AG halten“, sagte Hans-Peter Krämer, Vorstandschef der Kreissparkasse Köln und WestLB-Aufsichtsratsmitglied, dem Handelsblatt. Mit Krämer befürwortet erstmals ein einflussreicher Vertreter der rheinischen Sparkassen öffentlich eine Beteiligung an Kapitalmaßnahmen.

DÜSSELDORF. „Wir sollten uns einer Kapitalerhöhung und unternehmerischen Neuausrichtung der Bank konstruktiv stellen“, sagte er. Die Sparkassen erhoffen sich von größerem Einfluss bei der WestLB zusätzlichen Schub für ihre eigenen Geschäfte. Sie könnten etwa bei der Vergabe von Großkrediten stärker mit der Landesbank zusammenarbeiten und sich so neue Märkte erschließen.

Die WestLB AG ist eine vollständige Tochter der Landesbank NRW. Diese wiederum gehört zu 43,2 % dem Land NRW, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen halten je 16,7 % und die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe je 11,7 %. Zurzeit läuft noch der Abstimmungsprozess unter den 40 rheinischen Sparkassen. Für die westfälisch-lippischen Institute hatte kürzlich deren Präsident Rolf Gerlach eine Teilnahme an einer Kapitalspritze in Aussicht gestellt.

Die WestLB steht unter Druck. Vergangenen Dienstag musste sie für 2003 einen Rekordverlust von 2,32 Mrd. Euro verkünden. Insgesamt hat die achtgrößte deutsche Bank innerhalb von zwei Jahren Werte in Höhe von etwa vier Milliarden Euro vernichtet. Unter den Eigentümern der WestLB herrscht deshalb Einigkeit über die Notwendigkeit einer erneuten Kapitalspritze. Genannt werden 1,5 bis zwei Mrd. Euro. Bereits Anfang 2003 hatten die Eigentümer der Bank 1,25 Mrd. Euro Kapital zur Verfügung gestellt. Dies ist durch fehlgeschlagene Aktivitäten – etwa bei dem britischen Fernsehgeräteverleiher Boxclever – längst verbraucht.

Offen ist noch, inwiefern es durch die notwendigen Kapitalmaßnahmen zu Verschiebungen bei den Eigentumsverhältnissen kommen wird. Bisher haben Land und Landschaftsverbände noch nicht erklärt, ob sie sich an Kapitalmaßnahmen beteiligen werden. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass sie diese vor den nordrhein-westfälischen Landtagswahlen im Frühjahr 2005 beschließen können. Den Wählern wäre es nur schwer vermittelbar, wenn für die fehlgeschlagenen Auslandsaktivitäten der WestLB den angespannten Haushalten nochmals Geld entzogen würde. Doch die Bank braucht bis zum Sommer verbindliche Eigenkapitalzusagen. Dann wollen auch erstmals die Ratingagenturen ihre Bonitätsbewertungen für Landesbanken ohne Staatsgarantien veröffentlichen, die Mitte kommenden Jahres auslaufen.

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