Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2014

08:00 Uhr

Vorstandsgehälter

Ein dickes Plus für Sparkassen-Chefs

VonMarcel Bohnensteffen, Martin Dowideit

ExklusivDirektbanken graben öffentlich-rechtlichen Banken das Wasser ab, das Filialgeschäft bröckelt, nur eins scheint sicher: Die Gehälter von Sparkassen-Vorständen klettern Jahr für Jahr – stärker als die der Angestellten.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Wenn’s um Geld geht, Sparkasse

Handelsblatt in 99 Sekunden: Wenn’s um Geld geht, Sparkasse

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfDie Differenz zwischen den Gehältern der Sparkassen-Vorstände und den Angestellten der Geldhäuser wächst weiter. Das zeigt eine Handelsblatt-Auswertung der Gehälter der nordrhein-westfälischen Sparkassen-Spitzenmanager. Während die Tarifgehälter der Angestellten im Jahr 2013 in zwei Schritten um 2,8 Prozent stiegen, wuchs die durchschnittliche Vergütung der Vorstandschefs im Schnitt um 3,44 Prozent auf 343.000 Euro. Auch 2012 waren die Vorstandsgehälter schneller gewachsen als die der Angestellten.

Nordrhein-Westfalen ist bislang das einzige Bundesland, in dem Sparkassen dazu angehalten sind, die Gehälter ihrer Vorstände zu veröffentlichen. Von den 105 Sparkassen legten für 2013 insgesamt 101 Institute die Zahlen offen. Der Transparenz verweigern sich mittlerweile nur noch die Stadtsparkasse Wuppertal, die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt, die Stadtsparkasse Rheine und die Sparkasse Fröndenberg. Eine umfangreiche Auswertung für das Jahr ist erst jetzt möglich, da viele Institute ihre Jahresberichte erste Monate nach der Erstellung im Bundesanzeiger veröffentlichen.

Die vollständige Analyse der Vorstandsgehälter der NRW-Sparkassen kann als Excel-Datei im Kaufhaus der Weltwirtschaft heruntergeladen werden.

NRW-Sparkassenchefs mit dem größten Gehaltszuwachs (2013)

Platz 10

Alexander Wüerst ist der Top-Verdiener unter den Sparkassen-Chefs in Nordrhein-Westfalen. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Köln verdiente im vergangenen Jahr insgesamt 804.500 Euro. Das sind nochmal 7,22 Prozent mehr als 2012 (750.300 Euro).

Platz 9

Die Bezüge von Artur Grzesiek, Chef der Sparkasse KölnBonn, stiegen 2013 um 7,44 Prozent von 657.700 auf 706.600 Euro. Das macht Grzesiek zum zweit bestbezahltesten Vorstände aller Sparkassen in NRW.

Platz 8

Friedhelm Falk ist ein Eigengewächs der Sparkasse Hattingen. Schon seine Ausbildung absolvierte er bei dem Geldinstitut. Heute ist er dessen Chef und streicht ein sattes Jahresgehalt ein. 304.000 Euro nach 280.000 Euro 2012 - das ist ein Plus von 8,57 Prozent.

Platz 7

Auch Gerold Momann gehört bei der Stadtsparkasse Versmold zum alten Eisen. Sein Gesamtverdienst im Jahr 2013: 215.000 Euro, ein Zuwachs von 8,59 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

Platz 6

Um 8,7 Prozent stieg die Vergütung von Jens Härtel (Sparkasse Höxter). Nach 299.000 Jahressalär 2012 bezog Härtel im Vorjahr 325.000 Euro.

Platz 5

Auch kleine Gehaltssprünge machen sich bemerkbar: Helmut Franzke, Chef der Sparkasse Erwitte-Anröchte steigerte seine Bezüge von 201.000 auf 219.000 Euro - ein Plus von 8,96 Prozent.

Platz 4

Erstmals über die 200.000er Grenze kletterte der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Herdecke, Franz-Wilhelm Buerdick. Seine Bezüge stiegen um 9,18 Prozent von 196.000 auf 214.000 Euro.

Platz 3

Sogar einen zweistelligen Verdienstzuwachs strich Kai Hagen, Chef der Sparkasse Märkischer Kreis ein. Seine Bezüge kletterten um 10,21 Prozent auf 313.000 Euro. Im Jahr davor hatte er noch 284.000 Euro kassiert.

Platz 2

Mit zu den größten Profiteuren der Sparkassen-Chefs in NRW zählte 2013 Dietmar Tacke (Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer-Menden). Er verdiente 320.000 Euro - satte 17,22 Prozent mehr als 2012 (273.000 Euro).

Platz 1

Was den Gehaltszuwachs angeht, bleibt ein Vorstandsvorsitzender jedoch unangetastet: Wilfried Groos, Chef der Sparkasse Siegen. Seine Bezüge stiegen im vergangenen Jahr von 388.000 auf 467.000 Euro - ein Anstieg um 20,36 Prozent. Dieser Wert blieb unerreicht in der Branche.

Quelle

Handelsblatt/Bundesanzeiger

Die Analyse zeigt, dass es bei den Vergütungszuwächsen deutliche Ausreißer gibt. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Siegen, Wilfried Groos, etwa steigerte seine Bezüge 2013 von 388.000 auf 467.000 Euro – ein Zuwachs von 20,3 Prozent. Groos wollte auf Nachfrage des Handelsblatts keine Begründung für den Gehaltssprung geben.

Verantwortlich für die Bezahlung des Vorstandes ist der Verwaltungsrat einer Sparkasse. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Siegen, Bürgermeister Steffen Mues, rechtfertigte die Vergütung des Vorstands und seines Vorsitzenden mit dem „Einsatz des einzelnen Vorstandsmitglieds am Markt“.  

Grundlage für die Bemessung der Vorstandsvergütung sei „die Summe aus der Bilanzsumme, dem Kreditvolumen, dem Zehnfachen des Eigenkapitals sowie der Vorsorgereserve und dem Depotbestand der Kundenwertpapiere“. Groos‘ Bezüge orientieren sich laut Mues an den Empfehlungen des Sparkassenverbandes.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Insam

10.12.2014, 09:09 Uhr

Es ist eine bodenlose Frechheit! Machen sich die Sparkassen-Chefs auch nur im Entferntesten Gedanken darüber, woher das Geld stammt? Diese unendliche Geldgeilheit zu Lasten der eigenen Leute ist einfach nur unerträglich.Kein Geld für die Kunden (siehe niedrige Zinsen) aber Gehaltserhöhungen jenseits von Gut und Böse. Wasser predigen und Wein saufen. Kotzen könnte man.

Herr Gordon Gekko

10.12.2014, 09:21 Uhr

Die niedrigen Zinsen sind der EZB geschuldet, da kann kein Bank- oder Sparkassenvorstand etwas dafür, nachdenken bevor Sie kotzen. Und Gehaltserhöhungen finden in jedem Vorstand statt, da macht sich auch keiner Gedanken. Und die "armen" kleinen Mitarbeiter haben auch sehr hohe Gehaltserhöhungen in 2014 erhalten, sieh die vielen Tarifrunden.

Herr peter gramm

10.12.2014, 10:19 Uhr

im gesamten öffentlichen bereich wird der bürger oder auch kunde abgezockt. die einkommen der spitzenleute stehen in keinem zusammenhang mit ihren leistungen. egal wohin man schaut - nur schaumschläger. sie situation bei den landesbanken hat man anscheinend schon vergessen. von wegen lesistungen, da sassen dilettanten am werk. für den murks den sie zu lasten des steuerzahlers geliefert haben mußten sie nicht mal einstehen. der ganze öffentlich rechtliche klüngel (egal ob politik, behörden, banken, öffentlich rechtliche medien, zwangsfinanzierte ihk'en oder anderes mehr) ist hochgradig ineffizient. solange man aber den dies finanzierenden ungehindert in die tasche greifen kann, wird sich daran nichts ändern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×