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22.03.2017

12:23 Uhr

Vorstandssitzung

Was uns dieses Foto über die Deutsche Bank verrät

VonMartin Dowideit, Yasmin Osman

Ein Schnappschuss der Deutschen Bank bietet einen Einblick in eine Vorstandssitzung. Wer genau hinschaut, kann ein paar nette Details erschließen. Und darf sich von zu viel Offenheit nicht blenden lassen.

Das Sakko abzulegen ist im Vorstand des deutschen Kreditinstituts offenbar nicht verpönt. twitter.com/joergeigendorf

Vorstandssitzung der Deutschen Bank

Das Sakko abzulegen ist im Vorstand des deutschen Kreditinstituts offenbar nicht verpönt.

Düsseldorf/FrankfurtFotos aus laufenden Vorstandssitzungen deutscher Großkonzerne sind eine Seltenheit. Die Deutsche Bank macht eine Ausnahme: Sie kämpft um ihr Ansehen seit sie Milliardenstrafen unter anderem für Zins- und Devisenmanipulationen zahlen musste – und wählt mehr Offenheit als Antwort auf die Skepsis, die ihr entgegen schlägt.

Kommunikationschef Jörg Eigendorf veröffentlichte am Dienstagabend daher ein Foto, das ein Kamerateam der ARD zeigt, das für einen Beitrag in einer von Vorstandschef John Cryan geleiteten Vorstandssitzung drehen durfte. Der Schnappschuss erlaubt einen außergewöhnlichen Blick in die Bank. Wenn auch der Vorstand des Dax-Konzerns natürlich auf den Besuch des Fernsehteams vorbereitet worden war und sich vielleicht nicht ganz so gegeben hat, wie in Fällen ohne Beobachtung.

Rund um einen langen Tisch mit mindestens sechs lederbezogenen Stühlen in klassischem Stahlrohr-Design an jeder Seite, zeigt das Foto sieben Personen. Auf der linken Seite sitzt Vorstandschef John Cryan, in seinen Händen ein Tablet-Computer mit einem Klappständer. Das Display ist extrem dunkel – der CEO nutzt einen Blickschutz.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Neben dem riesigen Bildschirm an einer Kopfseite des Raums sind zwei Kameras auf die Teilnehmer im Raum gerichtet: Per Videokonferenz wird ihr Bild aus Frankfurt zu zwei zugeschalteten Kollegen übertragen. Etwa in Lebensgröße ist links auf dem Großbildschirm Kim Hammonds zu sehen, Vorständin für Technologie, hinter ihr ein Kunstwerk in einem New Yorker Büro der Bank. Auf der rechten Seite ist Stuart Lewis elektronisch bei der Sitzung anwesend. Er ist der Risikovorstand der Bank – und aus Singapur zugeschaltet.

Zwischen den sechs Männern und der Vorständin für Regeleinhaltung, Sylvie Matherat, stehen im Frankfurter Konferenzraum viele Flaschen Mineralwasser – und auch Erfrischungsgetränke wie Coca-Cola und Säfte. Die Teilnehmer nippen aber allenfalls Wasser. Krawatte und Hemden mit Manschetten sind für die Herren Pflicht, aber das Sakko abzulegen ist nicht verpönt.

Neben Cryan sind am Tisch noch vertreten: Garth Ritchie, Kapitalmarktchef, Werner Steinmüller (Asienchef), Nicolas Moreau (Vermögensverwaltung Deutsche Asset Management, ohne Sakko), Karl von Rohr (Personal, Recht) und – vom rechten Bildrand hereinragend – Christian Sewing (Privatkunden und Co-Vorstandschef). Nicht dabei oder außerhalb des Bildausschnitts sind Co-Vorstandschef Marcus Schenck und Noch-Investmentbankingchef Jeff Urwin.

Kommentare (3)

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Herr Alexander Hinterding

22.03.2017, 14:37 Uhr

Als kleine Randnotiz: Die tatsächliche Uhrzeit in New York war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Stunde später, also 7:09Uhr, da man in den Staaten bereits etwa zwei Wochen vorher auf Sommerzeit gestellt hat.

Herr Hans-Jörg Griesinger

22.03.2017, 14:59 Uhr

Und ... warum ist das jetzt einen Artikel über zwei Seiten wert, wie es im Besprechungszimmer des Vorstandes der Deutschen Bank aussieht, welche Sprache gesprochen wird (warum eigentlich englisch, wenn es die DEUTSCHE Bank ist?), wer was trägt und wieviel Uhr es ist und weshalb das Handelsblatt kostenlose Werbung für gesundheitsschädlichees Phosphor- und Kohlensäurehaltiges schwarzes Koffein-Zuckerwasser macht?
Sorry, ihr habt aber echt einen an der Waffel!

Herr Max Nolte

22.03.2017, 15:00 Uhr

...wo sind denn die 500eur-Bündel womit man sich die Zigarren anmacht...?

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