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20.06.2013

13:27 Uhr

Vorwurf der Untreue

Formfragen blockieren Sal. Oppenheim-Prozess

Der Neustart des Sal. Oppenheim-Prozesses verläuft holprig. Am ersten Tag des Strafverfahrens kommt das Kölner Landgericht wieder nicht zu inhaltlichen Fragen. Die Verteidigung rügt erneut das Gericht.

Matthias Henning Graf von Krockow: Gemeinsam mit drei weiteren früher persönlich haftenden Gesellschaftern ist er angeklagt. Reuters

Matthias Henning Graf von Krockow: Gemeinsam mit drei weiteren früher persönlich haftenden Gesellschaftern ist er angeklagt.

KölnAuch die Neuauflage des Sal. Oppenheim-Prozesses kommt nur stockend in Gang. Drei Monate nach dem überraschenden Abbruch nahm das Kölner Landgericht das spektakuläre Strafverfahren am Donnerstag zwar wieder auf. Doch musste sich die Wirtschafts-Strafkammer nach einer Besetzungsrüge der Verteidigung sofort wieder mit juristischen Formfragen beschäftigen. Zu inhaltlichen Punkten kam es zunächst nicht.

Dem früheren Führungsquartett der einst größten europäischen Privatbank Sal. Oppenheim und einem damals engen Geschäftspartner werden teils Untreue in besonders schwerem Fall und teils Beihilfe dazu vorgeworfen. Dem Bankhaus soll ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein. Die Angeklagten bestreiten – soweit sie sich bisher geäußert haben – die Vorwürfe. Sal. Oppenheim war nach massiven Fehlspekulationen 2009 fast kollabiert und gehört seit Anfang 2010 in extrem verkleinerter Form zur Deutschen Bank.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die Verteidiger monierten, der Fall sei fehlerhaft zugewiesen worden und die 16. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Sabine Grobecker vorschriftswidrig besetzt. Der Vorwurf zielt darauf ab, dass die Staatsanwaltschaft Einfluss darauf nehmen könne, welche Kammer sich letztlich mit welchem Fall befasse. Die Kammer muss nun bis kommenden Mittwoch über die Rüge entscheiden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Grobecker sie abweisen wird. Landgerichtspräsident Helmut Zerbes stellte in einer verlesenen Stellungnahme klar, dass er die Rüge für völlig unberechtigt hält. Die angeblichen Möglichkeiten der Einflussnahme seien „konstruiert“.

Der Prozess hatte ursprünglich im Februar begonnen, war aber schon im März am zweiten Verhandlungstag aus formalen Gründen ausgesetzt worden. Daher nun die Neuauflage. Angeklagt sind die vier früher persönlich haftenden Bank-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow (64), Christopher Freiherr von Oppenheim (47), Dieter Pfundt (60) und Friedrich Carl Janssen (69) sowie ein damaliger Geschäftspartner, der Immobilienunternehmer Josef Esch (56).

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, das Geldhaus mit drei Immobiliengeschäften um rund 145 Millionen Euro geschädigt zu haben. Außerdem sollen sie infolge unzulässig riskanter Kredite einen Schaden von 460 Millionen Euro verursacht haben.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Kulleraugen

20.06.2013, 16:14 Uhr

Ich Denke mal solche Menschen dürfen alles tun es wird bestimmt nicht zu einer Verurteilung bei solch einem Kvaliersdilikt kommen und Sie werden von der Oberen Gesellschaft und Politik Geschützt.

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