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26.06.2015

12:34 Uhr

VTB-Bank-Chef Andrey Kostin

„Russische Banker sind schlechte Nachrichten gewohnt“

Die Frustschnute bekommt Andrey Kostin, Chef der russischen VTB Bank, nicht mehr weg. Sanktionen im Ukraine-Konflikt vermiesen das Geschäft. Doch der Banker hat schon Ideen, woher er sich notfalls Cash besorgt.

VTB Bank Chef Andrey Kostin: Die russische Bank geht wegen der Sanktionen gegen Russland durch schwierige Zeiten Reuters

Frustschnute

VTB Bank Chef Andrey Kostin: Die russische Bank geht wegen der Sanktionen gegen Russland durch schwierige Zeiten

FrankfurtZwischen Moskau und Kiew klafft ein tiefer Graben, und der ließ sich am Freitag auch in Frankfurt bewundern: Dort saßen Vertreter von Russland und der Ukraine im vergangenen Jahr noch gemeinsam auf der Bühne. Jetzt sind beide Seiten beim Gipfeltreffen des Internationalen Bankenverbandes IIF getrennt: Erst kommt Russland, dann die Ukraine. Für Andrey Kostin, der Chef der russischen VTB-Bank, ist das kein Zufall. „Der Westen versucht, Russland und die Ukraine zu spalten“, poltert Kostin. Die westlichen Sanktionen gegen Russland seien ein „gefährliches Spiel“.

Für knackige Statements ist der russische Banker bekannt – und das nicht erst, seit die Wirtschaft seines Landes in der Krise steckt. Auch die VTB, die zweitgrößte Bank Russlands, ist durch die Sanktionen des Westens im Ukraine-Konflikt vom internationalen Finanzmarkt abgeschnitten. Das Institut hat angekündigt, sich das Geld nun im eigenen Land zu verschaffen – notfalls vom Staat.

„Wir müssen leider wieder auf die Regierung zugehen und sagen: ‚Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, brauchen wir Kapital‘“, sagt Kostin. In diesem Jahr könne die Bank wohl trotzdem eine schwarze Null erwirtschaften. „Vielleicht schaffen wir auch einen kleinen Gewinn.“

Erst in der vergangenen Woche hatte die EU die Sanktionen gegen Russland verlängert. Für Kostin ein Unding. Wirtschaftssanktionen als Mittel der Außenpolitik seien „völlig falsch“, poltert er vor den anwesenden Bankern. „Sie können Russland nicht dazu bringen, etwas zu tun, das es nicht will, indem sie drohen und sagen: Sonst bestrafen wir dich.“

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Kostin warnte vor einer Eskalationsspirale: „Obwohl ich Banker bin, machen wir die politischen Konsequenzen mehr Sorgen als die ökonomischen Konsequenzen“, sagte er. So diskutierten Russland und der Westen die Stationierung neuer Nuklearwaffen. „Wenn wir tatsächlich wieder ein nukleares Wettrüsten beginnen, nehmen wir uns gegenseitig immer stärker als Bedrohung wahr.“

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