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22.02.2011

16:33 Uhr

VTB kauft Bank of Moscow

Milliardenschwere Bankenübernahme in Russland

VonFlorian Willershausen

Russlands Top-Banker Andrej Kostin hat einen großen Coup gelandet: Die VTB-Gruppe, die der Ex-Diplomat seit vielen Jahren führt, übernimmt Russlands fünftgrößtes Finanzinstitut, die Bank of Moscow - ein milliardenschwerer Deal.

Russlands Top-Banker Andrej Kostin (l. mit Premierminister Wladimir Putin) jagt mit der VTB den Branchenführer Sberbank. Quelle: dapd

Russlands Top-Banker Andrej Kostin (l. mit Premierminister Wladimir Putin) jagt mit der VTB den Branchenführer Sberbank.

Moskau

Rund 2,6 Milliarden Euro zahlt VTB für die Übernahme eines Pakets über 71,48 Prozent der Aktien, die die Moskauer Stadtregierung abstößt. Mit der größten Akquisition in der VTB-Historie stärkt die Bank ihr Retail-Geschäft - und bläst zum Angriff auf den Branchenführer Sberbank.

Die Übernahme der Bank of Moscow passt zu Kostin, der seit vielen Jahren eine aggressive Expansionsstrategie verfolgt. Bereits vor wenigen Wochen hatte er mit der Transkreditbank ein mittelgroßes Institut gekauft, das bislang zur russischen Staatsbahn RZD gehörte. Langsam pirscht sich VTB an die Sberbank heran, die mit einer Bilanzsumme von zuletzt 202 Milliarden Euro bis dato fast doppelt so groß ist. Nach der Übernahme der Bank of Moscow wird dieser Abstand schmelzen, denn in der Bilanz der Moskauer Hausbank stehen Aktiva von immerhin 24 Milliarden Euro.

Eine Überraschung ist der Deal vom Dienstag indes nicht. Früh hatte VTB ein Interesse bekundet. Und da der russische Staat nach wie vor rund 75 Prozent der Anteile an der Bank hält, zweifelten Branchenkenner nicht daran, dass die ehemalige Außenhandelsbank der Sowjetunion den Zuschlag bekommen würde. Folgerichtig zogen sich ausländische Investoren, etwa Italiens UniCredit-Group, schon nach ersten Sondierungsgesprächen zurück.

Mit der neuen Tochter holt sich Kostin allerdings auch einige Probleme ins Haus: Die Bank of Moscow stand Zeit ihres Bestehens unter Kontrolle der Stadt Moskau. Der frühere Rathauschef Jurij Luschkow führte das Haus nach Gutsherrenart. Auf Geheiß der Stadtverwaltung wurden Kredite vergeben, ohne die Bonität der Schuldner zu prüfen - vor allem an die Ehefrau des im September geschassten Bürgermeisters, die Baulöwin Jelena Baturina.

Erst letzte Woche filzten Steuerfahnder die Räume der Bank of Moscow; politische Gegner sind offenbar auf der Suche nach kompromittierendem Material gegen das Ex-Bürgermeister-Paar. Kein Wunder, dass Nachfolger Sergej Sobjanin die Bank so schnell wie möglich los werden wollte. In den Tresoren schlummert noch toxisches und politisch brisantes Material - Altlasten, die Andrej Kostin nun entsorgen muss.

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