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22.03.2012

18:52 Uhr

Wandel einer Bank

Goldman, die Muppets und die Teletubbies

VonAstrid Dörner

Heute filtert Goldman Sachs E-Mails nach Schmähbegriffen für Kunden. Früher war die Firmenkultur des New Yorker Investment-Riesen anders. Man umarmte sich und trug Teletubby-Kostüme. Ein Blick in die gute alte Zeit.

Vor elf Jahren tauchten die Teletubbies an der New Yorker Börse auf. Reuters

Vor elf Jahren tauchten die Teletubbies an der New Yorker Börse auf.

New YorkAls der Derivateexperte Greg Smith vergangene Woche in der „New York Times“ öffentlichkeitswirksam seinen Abgang von der Investmentbank Goldman Sachs begründete, regte er sich darüber auf, dass Kunden von Kollegen als „Muppets“ verspottet würden. Seitdem filtert die Bank Unternehmensmails sicherheitshalber nach diesem und anderen negativen Schlagworten.

Doch Smith schwelgte in seinem Gastbeitrag auch in Erinnerungen an die guten alten Zeiten, in der die Firmenkultur noch nicht so „toxisch“ war, es um Teamgeist ging, Integrität, um „Stolz und den Glauben an die Organisation“. „Für die kritische Öffentlichkeit dürfte das überraschend klingen“, hatte Smith eingeräumt. Nun bekommt er Hilfe vom US-Magazin „The New Yorker“. Redakteure der Zeitschrift haben einen fast zwölf Jahre alten Artikel wieder herausgekramt, der das andere Goldman zeigt. Er berichtet davon, wie das Wall-Street-Haus die größte Gruppenumarmung der Welt organisierte, um den Teamgeist zu fördern. Die bunten Teletubbies, damals die Lieblinge der Kinder, waren auch dabei.

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In einem in der „New York Times“ veröffentlichen Kündigungsschreiben hatte ein ehemaliger Derivateexperte der Investmentbank Goldman Sachs dem Unternehmen Abzocke vorgeworfen. Firmenchef Lloyd Blankfein hat reagiert.

Dem „New Yorker“ zufolge hat sich jener Abend im Jahr 2000 so zugetragen: Goldman-Sachs-Mitarbeiter aus der ganzen Welt sind an einem kalten Dezembertag zur jährlichen Investment-Banking-Konferenz nach New York gereist; insgesamt 3000 Mitarbeiter, die sich bei Vorträgen und Meetings austauschen wollen. Abends, beim Dinner im noblen Hilton Hotel, stellt Goldmans Vice President Maynard Holt dann eine Frau vor, die vom Guinness Buch der Rekorde aus London geschickt wurde und sich „Umarmungsaufseherin“ nennt. Sie soll den erfolgsverwöhnten Bankern dabei helfen, den Weltrekord aufzustellen.

„Die Investmentbanker machen sich an die Arbeit. Vier jüngere, die angewiesen wurden, Teletubby-Kostüme anzuziehen, betreten den Raum und gehen von Tisch zu Tisch, um ihre Kollegen in Knuddel-Stimmung zu bringen“, schreibt Reporter Nick Paumgarten wenig später in seinem Artikel. „Zwanzig weitere tragen Helme mit der Aufschrift ‚Umarmungs-Polizei', ziehen sich T-Shirts über Anzug und Krawatte und strömen mit Clipboards aus, um die Kollegen für die Aktion zu gewinnen.“

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Ein scheidender Mitarbeiter der Investmentbank packt aus.

Wer mitmachen will, bekommt einen gelben Aufkleber mit der Aufschrift „Ein Team, eine Umarmung“ und muss sich entlang der Saalwände zum Gruppenkuscheln aufstellen. 899 Banker können dafür begeistert werden. Auf Kommando umarmen sie sich - zehn Sekunden lang. Dann ertönt aus Lautsprechern der Song „Lean on me“ - und die Aufseherin aus London bescheinigt den Goldmännern die größte Umarmung der Welt. Initiator des Ganzen war Holt, der sich bei der Bank auf Energiethemen spezialisiert hatte. Er habe die Mitarbeiter der schnell wachsenden Firma zusammenbringen wollen, „um zu zeigen, dass wir immer noch eine Familie sind“, wird er im „New Yorker“ zitiert.

Verschwiegen war die Investmentbank allerdings damals schon. Reporter Paumgarten merkt in seinem Beitrag an, dass Guinness den Rekord gern auf seiner Webseite veröffentlicht hätte. Voraussetzung dafür sei jedoch ein Foto von der Aktion gewesen. „Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich Goldman offenbar geweigert, das zu tun“, schreibt er. „Wie es sich für eine Firma der Wall-Street gehört, die sich dem diskreten Geschäft der Vermögensvermehrung widmet, will sie den Rekord, aber sie will nicht wirklich, dass die Leute davon erfahren.“

Kommentare (2)

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22.03.2012, 19:46 Uhr

Der rechts unten im Bild, erinnert mich an den 1,-Euro-Jober, der bei uns als überdimensionaler Apfel vor dem Gemüsehändler stand.

aruba

22.03.2012, 19:48 Uhr

Guten Tag,.... Wenn Sie wuessten wer da noch alles dabei ist,.... Von Mossad ueber KGB bis zum CIA. Tarnung ist Alles.Besten Dank

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