Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2012

14:37 Uhr

Wechsel an der Spitze

Neuer Barclays-Chef kündigt Kulturwandel an

Antony Jenkins hat eine schwere Aufgabe vor sich. Der neue Barclays-Chef will die britische Bank neu ausrichten. Doch der Libor-Skandal holt das Geldinstitut ein: Die Polizei bestätigte weitere Ermittlungen.

Antony Jenkins soll Barclays aus der Libor-Krise führen. Doch das wird schwierig. AFP

Antony Jenkins soll Barclays aus der Libor-Krise führen. Doch das wird schwierig.

LondonDie britische Großbank Barclays setzt an der Spitze auf ein Kontrastprogramm. Der am Donnerstag ernannte Nachfolger des schillernden Investmentbankers Bob Diamond ist ein Mann der leisen Töne: Antony Jenkins hat bisher das Privatkundengeschäft von Barclays geleitet. Sein Vorgänger, der US-Amerikaner Diamond, war über die Affäre um die Manipulation des Libor-Bankenzinssatzes gestolpert.

In einem Reuters vorliegenden Brief an die Mitarbeiter kündigte Jenkins einen tiefgreifenden Kulturwandel an: „Damit wir dahin kommen, müssen wir die Art und Weise ändern, wie wir unser Geschäft betreiben.“ Die Bank habe in den vergangenen Jahren schwere Fehler gemacht und die Aktionäre enttäuscht. Den Schaden zu beheben, werde Zeit brauchen. Auch der neue Co-Chef der Deutschen Bank, der Investmentbanker Anshu Jain, hatte kürzlich einen Wandel in der Unternehmenskultur angekündigt.

Zunächst müsse die Bank stabilisiert werden, sagte Jenkins in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Darin rückte er von den aggressiven Renditezielen seines Vorgängers ab: „Ich muss einen glaubhaften Plan aufstellen, der eine Eigenkapitalrendite über den Kapitalkosten bringt.“ Diese lägen bei 11,5 Prozent. Diamond hatte für 2013 ein Renditeziel von 13 Prozent ausgegeben, im ersten Halbjahr lag die Kennziffer aber nur bei 9,9 Prozent.

Jenkins hat jede Menge Hausaufgaben zu erledigen: Kurz vor seiner Ernennung bestätigten Betrugsermittler in Großbritannien eine Untersuchung von Zahlungen zwischen der Bank und dem Scheichtum Katar im Zuge einer 11,5 Milliarden Pfund schweren Kapitalerhöhung 2008. Vier ehemalige und vier noch amtierende Barclays-Mitarbeiter sind in diesem Zusammenhang ohnehin schon Gegenstand von Ermittlungen der Finanzaufsicht, unter ihnen auch Finanzchef Chris Lucas. Der katarische Staatsfonds ist größter Aktionär von Barclays. Den Streit um die Libor-Manipulationen, in den Großbanken weltweit verwickelt sind, hatte Barclays als erstes Institut gegen eine Zahlung von 453 Millionen Dollar im Juni beigelegt.

Dass Barclays den neuen Mann in den eigenen Reihen gefunden hat, überraschte viele Branchenkenner, die auf einen Neuanfang gesetzt hatten. Der scheidende Aufsichtsratschef Marcus Agius betonte, die Entscheidung für Jenkins sei einstimmig gefallen. „Er ist ein sehr fähiger Mann“, sagte Analyst Mike Trippitt von Oriel Securities. Aus der Erfahrung aus der Privatkunden- und Firmenkunden-Welt heraus werde Jenkins das Investmentbanking mit anderen Augen sehen. Davon trennen werde er sich nicht, aber darauf achten, wo die Bank ihr Kapital am besten einsetze. Zwar beschert die Kapitalmarkt-Sparte Barclays den Löwenanteil des Gewinns, hat ihr aber auch den meisten Ärger bereitet.

Großbritannien will seine Banken zwingen, das riskantere Investmentbanking vom Einlagengeschäft abzuschotten, so dass die Steuerzahler im Notfall nicht mehr wie in der Finanzkrise 2008 für die Spekulationen haften müssen. Jenkins' Erfahrung im Privatkundengeschäft könne mit Blick darauf von Vorteil sein, betonte Barclays.

Jenkins war vor sechs Jahren zu Barclays zurückgekommen, um das Kreditkartengeschäft wieder in die Spur zu bringen. Der Oxford-Absolvent hatte seine Karriere als Trainee bei Barclays begonnen, war aber 1989 zur US-Bank Citi gewechselt. Diamond hatte ihn vor seinem Abschied bereits in die Kronprinzen-Rolle gedrängt. Als Barclays-Chef bekommt Jenkins nun ein Festgehalt von 1,1 Millionen Pfund, dazu kommen bis zu 2,75 Millionen Pfund an jährlichen Erfolgsprämien. Bis zum Vierfachen seines Gehalt kann er zudem an langfristigen Boni erhalten.

Die Suche nach einem Vorstandschef war die letzte Aufgabe, die sich Aufsichtsratschef Agius vorgenommen hatte. Er wird im November vom altgedienten Investmentbanker David Walker ersetzt. Seine Ernennung könnte die Sorgen in der Kapitalmarkt-Sparte um ihre Zukunft ein wenig lindern.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×