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19.12.2016

15:14 Uhr

Wegen Korruption

Deutsche Bank stoppt Dollar-Clearing in Angola

Die Deutsche Bank hat sich aus dem Dollar-Clearing-Geschäft in Angola zurückgezogen, sagen Insider – nicht die erste Großbank, die das Land wegen Korruption verlassen hat. Der Wirtschaft Angolas macht das zu schaffen.

Angola galt lange Zeit als Afrikas Boom-Nation. Doch Korruption vermiest internationalen Investoren wie der Deutschen Bank das Geschäft. dpa

Luanda

Angola galt lange Zeit als Afrikas Boom-Nation. Doch Korruption vermiest internationalen Investoren wie der Deutschen Bank das Geschäft.

Die Deutsche Bank bietet kein Dollar-Clearing in Angola mehr an, erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen. Bereits Mitte November habe die Deutsche Bank das Dollar-Clearing für Angola eingestellt. Damit verfügt eines der größten Ölförderländer Afrikas jetzt über keine Bank mehr, die das Clearing für sie übernimmt.

Angola zählt zu den 20 korruptesten Ländern der Welt, wie aus einem Ranking von Transparency International hervorgeht. Das macht es ausländischen Banken schwierig, Vorschriften im Zusammenhang mit Geldwäsche oder Korruption einzuhalten.

Erst ist der vergangenen Woche war der Mangel des Landes an Dollar-Clearing sichtbar geworden. In einem Gerichtsdokument, das von dem südafrikanischen Finanzdienstleister Standard Bank Group eingereicht wurde, hieß es, dass sich die einzige Bank mit einem solchen Angebot in Angola zurückgezogen habe. Der Name des Instituts wurde jedoch nicht genannt. Die Deutsche Bank wollte auf Nachfrage von Bloomberg keinen Kommentar zum Thema abgeben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte im Juni erklärt, dass die Kosten für Geschäftstätigkeiten in Angola gestiegen seien, weil das Land Beziehungen zu internationalen Banken verloren habe. Gleichzeitig warnte er davor, dass das Finanzsystem des Landes weiter geschwächt werden könnte, das mit niedrigen Ölpreisen und faulen Krediten zu kämpfen hat.

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Die Staatseinnahmen Nigerias hängen zu 75 Prozent vom Öl ab. Die Halbierung des Ölpreises trifft das Land ins Mark. Zudem sind Raffinerien so marode, dass der Ölproduzent selbst auf teure Benzineinfuhren angewiesen ist.

Westliche Finanzinstitute hatten bereits vor Jahren die Reißleine bei Angola-Geschäften gezogen. Standard Chartered zum Beispiel seit Dezember 2015 Dollar-Dienstleistungen in Angola nicht mehr an. Nur Tage zuvor soll Bank of America laut informierten Kreisen die Dienste eingestellt haben.

In Angola nutzen Bürger den Dollar, um sich gegen die Abwertung der Landeswährung abzusichern. Das Land fordert zur Nutzung des Euro, des südafrikanischen Rand oder der chinesischen Währung auf. Die Zentralbank von Angola selbst verwendet jetzt hauptsächlich den Euro auf Fremdwährungsmärkten, hieß es vom IWF.

Standard Bank hatte Unterlagen an ein Gericht in Pretoria übermittelt. Darin verweist sie auf Angola als ein Beispiel für ein Land, das als gefährdet in Bezug auf Verletzung von Anti-Geldwäsche-Gesetzen wahrgenommen wird. Die Bank aus Johannesburg erklärte darüber hinaus, dass der lokale Dollar-Mangel sich auf ihre Angola-Geschäfte auswirke.

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