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24.04.2015

06:28 Uhr

Wegen Libor-Skandal

Verbraucherschützer fordert „Personalentscheidung“ bei Deutscher Bank

VonMartin Dowideit

An mehrere Behörden in USA und Großbritannien muss die Deutsche Bank 2,3 Milliarden Euro Strafe wegen Zinsmanipulationen zahlen. Deutschlands oberster Verbraucherschützer geht deshalb mit der Bank hart ins Gericht.

Nach der Milliardenstrafe gegen die Deutsche Bank im Skandal um die manipulierten Zinsen hat der oberste deutsche Verbraucherschützer auch personelle Konsequenzen gefordert. Reuters

Konsequenz aus dem Libor-Skandal

Nach der Milliardenstrafe gegen die Deutsche Bank im Skandal um die manipulierten Zinsen hat der oberste deutsche Verbraucherschützer auch personelle Konsequenzen gefordert.

BerlinDeutschlands oberster Verbraucherschützer fordert wegen des Zinsmanipulationsskandals eine Personalentscheidung vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank. „Lieber Aufsichtsrat der Deutschen Bank, ist da nicht eine Personalentscheidung fällig?“, schrieb Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, am Donnerstagabend beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Müller nahm dabei Bezug auf die von amerikanischen und britischen Behörden am Donnerstag verhängte Milliardenstrafe gegen die Deutsche Bank. Unter anderem hatte das US-Justizministerium Manipulationen am Interbankenzinssatz Libor bestraft. Insgesamt muss die Bank 2,5 Milliarden Dollar zahlen (2,3 Milliarden Euro).

Hohe Geldbußen gegen Banken – eine Auswahl

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: April 2015)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Anfang April 2015 berichteten zunächst US-Medien, dass der Deutschen Bank im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Dollar droht. Unter anderem erkenne eine Bank-Tochter in Großbritannien ihre Schuld an. Schließlich landete die Summe bei 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro).

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar
Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Die Deutsche Bank wies eine Verantwortung der Vorstands von sich. "Für kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied wurde festgestellt, dass es Kenntnis über das Fehlverhalten im Handelsbereich hatte oder daran beteiligt war", kommentierte die Deutsche Bank die Entscheidung der Behörden.

Verbraucherschützer Müller sieht das anders. Für ihn erklinge die Frage nach Haftung und Verantwortung "noch zu leise". Er hätte gerne "eine Antwort des Aufsichtsrats."

Vor allem Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain war immer wieder wegen des Zinsskandals unter Druck geraten. Er war zur Zeit der Manipulationen als Chef des Investmentbankings tätig - dem Bereich, in dem die Zinssätze manipuliert wurden.

Kommentare (1)

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Herr Klaus Hofer

24.04.2015, 08:53 Uhr

Entweder hat der verantwortliche Vorstand ( was kaum vorstellbar ist ) tatsächlich nichts gewußt, dann hat er seine Organisations- und überwachungspflicht verletzt oder er war im Bilde. Die Konsequenz in beiden Fällen muß daher klar sein.

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