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16.09.2014

13:54 Uhr

Wegen Manipulationen

Devisenhändler wohl vor Anklagen in USA

Ermittlungen wegen möglicher Devisenmanipulationen: Im kommenden Monat könnten Anklagen gegen Devisenhändler der größten Banken der Welt erhoben werden. Ihnen wird vorgeworfen, zum eigenen Vorteil getrickst zu haben.

London ist das Zentrum des internationalen Devisenhandels. Devisenhändler der größten Banken der Welt drohen Anklagen wegen möglicher Manipulation. dpa

London ist das Zentrum des internationalen Devisenhandels. Devisenhändler der größten Banken der Welt drohen Anklagen wegen möglicher Manipulation.

Die amerikanischen Ermittlungsbehörden bereiten Anklagen gegen Devisenhändler bei einigen der größten Banken der Welt wegen mutmaßlicher Manipulation von Benchmark-Wechselkursen vor. Bereits im nächsten Monat könnten die Anklagen erhoben werden, wie Bloomberg News aus informierten Kreisen erfuhr.

Mehrere Bank-Mitarbeiter haben als Informanten für die staatlichen Behörden Beweise gegen ihre Kollegen gesammelt, wie das Wall Street Journal am Montag berichtete. Peter Carr, ein Sprecher des Justizministeriums, wollte dazu keine Stellung beziehen.

Auf drei Kontinenten wird mittlerweile mögliches Fehlverhalten auf dem 5,3 Billionen Dollar schweren Devisenmarkt untersucht. Im Zentrum stehen dabei unter anderen Vorwürfe, dass Händler vertrauliche Kunden-Informationen weitergegeben und konspiriert haben, um Devisen-Benchmarks zu manipulieren. Die Banken könnten sich mit den Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien schon im November einigen, hieß es bereits aus informierten Kreisen.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Die US-Behörden haben ihre Vorgehensweise gegen Einzelpersonen verschärft, nachdem ihnen von der Politik Untätigkeit vorgeworfen worden war. Bislang ist kein einziger Banker wegen eines Fehlverhaltens, das mit zur Finanzkrise beigetragen hat, zur Rechenschaft gezogen worden. Im Interview mit Bloomberg News erklärte Leslie Caldwell vom Justizministerium am 5. September, dass die Verfolgung von Einzelpersonen die beste Abschreckung darstelle.

Kooperationsvereinbarungen der Justizbehörden mit mehreren der Banken, gegen die Untersuchungen laufen, haben sich als umfassende Informationsquelle für die Strafverfolger erwiesen. Die Vereinbarungen waren getroffen worden, als UBS AG, Barclays Plc und Royal Bank of Scotland Group Plc Ermittlungen des Justizministeriums zur Festsetzung des Londoner Interbankensatzes Libor beilegten.

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