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31.01.2013

10:29 Uhr

Wegen Zinswetten

Britischen Banken droht Klagewelle in Milliardenhöhe

Die britische Finanzaufsicht hat den Weg für Klagen wegen komplexer Zinswetten gegen Großbanken eröffnet. Die Behörde hat festgestellt, dass in mehr als 90 Prozent der Fälle Gesetzesverstöße vorlägen.

Händler auf dem Parkett in Chicago. Britischen Banken könnten die Zinswetten teuer zu stehen kommen. APN

Händler auf dem Parkett in Chicago. Britischen Banken könnten die Zinswetten teuer zu stehen kommen.

LondonDer Verkauf komplexer Zinswetten an Mittelständler könnte die britischen Großbanken teuer zu stehen kommen. Die Finanzaufsicht FSA kam in einer Stichprobe zu dem Schluss, dass die Institute in mehr als 90 Prozent der untersuchten 173 Fälle zumindest in einem Punkt gegen die Vorschriften verstoßen hatten. Die FSA erklärte am Donnerstag, das werde in einem Großteil der Fälle dazu führen, dass die Banken Schadenersatz an ihre Kunden zahlen müssten. Sie müssen nun mit einer Klagewelle rechnen. Derivate-Experten halten Schadenersatzforderungen von mehreren Milliarden Pfund für möglich.

Die FSA kündigte an, die Falschberatungen nun flächendeckend untersuchen zu wollen. Auch die betroffenen Banken Barclays, HSBC, Lloyds, RBS und Santander begännen nun mit eigenen Nachforschungen und gingen von selbst auf die Kunden zu.

Die Banken hatten die Zinsswaps an kleine und mittlere Unternehmen verkauft, die sich gegen Zinsschwankungen absichern wollten. Weil sich die Marktzinsen aber nicht entwickelten wie erwartet, blieben die Mittelständler auf hohen Verlusten sitzen. Auch für ihren Ausstieg aus den kostspieligen Geschäften hielten die Banken noch einmal die Hand auf.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

In Deutschland und Italien hatten Banken solche riskanten Zinsprodukte ebenfalls an Kommunen und Firmen verkauft, bei denen letztlich die Bank gegen ihre Kunden wettete. Die Deutsche Bank war vom Bundesgerichtshof (BGH) zu Schadenersatz an einen Mittelständler verurteilt worden. Seither haben sie und viele andere Banken Vergleiche mit den Betroffenen geschlossen, um Niederlagen vor Gericht zu vermeiden. In Mailand wurden die Deutsche Bank und drei andere Institute wegen schweren Betrugs verurteilt. Hunderte Kommunen stehen dort wegen der Geschäfte vor Milliardenverlusten.

Von

rtr

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