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10.02.2006

13:00 Uhr

Wegfall von Steuerprivilegien

Gegenwind für Finanzvertriebe

VonSigrid Aufterbeck

Die Kölner OVB, der viertgrößte Finanzvertrieb nach AWD, MLP und DVAG, hat ihren Umsatz im Jahr 2005 um ein Prozent auf 181 Mill. Euro gesteigert. Damit liegt der erste Anhaltspunkt vor, wie die Branche das „Kater-Jahr 2005“ gemeistert hat. Um 10,7 Prozent hat OVB den Jahresüberschuss gegenüber dem Vorjahr gesteigert, allerdings durch Wachstum im Ausland, während das Deutschlandgeschäft zurückging.

HB FRANKFURT. Von „Katerjahr 2005“ sprechen die Makler von Versicherungs- und Finanzanlageprodukten, weil sie nach dem Wegfall des Steuerprivilegs für Lebensversicherungen und der Einführung neuer Vorsorgeprodukte einen schwierigen Umstellungsprozess meistern mussten. Die Berater mussten sich mit hohem Schulungsaufwand in die neuen, komplizierteren Vorsorge-Produkte wie Riester- und Rürup-Rente einarbeiten. Dieser Aufwand stellte sich zur Jahresmitte als größer heraus als zunächst angenommen.

Vor diesem Hintergrund kann OVB nun als erster Finanzvertrieb melden, das Rekord-Ergebnis von 2004 um immerhin ein Prozent gesteigert zu haben, wobei dieses Wachstum wegen der Umstellung des Bilanzierungsverfahrens auf IAS um 1,6 Prozentpunkte geringer ausfiel als nach alter Bilanzierung. Neben den weitaus größeren, börsennotierten Wettbewerbern AWD und MLP, die am Dienstag bzw. Mittwoch ihre Jahresergebnisse vorlegen, rückt auch OVB jetzt in das Interesse des Marktes, weil sie im zweiten Quartal neues Kapital an der Börse aufnehmen will. Über das Volumen der Emission macht die OBV noch keine Angaben – außer, dass sie mittelfristig eine Notierung im Index für kleine Unternehmen (SDax) anstrebt. Dazu wären rund 60 Mill. Euro Streubesitz nötig. Der Mehrheitsaktionär Deutscher Ring will die Kontrolle über 50,1 Prozent halten, also anteilig neue OVB-Aktien übernehmen.

Der Unterschied zwischen OVB und MLP/AWD liegt in der Orientierung auf das Ausland. In Mittel- und Osteuropa wächst die OVB, während im Inland das Ergebnis um 24 Prozent zurückging. Erstmals überflügelte 2005 das Auslands- das Inlandsgeschäft. Von 770 000 Neuverträgen wurden 490 000 im Ausland abgeschlossen. In Tschechien, Slowakien, Ungarn, Kroatien und Polen ist die OVB Marktführer. Im europäischen Ausland will Vorstandsvorsitzende der Michael Frahnert weiter wachsen und auch zukaufen. Konkret verhandelt er zurzeit in Polen, Ungarn und der Schweiz, es geht jeweils um Übernahmen in der Größenordnung von rund 15 bis 20 Mill. Euro.

Optimistisch macht den Vorstand, dass der erste Monat des neuen Jahres mit 40 Prozent Wachstum beim Bruttoneugeschäft im Ausland gut angelaufen sei. Für 2006 rechnet er unterm Strich mit 20 Prozent Wachstum.

Damit will OVB den Rückstand gegenüber den großen Konkurrenten AWD und MLP aufholen. Dabei war OVB ursprünglich die „Kaderschmiede“ der Finanzvertriebe. Auch AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hatte seine Karriere als OVB-Berater begonnen, war dann aber mit seinem eigenen Unternehmen an OVB vorbei gezogen. Dies ergibt einen Finanzierungsbedarf von rund 50 Mill. Euro, den Frahnert teilweise durch die bevorstehende Kapitalerhöhung finanzieren will. Als Dividende für 2005 empfiehlt der Vorstand 75 Cent, der Gewinn liegt bei etwas über einem Euro pro Aktie.

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