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18.04.2013

17:48 Uhr

Weiterer Zivilprozess

Neuer Ärger für Sal. Oppenheim

ExklusivHerbert Benteler hat einen dreistelligen Millionenbetrag in Oppenheim-Esch-Fonds investiert. Diese machten Verlust. Der Stahlindustrielle will nun sein Geld zurück, Sal. Oppenheim muss einen weiteren Prozess ausfechten.

Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln: Der Paderborner Stahlindustrielle Hubertus Benteler klagt. dpa

Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln: Der Paderborner Stahlindustrielle Hubertus Benteler klagt.

DüsseldorfDer Privatbank Sal. Oppenheim steht ein weiterer Zivilprozess ins Haus. Wie das Landgericht Köln auf Anfrage des Handelsblatts bestätigte, hat der Paderborner Stahlindustrielle Hubertus Benteler am 22. März Klage gegen Sal. Oppenheim sowie den Troisdorfer Immobilienentwickler Josef Esch eingereicht. Die Klage auf Schadensersatz ist bei der 15. Zivilkammer des Landgerichts anhängig, ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Josef Esch bestätigte den Eingang der Klage, sehe diese aber gelassen, ließ Esch über einen PR-Berater ausrichten. Sal. Oppenheim wollte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern.

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Einige der bekanntesten deutschen Banker werden bald wieder auf Anklagebank sitzen. Der Prozess wurde abgebrochen, weil ein Richter-Posten nicht richtig besetzt wurde. Nun kann das Verfahren neu beginnen.

Benteler, der den gleichnamigen Automobilzulieferer seit 1991 in vierter Generation führt, hatte in mehreren der sogenannten Oppenheim-Esch-Fonds einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Einige der Immobilienfonds, die von der Privatbank und dem Bauunternehmer Esch als Steuersparmodelle für Superreiche verkauft worden waren, entwickelten sich verlustreich. Benteler fühlt sich nicht hinreichend über die Risiken des Investments aufgeklärt – und fordert sein Geld zurück.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Von

bog

Kommentare (2)

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Cassandra

18.04.2013, 18:26 Uhr

Da alle Kontoinhaber mit ihren Bankeinlagen ja mehr oder weniger unfreiwilligen ANLEGER in die Geschäfte der Kontoführenden Bank sind und im Ernstfall auch dafür Haften müssen, klären die Banken eigentlich umfassend über das mit dieser "Anlage" (Bankguthaben und eventuell sogar ausgeschöpfte Barkredite wie der Dispo) verbundene Risiko auf?

Wurden die zyprischen Anlager beraten und umfassen darüber informiert, dass mit ihrer Anlage über 100.000 in die Zockereien der Banken in Griechenland ihre Anlage verlieren?

Mir scheint, dass hier bewußt Risiken von den Banken verschwiegen wurden und es keine Aufklärung darüber gab und auch jetzt noch nicht gibt, wenn man ein Konto bei einer Bank eröffnet und damit nach neuem Enteignungsverständnis Anleger wird.

Wie ist das übrigens genau mit den Bankguthaben als Forderungen gegenüber dem Kreditinstitut und dem Dispokrediten. Derartige Forderungen eines Überziehungskredits sind ja pfändbar, wenn als Bargeld ausgegeben. Können sie somit auch enteignet werden, falls die Bank damit "gerettet" werden muss? Was heißt also 100.000 EUR Bankguthaben genau? Je nach konkreter Definition relativiert sich das schnell, z.B. für Unternehmen mit hoher Kreditlinie.

MatthiasDoll

19.04.2013, 12:39 Uhr

genauso ist es - sie haben sicher BWL studiert ;)

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