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13.09.2016

10:52 Uhr

Wells Fargo

Scheinkonten-Skandal rückt Banken ins Zwielicht

VonAxel Postinett

Der US-Senat verlangt Untersuchungen, auch die Notenbank Fed wird nervös: Der Skandal um Millionen fingierte Bankkonten bei Wells Fargo zieht immer weitere Kreise. Die große Frage ist: Wer machte den Betrug möglich?

US-Politiker fordern eine Aufarbeitung des Betrugs. AFP; Files; Francois Guillot

Wells Fargo

US-Politiker fordern eine Aufarbeitung des Betrugs.

San FranciscoNeun Jahre lang hatte Carrie Tolstedt bei Wells Fargo die Kontrolle über das Geschäft mit privaten Girokonten. Die Bank wusste ihre Arbeit zu schätzen: Vergangenes Jahr bekam die Top-Managerin ein Vergütungspaket von neun Millionen Dollar, weil ihre Vertriebstruppen unermüdlich dafür gesorgt hatten, dass Kunden der Bank immer mehr Konten und Kreditkarten eröffnen. Das Dumme daran: Viele dieser Bankkunden wussten davon gar nichts.

Die Scheinkonten waren über Jahre hinweg im Namen bestehender Kunden eröffnet worden, um die Provisionen von Bankangestellten in die Höhe zu treiben und interne Vertriebsziele zu erreichen. Diese Praxis machte Manager und Managerinnen wie Carrie Tolstedt zu reichen Menschen. Nach Berechnungen von CNN-Money wird sich die 56-jährige Ende des Jahres mit einem Gesamtpaket von 124 Millionen Dollar aus Aktien, Optionen und anderen Wertpapieren von der Bank verabschieden, die jetzt auf einer Rechnung von 185 Millionen Dollar sitzen bleibt.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

So hoch ist die Strafe, die die Aufsichtsbehörden für den Skandal ansetzen. Dazu kommen noch 2,6 Millionen Dollar, die Wells Fargo geprellten Kunden zurückzahlen muss. Sie haben schließlich Gebühren, Strafzinsen und Ähnliches für die insgesamt über zwei Millionen Luftkonten bezahlt.

Am Wochenende schaltete die Bank mit Sitz in San Francisco ganzseitige Anzeigen, um ihre Kunden um Vergebung zu bitten – und um ihr Vertrauen. Das wird nicht einfach. Denn noch immer erinnern sich viele Amerikaner an die Jahre nach dem Crash 2008, als die Finanzinstitute mit Abermilliarden an Steuergeldern gerettet werden mussten. Gleichzeitig wurden Familien in den Ruin getrieben, als ihnen einfach Kreditkarten gesperrt wurden und Hypotheken ohne Rücksicht auf Verluste gekündigt wurden, teilweise illegal.

Diese Bankchefs verdienen am meisten, Teil 2

Platz 11: António Horta-Osório, Lloyds Banking Group

2015: 11 Millionen Dollar

2014: 12,9 Millionen Dollar

2013: 12,5 Millionen Dollar

Platz 12: David McKay, Royal Bank of Canada

2015: 8,8 Millionen Dollar

2014: 7,2 Millionen Dollar

2013: 12,5 Millionen Dollar

Platz 13: William Downe, Bank of Montreal

2015: 8,2 Millionen Dollar

2014: 9,1 Millionen Dollar

2013: 9,3 Millionen Dollar

Platz 14: José Álvarez, Banco Santander

2015: 7,7 Millionen Dollar

Platz 15: Jes Staley, Barclays

2015: 6,9 Millionen Dollar

Der CEO von Barclays wurde erst im Dezember 2015 angestellt. In einem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

Platz 16: Mike Smith, ANZ

2015: 6,4 Millionen Dollar

2014: 9,9 Millionen Dollar

2013: 10,4 Millionen Dollar

Platz 17: Ross McEwan, Royal Bank of Scotland

2015: 6,1 Millionen Dollar

2014: 7,4 Millionen Dollar

2013: 5,1 Millionen Dollar

Platz 18: Jürgen Fitschen, Deutsche Bank

2015: 5 Millionen Dollar

2014: 9,9 Millionen Dollar

2013: 10,6 Millionen Dollar

Platz 19: John Cryan, Deutsche Bank

2015: 4,7 Millionen Dollar

Der Chef der Deutschen Bank begann im Juli 2015, damals noch mit Co-Chef Jürgen Fitschen an seiner Seite. Mittlerweile leitet er die Bank alleine.

Platz 20: Carlos Torres, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria

2015: 4,2 Millionen Dollar

Der CEO der BBVA begann im Mai 2015.

Für diese Praktiken mussten die Banken Milliarden an Strafen zahlen. Viele hofften, das sei ihnen eine Lehre gewesen. Und jetzt kommt erneut eine seltsame und illegale Bankenpraxis an den Tag, die über mehrere Jahre gelaufen sein soll. Über 5000 Mitarbeiter hatte Wells Fargo im Laufe der Jahre bereits entlassen. Doch offenbar war die Versuchung einfach immer wieder zu groß. Das ruft US-Politiker auf den Plan. Unter Führung von Robert Mendenez fordern nun fünf demokratische Senatoren eine umfassende Untersuchung der Vorgänge.

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