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06.04.2017

18:14 Uhr

Wenn Geldabheben kostet

Viele Sparkassen-Kunden müssen aufpassen

VonElisabeth Atzler, Andreas Dörnfelder

Viele Sparkassen und Volksbanken kassieren fürs Geldabheben. Eine Erhebung unter betroffenen Sparkassen zeigt: Jeder dritte Kunde hat ein Konto, bei dem Gebühren fällig werden können. Und das schon seit Jahren.

Mehr als 40 Sparkassen und über 150 Volks- und Raiffeisenbanken berechnen unter Umständen eine Gebühr, wenn ihre Kunden Bargeld ziehen wollen. dpa

Sparkassen

Mehr als 40 Sparkassen und über 150 Volks- und Raiffeisenbanken berechnen unter Umständen eine Gebühr, wenn ihre Kunden Bargeld ziehen wollen.

Frankfurt Anfang September gab Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon ein vollmundiges Versprechen an alle Kunden aus: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“ Der Haken an Fahrenschons Zusage: In bestimmten Fällen kommen Kunden an Automaten ihrer eigenen Sparkassen nicht gratis an Bares, und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit einigen Jahren.

Immerhin gut 40 der bundesweit knapp 400 Sparkassen verlangen bei zumindest einem ihrer Kontomodelle eine Gebühr für Barabhebungen. Ähnliches gilt für die Volks- und Raiffeisenbanken mit einem Kontomodell, bei dem Barabhebungen unter Umständen kosten. Das Internet-Finanzportal biallo.de stellte das bisher für mehr als 150 der Genossenschaftsbanken fest.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Die Gebühren für Bargeld sind pikant, bezahlen doch deutsche Verbraucher am liebsten mit Scheinen und Münzen. Und so reißt die Kritik an den betroffenen Sparkassen und Volksbanken nicht ab. Eine Bank hat die Gebühr inzwischen wieder gestrichen: Die Sparkasse Hanau verzichtet jetzt darauf, Kunden, die das Kontomodell „Grimm Classic“ gewählt haben, unter Umständen 20 Cent pro Abhebung zu berechnen. Die Gebühr griff ursprünglich ab der elften Barabhebung im Quartal.

„Das Volumen war von absolut untergeordneter Größe“, sagt ein Sprecher der Sparkasse. Im vergangenen Jahr kassierte das Geldhaus für Barabhebungen an Sparkassenautomaten insgesamt lediglich einen dreistelligen Eurobetrag. Das liegt auch daran, dass sich nur ein Bruchteil der Kunden für das Kontomodell entschieden hat – lediglich etwa ein Prozent. Insgesamt führt die Sparkasse 93.000 Girokonten. Die Kontovariante kostet zwei Euro im Monat, die Sparkasse verlangt daneben je 20 Cent für Buchungen, Gut- und Lastschriften sowie Onlineüberweisungen.

Sparkassen-Gebühren: Bei diesen Instituten kann es am Automaten teurer werden

Sparkassen-Gebühren

Bei diesen Instituten kann es am Automaten teurer werden

Es ist eine neue Situation für Sparkassen-Kunden: Das Geldabheben am Automaten kostet unter Umständen nun Gebühren. Rund 40 Sparkassen machen bereits mit. Die komplette Liste gibt es hier.

Ähnlich gehen viele andere der betroffenen Sparkassen im Fall der Barabhebungen vor. Bei etlichen Häusern sind die ersten drei bis fünf Transaktionen im Monat noch gratis, bei anderen kostet schon das erste Abheben an einem der 25.000 Automaten der Bankengruppe.

Doch was bei vielen Sparkassen anders ist als in Hanau: Der Anteil der Kunden mit einem Konto, bei dem sie unter Umständen Gebühren für Bares zahlen müssen, ist höher. Er liegt im Schnitt bei etwa 30 Prozent, wie eine Erhebung des Handelsblatts unter 20 Sparkassen ergab. Eine Sparkasse, die Sparkasse Chemnitz, wollte keine Angaben dazu machen. Bei einem weiteren Haus, der Sparkasse Ansbach, gibt es die Gebühr seit Anfang April, im Zuge einer Fusion, nicht mehr.

Ins Auge fällt dabei, dass die Sparkassen, die aus fast allen Ecken Deutschlands stammen, sehr unterschiedliche Kontopreise verlangen. Und dass unterschiedlich viele Kunden ein Kontomodell mit Preisen für einzelne Buchungsposten wie Barabhebungen wählen. So haben bei der Sparkasse Passau 50 Prozent der Kunden ein entsprechendes Konto, bei der Sparkasse Recklinghausen-Vest sogar 90 Prozent. Bei der Sparkasse Haan aber ist es kein einziger Kunde.

Auch bei der Sparkasse Heidelberg hat sich nur ein Bruchteil für das Konto „Privatgiro Online“, entschieden, nämlich drei Prozent der rund 180.000 Privatkunden. Es kostet zwei Euro im Monat, die Kunden müssen daneben für einzelne Dienstleistungen einen Preis berappen – ab der sechsten Barabhebung im Monat 15 Cent. Diese Gebühr gibt es bereits seit 15 Jahren. Zudem kostet beispielsweise jede Zahlung mit der Girokarte 30 Cent.

Kommentare (18)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

06.04.2017, 17:03 Uhr

Mit jedem Eurocent an Guthaben auf dem Konto. leiht man der Bank eigenes Geld aus und soll dafür auch noch bezahlen, dass ist paradox!

Enrico Caruso

06.04.2017, 17:03 Uhr

Die Überschrift trifft es genau: Da muss ich jedesmal ganz höllisch aufpassen!

Es werden doch tatsächlich nicht 10, nicht 20, sondern 30 Cent pro Geldabhebung fällig! Und das bei einer Grundgebühr von einem ganzen Euro pro Monat! Manchmal weiß ich nicht, wie ich bei so einer dreisten Abzocke noch über die Runden kommen soll.

Herr Hans-Jörg Griesinger

06.04.2017, 17:09 Uhr

Wenn ich mir von der Bank Geld leihe, muß ich weiterhin hohe Zinsen bezahlen, auch heute noch, trotz Nullzinspolitik der EZB.
Bei Kreditkarten (VISA, American Express usw.) liegen die zu zahlenden Zinsen noch wesentlich höher.
Wir sollten den Spieß jetzt einfach mal umdrehen, und den Banken unsere Bareinlagen entziehen.
Mal schauen, ob sie dann immer noch so große Töne spucken.
Seit Jahrzehnten haben die sich an uns über Zins und Zinseszins dumm und dämlich verdient.
Haben viele Menschen durch Gebühren und Wucherzinsen in den Ruin und die Überschuldung getrieben.
Wie sonst können Sie ihre fürstlichen Vorstandsgehälter, ihre Glaspaläste, 13. und 14 Monatsgehälter für ihre Beschäftigten und die ganzen Prämien und Provisionen sonst bezahlen?
Ich habe kein Mitleid mit den Banken und finde es richtig, dass sich jetzt der Wind dreht und die Kunden aufbegehren.

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