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12.08.2013

17:22 Uhr

Werbefilm

Der Marathon-Spot der Commerzbank

Vor der Tagesschau, in der Sportschau: Die Commerzbank trägt ihr Selbstbewusstsein mit einer neuen Variante des Werbespots mit der joggenden Filialdirektorin zur Schau. Bankenkrise 1931? Bankenkrise 2008? Alles überlebt.

DüsseldorfDie joggende Filialdirektorin der Commerzbank-Werbespots hat Vorstandschef Martin Blessing viel Aufmerksamkeit garantiert. Seit 2012 ist „Lena Kuske, Filialdirektorin“ im Dienste der teilverstaatlichten Bank unterwegs. Mit Kapuzenpulli bekleidet läuft sie durch Frankfurt und stellt sich in Reklamefilmen Fragen wie: „Woran liegt es, dass man den Banken nicht mehr vertraut?“

Kritiker bemängelten: Vielleicht ist die Antwort auf die Frage, dass einige Institute – wie eben die Commerzbank – vom Steuerzahler gerettet werden mussten. Die Konkurrenz zerriss sich das Maul über die Werbung. Außerdem kam die Frage auf, ob die Dame überhaupt echt sei. Das ist sie zwar. Aber die Commerzbank gewährte (fast) keine Interviews mit der Hamburger Filialdirektorin.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Seit Freitagabend zeigt die Commerzbank eine neue Variante des Joggerfilms. Premiere feierte der 120-Sekunden-Spot unmittelbar vor der Tagesschau (Listenpreis: 69.600 Euro). Auch am Wochenende in der ARD „Sportschau“ lief der Werbefilm (Listenpreis: deutlich über 100.000 Euro). Noch einmal wird er kommende Woche in der „Sportschau“ zu sehen sein.

Vor Selbstbewusstsein strotzend zeigt der Film die altbekannte Joggerin. Dann werden historische Fotos der Bankenkrise der frühen 1930er-Jahre eingeblendet, später Bilder zur Finanzkrise 2008. „Wir kennen die Bankenkrise 1931 nur aus den Geschichtsbüchern, 2008 haben wir sie selbst erlebt. Wir haben beide überlebt.“

Kommentare (12)

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am003

12.08.2013, 17:38 Uhr

jaja ... wenn da halt nicht der steuerzahler wäre.

nach marktwirtschaftlichen kriterien wäre die comerzbank schon wirtschaftsgeschichte.
Deshalb befremdet es mich immmer etwas, wenn vorstände dieser bank in den medien die krise erklären und ratschläge erteilen.

Hätte man das profunde wissen nicht im eigenen unternehmen anwenden können ?

Naja ... wir haben ja eine soziale marktwirtschaft. damit unternehmen nicht den harten dingen des markte ausgesetzt sind ... werden sie gestützt.

pseudonym

12.08.2013, 18:06 Uhr

Das beste war ja am 22 Juli nach dem in der Börse vor Acht im Ersten schön die schlechten Zahlen der Commerzbank präsentiert wurden und die Kommentatorin Sie noch schlecht geredet hat. Dann kam direkt danach die Commerzbank Werbung, hab mich so totgelacht!

Account gelöscht!

12.08.2013, 18:37 Uhr

Mit blödem Sekretärinnengedödel kriegt man auch keine Kunden.

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