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05.01.2011

19:53 Uhr

Wertberichtigungen

Sparkassen ächzen unter der Last der Landesbanken

VonFrank Matthias Drost

Jetzt müssen die Institute auch noch ihre Beteiligung an der Landesbank Berlin wertberichtigen. Die Belastungen summieren sich auf 430 Millionen Euro. Durch die neuen Kosten werden die Institute unterschiedlich getroffen.

Eingang der Landesbank Berlin: Auf die Beteiligungen an der LBB sollen nun Wertberichtigungen vorgenommen werden. Quelle: ap

Eingang der Landesbank Berlin: Auf die Beteiligungen an der LBB sollen nun Wertberichtigungen vorgenommen werden.

BERLIN. Als Landesbank-Eigner sind die Sparkassen Kummer gewöhnt. Auf die Beteiligungen an der HSH Nordbank, der WestLB, der Landesbank Baden-Württemberg und der BayernLB wurden im Zuge der Finanzmarktkrise milliardenschwere Abschreibungen fällig. Jetzt werden die Sparkassen mit neuen Belastungen konfrontiert.

Die Sparkassen, die an der Landesbank Berlin (LBB) beteiligt sind, sollten Wertberichtigungen in Höhe von elf Prozent vornehmen, lautet die Empfehlung der zentralen Erwerbsgesellschaft von Mitte Dezember. Das entspricht einer Summe von 430 Millionen Euro. Sparkassenkreise bestätigten damit Informationen der "FTD". Über das Vehikel Erwerbsgesellschaft mit Sitz im brandenburgischen Neuhardenberg erwarben die Sparkassen im Juni 2007 die LBB.

Damals konnte sich der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, vor Glückwünschen aus dem eigenen Lager kaum retten. Im harten Ringen hatte er andere Interessenten für die LBB ausgestochen, die vom Land Berlin in einem von der EU-Kommission vorgeschriebenen Bieterverfahren offeriert wurde. Für die Sparkassen-Finanzgruppe stand damals viel auf dem Spiel. Hätte ein privater Erwerber den Zuschlag erhalten, wäre er auch in den Besitz der Berliner Sparkasse und damit der Namensrechte gekommen. So nutzte die Sparkassen-Finanzgruppe ihre finanziellen Spielräume bis zu Schmerzgrenze aus und erwarb die LBB für stattliche 5,34 Mrd. Euro. "Wir haben natürlich einen politischen Preis bezahlt", räumt ein Sparkassenfunktionär ein. Wenige Monate nach dem Erwerb brach die Finanzmarktkrise aus.

Zwar gehört die LBB zu den wenigen Landesbanken, die die Finanzmarktkrise aus eigener Kraft meisterten. Doch Marktverwerfungen konnte sich die Bank nicht entziehen. Mit Blick auf die mittelfristige Geschäftsplanung der LBB, Risiken aus Engagements in Staatspapieren und Belastungen durch steigende Eigenkapitalanforderungen nach Basel III sowie der Bankenabgabe plädieren die Wirtschaftsprüfer der Erwerbsgesellschaft für eine Wertberichtigung der Beteiligung, erfuhr das Handelsblatt.

Überwiegend halten die Sparkassen die LBB-Beteiligung direkt und müssen entsprechende Wertberichtigungen in ihrer eigenen Bilanz bilden. Für die Hamburger Sparkasse, die größte deutsche Sparkasse, scheint die Nachricht nicht unvorbereitet zu kommen. "Die Haspa Finanzholding legt bei der Bilanzierung von Beteiligungen ein hanseatisch konservatives Risikoverständnis zugrunde", erklärte eine Sprecherin. Der Sprecher der Sparkasse Hannover erklärt den Wertberichtigungsbedarf für "gut verkraftbar". Ostdeutsche Sparkassen haben das Glück, dass sie ihre LBB-Beteiligung über den Verband halten. Wertberichtigungen können hier mit anderen Beteiligungen, deren Buchwert höher geschrieben werden kann, verrechnet werden.

In Sparkassen-Kreisen wird zudem darauf verwiesen, dass die Sparkassen 2010 operativ gut vorangekommen seien. Viele Sparkassen hätten bereits im Jahr 2009 vorübergehende Wertberichtigung auf den LBB-Anteil vorgenommen. Andere verzichteten darauf und müssen jetzt, nachdem eine dauerhafte Wertminderung diagnostiziert wurde, nachziehen. Für angeschlagene Sparkassen, wie beispielsweise die Sparkasse Südholstein, die Nord Sparkasse-Ostsee oder die Sparkasse Köln Bonn gehen die Belastungen schon ans Eingemachte.

Zudem kumulieren sich die Belastungen. So mussten die Sparkassen in Bayern den Wert ihrer Anteile an der BayernLB für 2008 und 2009 um eine Milliarde Euro abschreiben. Hätte es keine Verrechnungen mit anderen Beteiligungen gegeben, läge die Belastung bei 1,6 Milliarden Euro. Die Sparkassen in Schleswig-Holstein schrieben den Wert ihrer Anteile an der HSH Nordbank für das Geschäftsjahr 2008 um rund 370 Millionen Euro ab. Auch die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen mussten der schlechten Entwicklung der WestLB Tribut zollen. Ende 2009 wurde der Wert der Landesbank-Beteiligung von 1,2 Milliarden Euro auf 800 Millionen abgeschrieben. Hier scheint aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Kommentare (3)

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kai elves

06.01.2011, 10:00 Uhr

Unsere Verantwortungs- und Leistungselite bei der Arbeit. Überall bESTENS kontrolliert und beaufsichtigt mit den in den gleichnamigen Räten plazierten Gewerkschafts- und Politfunktionären.

Ob unserer großartiger Deutschsprecher Guido oder der noch bessere Englischsprecher Öttinger oder die anderen Knallchargen mit 30 Nebenmandaten und Pfründen da ViELLEiCHT auch mal dann VERANTWORTUNG WAHRNEHMEN könnten?

i wooo. isch hadde doch keine Ahhnung!!

Marco.Vogt

06.01.2011, 11:41 Uhr

@Kai

Vergessen wir Lafontaine nicht, der fette Aufsichtsratsgelder kassiert hat, Millionär ist und ne dicke Villa hat, bei der Aufsicht der KfW aber versagt hat.

Meines Wissens saßen weder Westerwelle noch Öttinger in den entsprechenden Aufsichtsräten.

kai elves

06.01.2011, 15:25 Uhr

@Marco Vogt

Mir gehts um den Gesamtzustand der coruptia-in-extremis AG vorm. Deutschland AG

Egal welchen Stein man anhebt, das korrupte Gewusel ist ein Erlebnis.

Jede halbwegs ernsthafte Gemeinde die was auf sich hält hat einen erstklassigen Filz entwickelt.

Gerade lese ich das nun auch die deutschen Anleihen nur noch mit Aufschlägen verkloppt werden können.

Auf dem CSU-Neujahrsempfang in Straubing lies es sich Herr Hoeneß nicht nehmen im bezug auf Kreditklemme zu kolportieren daß man im Mai sowieso eine neue Währung haben werde.

Aber das is nur Conspiracygewäsch. Wir haben AUFSCHWUNG, jawollja und VOLLbESCHÄFTiGUNG in Sicht!

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