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06.06.2016

15:46 Uhr

WestFonds

Bad Bank will Tochter verkaufen

VonElisabeth Atzler

Die einst größte deutsche Landesbank, die WestLB, wurde in der Finanzkrise zerschlagen. Doch WestLB-Reste gibt es nach wie vor, auch weil die Bank viele Töchter hatte. Ein Teil soll jetzt verkauft werden.

Nur noch schemenhaft ist das einstige Logo der WestLB am einstigen Sitz in Düsseldorf zu erkennen. Die Nachfolgegesellschaften der zerschlagenen Landesbank sind die EAA und Portigon. dpa

WestLB

Nur noch schemenhaft ist das einstige Logo der WestLB am einstigen Sitz in Düsseldorf zu erkennen. Die Nachfolgegesellschaften der zerschlagenen Landesbank sind die EAA und Portigon.

Frankfurt Die WestLB war lange eine stolze Bank. Das Düsseldorfer Geldhaus war die größte Landesbank, international aktiv. Mit der Finanzkrise kam das Aus. Die Bank verspekulierte sich und musste mit Staatsgeld gerettet werden. Sie wurde daraufhin zerschlagen.

Heute gibt es den Rechtsnachfolger der Bank, Portigon, und die Bad Bank Erste Abwicklungsanstalt (EAA). Die EAA soll die Portfolios mit Wertpapieren der WestLB abbauen – und kommt damit gut voran. Im vergangenen Jahr schrumpfte das Bankbuch auf 36 Milliarden Euro. Immer noch sehr viel Geld, aber das Portfolio war einmal 126 Milliarden Euro schwer.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Geholfen hat dabei auch, dass die EAA im vergangenen Jahr die Immobilienbank WestImmo verkaufte. Jetzt will die Abwicklungsbank die nächste Tochter losschlagen: WestFonds. Das kündigen die beiden WestFonds-Geschäftsführer, Moritz Dimde und Thomas Scheitza, an. „Rund zwei Dutzend Investoren haben sich gemeldet. Wir erwarten Anfang Juni indikative Kaufangebote, und wir hoffen, den Verkauf im dritten Quartal des Jahres schaffen“, sagte Scheitza dem Handelsblatt. WestFonds ist im Wesentlichen Anbieter geschlossener Fonds. Die Gesellschaft managt 17 geschlossene Fonds, zwölf davon investieren in Immobilien.

Das Problem allerdings: Die Immobilien in den Fonds sind vergleichsweise alt, im Schnitt 25 Jahre. Ohnehin kämpft die Branche der geschlossenen Fonds nach Gesetzänderungen und mehr Regeln um ihre Zukunft. So muss heute jeder neue Fonds von der Finanzmarktaufsicht Bafin zugelassen werden, der Fondsemittent ebenso. Die bis dahin wenig regulierten geschlossenen Fonds waren immer wieder mit Pannen und Pleiten aufgefallen. Die Zahl der Anbieter ist gesunken.

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Experten fordern seit langem weitere Zusammenschlüsse im Landesbankensektor. Wegen unterschiedlicher Interessen und komplizierter Eigentumsverhältnisse kam es dazu nur selten. Nun legen die westfälischen Sparkassen nach.

Immerhin peilen Dimde und Scheitza, die seit gut zwei Jahren bei WestFonds sind, nach Verlusten für 2016 schwarze Zahlen an. WestFonds war 2013 nach Kritik von Anlegern in die Schlagzeilen geraten. So monierten Investoren, in Schreiben zu manchen Fonds werde der Eindruck erweckt, die Gesellschaften befänden sich in Schieflage. Die Frage war, ob Immobilien falsch – zu niedrig – bewertet worden waren. Auch gab es Zweifel an der Begründung der damaligen Geschäftsführer zu Verkäufen von Immobilien.

Die beiden heutigen Geschäftsführer äußern sich dazu nicht – auch weil sie damals nicht dabei waren. Man arbeite in manchen Fondsgesellschaften mit neuen Sachverständigen, in anderen habe es keinen Wechsel gegeben. Gelingt der Verkauft von WestFonds, ist die EAA eine weitere frühere WestLB-Tochter los. Acht Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise.

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