Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

15:47 Uhr

WestLB-Aufspaltung

Verhandlungen geraten ins Stocken

Die Beteiligten treten bei den Verhandlungen über die Zerschlagung der WestLB trotz Zeitdrucks auf der Stelle. Vor allem die Fragen nach der Verteilung der einzelnen Vermögenswerte bereiten Probleme.

Noch ist in den Verhandlungen um die Zerschlagung der WestLB keine Einigung in Sicht. dapd

Noch ist in den Verhandlungen um die Zerschlagung der WestLB keine Einigung in Sicht.

Düsseldorf/FrankfurtBei der Aufspaltung der WestLB sind Finanzkreisen zufolge trotz wachsenden Zeitdrucks zentrale Fragen ungelöst. Es sei unklar, welche Teile des einstigen Flaggschiffs der Landesbanken an die Helaba gehen und wie diese bewertet werden sollten, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch ein Spitzentreffen der Vorstände und Eigner an Pfingsten habe keinen Durchbruch gebracht, hieß es. „Alle Beteiligten versuchen, das jeweils Beste für sich selbst herauszuholen“, sagte einer der Insider. „Das geht nicht wie geschnitten Brot“, ergänzte er mit Blick auf die Verhandlungen. Dabei bleibt nur noch einen Monat Zeit für eine Einigung: Bis Ende Juni muss die WestLB nach einem jahrelangen Streit mit der EU-Kommission um milliardenschwere öffentliche Garantien und Beihilfen zerschlagen werden.

Das Sparkassen-Geschäft der WestLB, die sogenannte Verbundbank, soll nach dem zwischen Eignern, Bund und EU-Kommission ausgehandelten Zerschlagungsplan zum 30. Juni auf die Helaba übertragen werden. Die entsprechenden Verträge seien aber bei weitem nicht in trockenen Tüchern, hieß es in den Kreisen. Hauptstreitpunkte seien trotz bereits seit Monaten andauernder Gespräche die Unternehmensbewertung der Verbundbank-Teile sowie die Regelung der künftigen Zusammenarbeit zwischen der Helaba und den NRW-Sparkassen, hieß es in den Kreisen weiter. Beide Banken wollten sich dazu nicht äußern.

„Wir sprechen laufend miteinander, schließlich wollen wir die gesetzten Termine einhalten“, erklärte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans gegenüber Reuters. „Bei der Tragweite, die der WestLB-Umbau hat, ist es aber wichtig, dass wir zu einer richtigen Lösung kommen“, betonte er. Eine an den Verhandlungen beteiligte Person sagte, die Probleme seien nicht überraschend, zumal zahlreiche verschiedene Parteien am Tisch sitzen. „Die Chancen, dass wir uns bis Ende Juni einigen, stehen aber weiter gut.“

Die Helaba soll das Verbundbank-Geschäft mit den Sparkassen mit einem Volumen von 40 bis 45 Milliarden Euro übernehmen. Gut 400 Mitarbeiter der WestLB sollen dann zur Helaba wechseln.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Vermögenswerte der WestLB, die nicht bei der Helaba landen, soll die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) in ihre Bücher nehmen. Die Bad Bank war 2009 eingerichtet worden - die WestLB-Resterampe ging mit einem Paket von 77,5 Milliarden Euro an den Start. Nun soll sie neue Vermögenswerte mit einem Volumen von voraussichtlich 100 Milliarden Euro übernehmen - darunter auch den Immobilienfinanzierer WestImmo. Doch auch hier gebe es noch offene Fragen. Ungelöst seien etwa Fragen um das Pfandbriefgeschäft der WestImmo, hieß es - denn diese dürfte, wenn sie einmal bei der EAA gelandet ist, wohl kein Neugeschäft mehr machen. Es gebe in dieser Frage Versuche auch der Bundesregierung, Nachverhandlungen mit der EU-Kommission zu erreichen, hieß es weiter. „Ich habe immer gesagt, dass es eine Schande ist, mit der Westimmo ein funktionierendes Unternehmen vom Markt zu nehmen“, sagte Walter-Borjans. „Jeder, der einen Beitrag zu einer vernünftigen Lösung leistet, ist hochwillkommen“, unterstrich der SPD-Politiker.

Für den eigentlichen WestLB-Nachfolger, den Finanzdienstleister Portigon, muss das Land Nordrhein-Westfalen in die Bresche springen und das Eigenkapital dort um eine Milliarde Euro aufstocken. Portigon soll als Dienstleister für die EAA arbeiten - und möglicherweise auch für andere Bad Banks.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

31.05.2012, 17:37 Uhr

Eine Kooperation mit der Commerzbank könnte helfen?
Die unrentablen Felder der West LB schließen und gemeinsam mit der Commerzbank in Russland und China investieren. Das traurige Dasein der Commerzbank dürfte bald beendet sein. Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der Gegenwart ein Schatten selbst. Und dennoch darf langfristig auf eine deutliche Erholung des Aktienwertes gehofft werden.
Wenn keine Fehler gemacht werden, ist eine Vervielfachung des Aktienwertes in den nächsten Jahren möglich. Immerhin hat die Coba-Aktie in der nahen Vergangenheit überdimensional abgebaut. Natürlich kann der Aktienkurs gegenwärtig immer wieder einbrechen. Aber, eine Erholung ist geboten. Auch ein „Bulle“ muss auf der Wiese einmal grasen.
Der ungarische Börsenexperte André Kostolany (*09-Feb-1906, † 14-Sep-1999) sollte recht haben. In der Ruhe liegt die Kraft.
Die Begründung für den Optimismus zeigt die Zukunft. Die Commerzbank bietet Finanzdienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden an. In den kommenden Jahren, mit unserer alternden Gesellschaft, expandieren die Erbschaften von Immobilien wie Häuser und Eigentumswohnungen sowie Firmenerbschaften in Deutschland. Daraus folgt eine gewaltige materielle sowie konsumierende Bewegung. Gigantisches geparktes Vermögen wird freigesetzt, was der Commerzbank zu gute kommen sollte. Am Ende gewinnt auch die West LB an Boden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×