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18.04.2013

12:09 Uhr

WestLB-Nachfolger

Gewerkschaft wettert gegen Kahlschlag

Der Nachfolger der von Skandalen erschütterten WestLB, Portigon, streicht massiv Stellen. Die Belegschaft soll auf 150 Mitarbeiter geschrumpft werden – von 2600. Die Gewerkschaft ist aufgebracht.

Portigon, die Nachfolgegesellschaft der ehemaligen WestLB in Düsseldorf. dpa

Portigon, die Nachfolgegesellschaft der ehemaligen WestLB in Düsseldorf.

BerlinDer Nachfolger der von Skandalen erschütterten WestLB streicht massiv Stellen. Die Planungen des Vorstands sehen vor, die Portigon AG bis zum Jahr 2016 auf 150 Mitarbeiter von zuletzt 2600 zu schrumpfen, wie ein Sprecher gegenüber Handelsblatt Online bestätigte. Allerdings werden zunächst 500 Beschäftigte in eine Tochtergesellschaft „Portigon Financial Services“ übertragen. Die Zukunft dieses Teilbereichs ist ungewiss.

Die neu zu schaffende Sparte arbeitet als Dienstleister für die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), in der die schwer verkäuflichen Wertpapiere aus WestLB-Beständen geparkt sind. Auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) greift nach der Übernahme eines Teils der ehemaligen WestLB auf diese Dienste zurück - zunächst aber nur bis Mitte 2014. Ob der Vertrag verlängert wird, ist unklar.

So wurde die WestLB zerschlagen

Zerschlagung

Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

Verbundbank I

Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

Verbundbank II

Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba kann damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

Erste Abwicklungsanstalt I

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

Erste Abwicklungsanstalt II

Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

Portigon I

Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

Portigon II

Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

Ziel des Portigon-Vorstands ist die Privatisierung der Dienstleistungseinheit. Gelingt diese allerdings nicht, wird die Portigon Financial Services abgewickelt werden müssen. Das sieht eine Vorgabe der EU-Kommission vor, die der WestLB nach der Staatsrettung im Zuge der Finanzkrise harte Auflagen gemacht hatte.

Der Stellenabbau soll in mehreren Schritten erfolgen:

  • In diesem Jahr werden von 2600 Mitarbeitern zum Jahresende 2012 insgesamt 500 der Portigon Financial Services zugeschlagen, 360 Beschäftigte vor allem aus der IT sollen an einen Dienstleister ausgelagert werden. Ob sich ein Dienstleister findet, ist noch nicht gesichert. Etwa Stellen werden in diesem Jahr abgebaut - möglichst sozialverträglich und durch Abfindungsangebote. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber nicht ausgeschlossen
  • Von den in der Portigon AG verbleibenden 1130 Beschäftigten zum Jahresende 2013 sollen 2014 dann weitere 510 abgebaut werden
  • Im Jahr 2015 schrumpft die Belegschaft auf 240 Mitarbeiter
  • Ende 2016 soll die Portigon AG dann noch 150 Mitarbeiter haben

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