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18.09.2012

13:53 Uhr

WestLB-Nachfolger

Portigon will Bad Banks im Ausland beraten

VonElisabeth Atzler, Frank Matthias Drost

ExklusivDen WestLB-Rechtsnachfolger Portigon zieht es auf Kundenfang ins Ausland. Portigon will Banken und Bad Banks bei der Abwicklung komplexer Portfolios helfen.

Portigon-Chef Dietrich Voigtländer will Banken sowie deren Bad Banks bei der Abwicklung komplexer Portfolios beraten. dpa

Portigon-Chef Dietrich Voigtländer will Banken sowie deren Bad Banks bei der Abwicklung komplexer Portfolios beraten.

FrankfurtDer WestLB-Rechtsnachfolger Portigon sucht sein Heil im internationalen Geschäft. Portigon will Banken und Bad Banks bei der Abwicklung komplexer Portfolios beraten - besonders im Ausland. "Das Interesse an einer Dienstleistung, wie Portigon sie bietet, ist vor allem im Ausland groß", sagte Portigon-Chef Dietrich Voigtländer im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Dort sehe ich gute Wachstumsmöglichkeiten. Deshalb sind wir auch an den Standorten London, New York und Hongkong vertreten."

Als Grund dafür führte Voigtländer, der ab 2009 WestLB-Chef war, die Entscheidungsfreudigkeit von Topmanagern in anderen Ländern an: "Ausländische Bankvorstände handeln häufig schneller und konsequenter als deutsche Manager bei Themen wie einer Anpassung von Geschäftsprozessen."

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Portigon ist Anfang Juli entstanden und einer von drei Teilen, in die die Westdeutsche Landesbank aufgespalten wurde. Daneben gibt es die Verbundbank, die an die Landesbank Hessen-Thüringen übergegangen ist, sowie die Erste Abwicklungsanstalt (EAA); sie kümmert sich als Bad Bank um schwer verkäufliche Portfolios im Wert von 150 Milliarden Euro - und ist der erste Kunde Portigons. Ins Handelsregister eingetragen wurde der Übergang gestern.

Generell will Voigtländer davon profitieren, dass Banken Bilanzvolumina senken und sich von nicht-strategischen Geschäften trennen. Dabei zeigte er sich zuversichtlich, im Wettbewerb zu bestehen: "Was wir mit Portigon machen, ist schon einmalig in der Welt." Portigon will Positionen von komplexen Wertpapierportfolios bis zu Derivatebüchern durchforsten - und dabei auch deutsche Kunden gewinnen: So buhlt die Firma laut Medienberichten um einen Auftrag der HRE-Bad-Bank FMS.

Parallel wagen sich die Düsseldorfer an eine weitere Kundengruppe heran: "Zum Beispiel Versicherer, denen es schwer fällt, bei dem derzeit niedrigen Zinsniveau eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften. Diese Institute brauchen Finanzanlagen, die ihnen langfristig eine attraktive Verzinsung bieten - zum Beispiel Projektfinanzierungen im Bereich Infrastruktur oder Energie", sagte Voigtländer. Hier könne Portigon Know-how anbieten und Projekte managen. Die WestLB war Projektfinanzierer.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

18.09.2012, 14:34 Uhr

...klaro, man ist ja aus eigener und leidiger Erfahrung sowie steuerzahlerfinanziertem "Training" jetzt dafür bestens gerüstet...

batavia

18.09.2012, 16:51 Uhr

Blinde wollen andere Blinde beraten. Ob daraus Sehende werden? Glaube ich kaum, jeder Hedgefonds oder PE Gesellschaft, die im Bereich Distressed Assets und/oder Non-Performing-Loans aktiv ist und etwas Professionalität mitbringt, wird diese Portigon-Muppets in die Tasche stecken.

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