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13.08.2015

14:25 Uhr

WestLB-Nachfolgerin PFS

Großes Banken-Chaos in NRW

Fusion mit Bad Bank oder Verkauf? Die Zukunft der WestLB-Nachfolgerin PFS ist ungewiss. Der Aufsichtsrat wünscht die Verschmelzung mit der EAA. Doch dort scheinen die Pläne noch nicht angekommen zu sein.

Mitte September soll die Portigon-Dienstleistungstochter PFS mit der Bad Bank EAA verschmolzen werden. dpa

Portigon

Mitte September soll die Portigon-Dienstleistungstochter PFS mit der Bad Bank EAA verschmolzen werden.

DüsseldorfDer Zeitplan für die Zukunft der WestLB-Nachfolgerin PFS wackelt. Die Portigon-Dienstleistungstochter sollte per Mitte September mit der milliardenschweren WestLB-Bad-Bank EAA verschmolzen werden, wie Portigon-Aufsichtsratschef Friedhelm Plogmann angekündigt hatte. „Dieser Termin ist mit uns nicht abgestimmt“, sagte am Donnerstag ein Sprecher des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, der einer der Träger der EAA ist. „Bis zum 15. September wird sich nichts entscheiden“, fügte er hinzu. Die westfälische Sparkassen befänden sich aber mit den EAA-Partnern in konstruktiven Gesprächen über die Zukunft der Portigon Financial Services (PFS).

Am Mittwoch war Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer im Streit mit dem Aufsichtsrat seines Postens enthoben worden. Franzmeyer trat für einen Verkauf der PFS ein. Der Aufsichtsrat wolle aber eine Verschmelzung der PFS mit der WestLB-Bad-Bank EAA, hatte Plogmann den Abgang begründet. Letztere solle zum 15. September erfolgen. Zustimmen müssen aber auch die Träger der EAA. Beteiligt an der Anstalt sind die beiden NRW-Sparkassenverbände mit jeweils etwas über 25 Prozent sowie das Land mit über 48 Prozent.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Die WestLB, einst das Flaggschiff der deutschen Landesbanken, musste nach langem Streit mit der EU-Kommission um öffentliche Beihilfen auf Anordnung der Brüsseler Behörde zerschlagen werden. Portigon, eines der Nachfolge-Institute, liegt im Besitz des Landes NRW und muss Teile der WestLB-Erbmasse abwickeln. Die Servicetochter PFS bietet anderen Banken Dienstleistungen wie die Abwicklung fauler Kredite an. Sie hatte aber nur einen Kunden gefunden – die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), die den Löwenanteil des WestLB-Erbes verwertet, unter anderem milliardenschwere Risiko-Papiere. N

RW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans hatte gesagt, ohne die PFS sei die Arbeit der EAA gefährdet, die die WestLB-Milliarden ohne eine weitere Belastung der Steuerzahler abbauen soll. Die EU-Kommission hat für 2016 eine Lösung für die Zukunft der PFS verlangt. Gelingt dies nicht, muss sie abgewickelt werden.

Von

rtr

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