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06.09.2016

10:58 Uhr

Wettbewerbshüter

Kartellamt winkt mal wieder Sparkassenfusion durch

Das Bundeskartellamt hat die Fusion der Sparkassen Ingolstadt und Eichstätt genehmigt. An den Wettbewerbsbedingungen würde sich mit oder ohne Zusammenschluss nichts ändern, argumentierte die Behörde.

Die Wettbewerbsbehörde hat die Fusion der Sparkassen Ingolstadt und Eichstätt freigegeben. dpa

Bundeskartellamt

Die Wettbewerbsbehörde hat die Fusion der Sparkassen Ingolstadt und Eichstätt freigegeben.

DüsseldorfDas Bundeskartellamt hat am Dienstag die Fusion zwischen der Sparkasse Ingolstadt und der Sparkasse Eichstätt freigegeben. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass die lokalen Sparkassen auf vielen Märkten innerhalb ihres eigenen Geschäftsgebietes über hohe Marktanteile verfügten, die teilweise auch über der Schwelle der Marktbeherrschungsvermutung lägen. Jedoch komme es aufgrund der fehlenden Überschneidungen zu keiner Addition von Marktanteilen, so die Behörde.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, sagte, der Bayerische Gesetzgeber habe für die Sparkassen räumlich begrenzte Tätigkeitsgebiete vorgeschrieben. Aufgrund dieser rechtlichen Vorgaben könnten sie nicht in die Gebiete der anderen Sparkassen vorstoßen und hätten das in der Praxis auch nicht getan. „Vor diesem Hintergrund war auch diese Fusion freizugeben, da sich an den Wettbewerbsbedingungen mit oder ohne Zusammenschluss nichts ändert“, sagte er.

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Nach der Bayerischen Sparkassenordnung entspricht laut Kartellamt der Geschäftsbezirk einer Sparkasse in der Regel dem Gebiet ihres meist kommunalen Trägers. Grundsätzlich ist es daher den Sparkassen verboten, außerhalb ihres Geschäftsgebietes Zweigstellen zu eröffnen und Werbung zu treiben. Die Ermittlungen der Wettbewerbsbehörden hätten ergeben, dass es in den jeweiligen Geschäftsgebieten der Beteiligten auch tatsächlich keine relevanten Überschneidungen gibt.

Von dem Zusammenschluss sind mehrere Märkte im Bereich Bankdienstleistungen betroffen. Einige dieser Märkte grenzte das Bundeskartellamt regional ab. Dies gilt vor allem für den Markt für Privatgirokonten, aber auch für die Kreditmärkte für Geschäftskunden. Darüber hinaus stehen im Raum Ingolstadt und Eichstätt insbesondere die dort ansässigen Volks- und Raiffeisenbanken sowie bundesweit tätige Kreditinstitute und Kreditinstitute ohne Niederlassung in dem betroffenen Gebiet, unter anderem Direktbanken, als Alternative für sämtliche Bankleistungen zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund konnte der Zusammenschluss ohne Einleitung eines Hauptprüfverfahrens freigegeben werden.

Mitte August hatte das Kartellamt schon die Fusion der Sparkasse Hildesheim, der Sparkasse Goslar/Harz und der Kreissparkasse Peine genehmigt. Die Argumentation der Wettbewerbswächter war fast damals fast wortgleich zum aktuellen Zusammenschluss.

Von

jut

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