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21.11.2014

18:06 Uhr

WGZ Bank

Nächste Bank wagt sich mit Strafzins aus der Deckung

Mit der Düsseldorfer WGZ Bank kündigt eine weiteres deutsches Insititut negative Zinsen für einige Kundengruppen an. Vor allem Profi-Anleger sind betroffen. Deutsche-Bank-Vorstand Krause wirbt um Verständnis, der Bankenverband spricht von „Abwehrkonditionen“.

Die WGZ Bank aus Düsseldorf ergreift die Initiative und verlangt negative Zinsen. Pressebild

Die WGZ Bank aus Düsseldorf ergreift die Initiative und verlangt negative Zinsen.

Wie die Skatbank und bald auch die Commerzbank gibt auch die WGZ Bank in Düsseldorf die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an einen Teil ihrer Kunden weiter. Die WGZ Bank berechne ausschließlich institutionellen Kunden - und davon nur in einem geringen Teil - negative Zinsen, teilte ein Sprecher der Bank am Freitag in Düsseldorf mit.

Andere Kundengruppen würden derzeit nicht belastet, erklärte die Bank. Pauschale Aussagen zu den genauen Konditionen der Negativzinsen seien nicht möglich.

Wo die Deutschen ihr Geld lagern

Festverzinsliche Wertpapiere (inklusive Zertifikate)

216 Milliarden Euro (vier Prozent)

Sonstige Anteilsrechte (zum Beispiel GmbH-Anteile)

199 Milliarden Euro (vier Prozent)

Aktien

300 Milliarden Euro (sechs Prozent)

Sonstige Anlageformen

355 Milliarden Euro (sieben Prozent)

Investmentfonds

450 Milliarden Euro (neun Prozent)

Versicherungen

1552 Milliarden Euro (30 Prozent)

Bargeld und Einlagen

2082 Milliarden Euro (40 Prozent)*

*Quelle: Deutsche Bundesbank

Die Gebühren der Europäischen Zentralbank (EZB) für Einlagen der Banken setzen die Geldhäuser immer stärker unter Druck. Deutsche-Bank -Finanzvorstand Stefan Krause sagte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, die Institute müssten die Kosten notfalls an ihre Kunden weiterreichen. Sonst führten sie zu Gewinneinbußen. „Ich weiß nicht, wie lange Banken sich dem entgegenstemmen können.“

Die Institute selbst zahlen seit September 0,2 Prozent Zinsen an die EZB, wenn sie bei ihr über Nacht überschüssiges Geld parken. „Je länger das dauert, desto schwieriger wird es für die Banken, die Rechnung dafür zu bezahlen“, sagte Krause.

Die ersten Institute in Deutschland verlangen in bestimmten Fällen bereits Gebühren für große Summen kurzfristiger Einlagen. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer, sprach am Freitag von „Abwehrkonditionen“ einiger Häuser, die Unternehmen davon abhalten wollen, noch mehr Geld auf ihre Konten zu legen. Das hatten auch Mittelständler bestätigt: „Was wir erleben, ist, dass die Banken die Beträge, die wir bei ihnen kurzfristig parken, deckeln“, erzählte der Finanzvorstand des Industriezulieferers Norma, Othmar Belker.

Die Commerzbank hatte als erste Großbank am Donnerstag solche Pläne bestätigt. Die Deutsche Bank hatte erklärt, sie versuche Großkunden zur Umschichtung in andere, längerfristige Anlagen zu bewegen, um einen Strafzins zu vermeiden. Für Privatkunden gelten Negativzinsen bisher als Tabu.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin befürchtet, dass die Strafzinsen der EZB Banken in riskante Geschäfte treiben könnte, um die Einlagen ohne Verluste anlegen zu können. „Überschüssige Liquidität könnte sogar das Bankensystem in Gefahr bringen, wenn es schlecht angelegt wird“, warnte die Präsidentin der Behörde, Elke König, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. König verwies auf die hohen Verluste deutscher Banken mit dem "Kreditersatzgeschäft". Sie hatten das Geld ihrer Kunden in strukturierte Produkte investiert, die die Finanzkrise befeuert hatten.

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Kommentare (5)

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Account gelöscht!

21.11.2014, 18:23 Uhr

Zwar tönen Industrie und Betriebe in Deutschland, sie wechselten stante pede die Bank, sofern man ihnen mit Strafzins drohte.

Jedoch wird ihre Auswahl - auch international - vermutlich immer kleiner werden, denn die Lage ist fast überall gleich, resp. gleicht sich zusehends an.

Diese Enteignungspolitik der Notenbanken unter freundlicher Duldung nationaler und übernationaler Administrationen kennzeichnet die Rückkehr des Kommunismus unter Hilfe der Banken.

Das ist die selbstverständliche Folge der Geldschwemme.
Diese unüberlegte und nie probierte Strategie der Verlegenheit wurde von wenigen Verständigen seit Jahren schon als falsch und höchst gefährlich gebrandmarkt - auch von mir.

Nun haben wir den Salat.
Wohl dem, der am Ende seines Lebens angelangt ist - Mitleid für die Jungen.

Frau Ute Umlauf

21.11.2014, 18:48 Uhr

@ Cal Andersen
Warum wechselts du deinen Nick mit der Fequenz von Unterhosen?

Herr Paul Mueller

21.11.2014, 19:24 Uhr

"...Rückkehr des Kommunismus..."

Das vergessen wir mal ganz schnell. Warum sollte ein Kapitalist seine Macht, das Kapital, aus der Hand geben? Macht keinen Sinn. Im Gegenteil. Er will es weiter vermehren, ohne Sinn und Verstand. Neofeudalismus ist das wahrscheinlichere Ziel.

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