Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.08.2015

16:05 Uhr

WGZ prüft Klage

Banken wollen sich offenbar gegen EU-Abgabe wehren

Mit der EU-Bankenabgabe sollen künftig die Abwicklungskosten für marode Geldhäuser finanziert werden. Die WGZ Bank prüft rechtliche Schritte. „Wir werden in Sippenhaft genommen“, klagt Vorstandschef Hans-Bernd Wolberg.

Die Düsseldorfer WGZ Bank protestiert gegen die EU-Bankenabgabe. Pressebild

„Schäden der Unverantwortlichen“

Die Düsseldorfer WGZ Bank protestiert gegen die EU-Bankenabgabe.

DüsseldorfDie WGZ Bank will nicht für die Abwicklung maroder europäischer Geldhäuser zahlen und prüft deshalb eine Klage gegen die EU-Bankenabgabe. „Wir sind hier in Sippenhaft genommen worden“, klagte Vorstandschef Hans-Bernd Wolberg am Donnerstag in Düsseldorf. Sein Institut solle für „Schäden der Unverantwortlichen“ zur Kasse gebeten werden. „Wir lassen derzeit prüfen, ob und in welcher Form wir diesem Missstand begegnen können.“

Der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, prüfe in einer Studie, ob die Abgabe den Wettbewerb verzerre. Wenn es Aussichten auf Erfolg gebe, will Wolberg klagen. „Ich schieße erst, wenn ich mich vergewissert habe, dass auch eine Kugel im Lauf ist.“

Die Abgabe für den neuen EU-Abwicklungsfonds belastet die Bilanz der WGZ in den ersten sechs Monaten mit 40 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Beiträge an die gruppeneigene Sicherungseinrichtung der Genossenschaftsbanken von knapp 20 Millionen Euro.

„Too big to fail”: Groß, größer, Deutsche Bank

„Too big to fail”

Premium Groß, größer, Deutsche Bank

Die US-Regierung sagt, die Deutsche Bank gehöre zu den wichtigsten Geldhäusern. Das ist aber keinesfalls ein Kompliment. Denn je größer die Bank, umso strenger die Kontrolle der Behörden. Und die ist teuer.

Dass die EU-Abgaben irgendwann benutzt werden könnte, um marode Banken irgendwo in Europa abzuwickeln, „verdrießt uns“, sagte Wolberg. Außerdem sei es falsch, dass die Abgabe steuerlich nicht absetzbar ist. Die EU-Bankenabgabe orientiert sich in erster Linie an der Bilanzsumme. Hierzulande werden Geldhäuser mit relativ geringen Risken dabei deutlich stärker zur Kasse gebeten als bisher im Rahmen der deutschen Bankenabgabe. Finanzkreisen zufolge erwägen deshalb auch andere Institute rechtliche Schritte gegen die neuen Regeln. Sie haben diese aber bisher nicht publik gemacht.

Die WGZ Gruppe baute ihren Gewinn in den ersten sechs Monaten allerdings trotz der Abgabe um drei Prozent auf 253 Millionen Euro aus. Die Kernkapitalquote lag bei 13,1 Prozent. Im Geschäftsjahr werde das Institut „in der Nähe des guten Vorjahresergebnisses“ landen, sagte Wolberg. Zu den Plänen für eine Fusion mit dem deutlich größeren Schwesterinstitut DZ Bank hielt er sich bedeckt – es gebe keine Neuigkeiten.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

28.08.2015, 11:04 Uhr

Diesen Vorstoß kann man nur unterstützen. Letztlich geht es darum, wer für welche Entscheidungen einzustehen hat.

Aber es gibt auch eine Bankenaufsicht, die BAFin und auch noch eine solche in der EZB. Welche Aufgaben wollte man ihnen zuschreiben, wenn die Sicherheit des Gesamtsystems in einer solidarischen Haftung aller begründet sein soll.

Zum anderen hat die Bundesregierung und der deutsche Bundestag eben erst einer Rekapitalisierung der griechischen Banken über das sogenannte "Hilfspaket" zugestimmt.

Was soll dann die Haftungsübernahme seitens der WGZ?

Von außen betrachtet: Nur Zirkus, nur Lobbyismus, nur Korruption!

Ich bin gespannt, wie diese Posse ausgeht, darf man doch davon ausgehen, dass die Richter nur so entscheiden (dürfen) wie dies staatlicherseits gewollt ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×