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24.04.2013

14:07 Uhr

Wider den Vertrauensverlust

Die zehn Dresdner Thesen der Sparkassen

Die Finanzwirtschaft kämpft gegen Vertrauensverlust. Die Sparkassen präsentieren sich da als Anwalt des kleinen Sparers. Ihr Präsident fordert auf dem Sparkassentag in Dresden höhere Zinsen – nicht ganz uneigennützig.

Bislang konnte die Finanzkrise den Sparkassen nichts anhaben. Doch die dauerhaft niedrigen Zinsen belasten das Geschäft. dapd

Bislang konnte die Finanzkrise den Sparkassen nichts anhaben. Doch die dauerhaft niedrigen Zinsen belasten das Geschäft.

DresdenDie deutschen Sparkassen haben sich vehement gegen eine einheitliche Regulierung des gesamten Finanzsektors ausgesprochen und fordern eine Differenzierung. „Derzeit erleben wir fast so eine Art Tsunami in der Regulierung“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, am Mittwoch beim Sparkassentag in Dresden. Die unterschiedlichen Ansätze würden keinen koordinierten Eindruck hinterlassen.

Als Beispiel nannte er nicht ausreichend bedachte Folgen der geplanten Finanztransaktionssteuer. 90 Prozent der Wertpapierleihgeschäfte (Repos) hätten heute eine Laufzeit von höchstens einer Woche. Wenn diese jeweils mit einem Steuersatz von 0,1 Prozent belastet würden, seien diese Geschäfte nicht mehr rentabel. „Wir brauchen sie aber.“

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Fahrenschon präsentierte zehn „Dresdner Thesen“ zur Lösung der Probleme. Darin lehnen die Sparkassen auch eine einheitliche europäische Einlagensicherung ab. Jeder Staat der EU müsse die Sicherheit der Einlagen auf einem europäischen Mindestniveau aus eigener Kraft sicherstellen. „Nur so lassen sich im Krisenfall auch schädliche Verunsicherungen der Sparer in ganz Europa vermeiden. Wir brauchen das System der Brandmauer.“

Mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) votierte Fahrenschon für höhere Zinsen. „Dieser niedrige Zins setzt am Ende auf breiter Front falsche Signale.“ Die EZB müsse eine Geldpolitik betreiben, die Stabilitätsrisiken vermeide und Anreize zum Sparen setze.

Auch der Sparer könne eins und eins zusammenzählen: „Zins unter zwei Prozent und Inflation bei zwei Prozent heißt in aller Brutalität Wertverlust - tagtäglich, Monat für Monat, über ein ganzes Jahr.“ Die Länder, die um die Konsolidierung ihrer Staatshaushalte zu kämpfen hätten, bekämen neue Schulden viel zu billig. Man laufe Gefahr, dass die betroffenen Staaten ihre Anstrengungen reduzierten.

„Ich fordere nicht von der EZB, dass sie nächsten Donnerstag die Zinsen anhebt“, sagt Fahrenschon weiter. Aber zu glauben, dass weitere Zinssenkungen und Zinsen nahe null, noch Impulse für die Wirtschaft brächten, sei eine Fehleinschätzung. Das billige Geld werde nicht dort eingesetzt, wo es seiner Meinung nach richtig wäre, nämlich für den Aufbau mittelständischer Strukturen in Südeuropa.

Kommentare (7)

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auch_nicht_besser

24.04.2013, 14:39 Uhr

Was bitte unterscheidet die Sparkassen von anderen Banken, wenn es um den Verkauf von Finanzprodukten an Privatleute geht?

Will die Sparkasse verkaufen? Ja. Erhält sie Provision dafür? Ja. Gibt es einen Interessenskonflikt zwischen Beraten und Verkaufen? Ja. Bietet die Sparkasse mir die für mich besten Produkte? Nein. Nur den mittelmäßigen Kram aus dem eigenen Hause.

Sparkassenopfer

24.04.2013, 15:01 Uhr

Von wegen Anwalt des kleinen Spareres!

Ganz im Gegenteil - die Kontogebühren sind mit die höchsten am Markt. Die kleinen Sparer kann man am besten Ausnutzen. Die sind nicht in der Lage sich wirksam zu wehren.
Ein Beispiel:
Der langfristige Ratensparvertrag "Scala" ist mit einer Grundverzinsung eines Sparbuches sowie mit einem Bonuszins ausgestattet, der mit zunehmender Laufzeit ansteigt. Ein wesentliches Verkaufsargument war, die monatliche Rate jederzeit innerhalb vorgegebener Grenzen anpassen zu können. Nachdem der Bonuszins mittlerweile die marktüblichen Zinsen übersteigt, hat die Sparkasse in Ulm einseitig beschlossen, eine solche Ratenerhöhung nicht mehr zuzulassen.
Für mich ist das Vertragsbruch, und Enteignung eines Rechts zugleich.
Das ist sicherlich nur ein Beispiel, wie die Sparkassen mit Ihren Kunden umgehen.
Hat jemand etwas vergleichbares erlebt?
Was kann man tun um sich gegen solche Geschäftspraktiken zu wehren?

Banker

24.04.2013, 15:03 Uhr

Was die Sparkassen unterscheidet?

Z.B. kein Anspruch auf Gewinnmaximierung, die Gewinne die gemacht werden, gehen in die Rücklagen für Zeiten wie jetzt und der Rest wird an die Kommune, Stiftungen und soziale Projekte gesteckt.
Das heißt der Gewinn den eine Sparkasse macht kommt im Prinzip auch wieder den Kunden zu gute... (Spielplätze, Computerräume in Schulen, Sportförderung, Vereinsförderung, soziale Projekte etc.)

Interessenkonflickt - nicht unbedingt. Generell verdiene ich an jedem Produkt was ich anbiete. Ansonsten würde ich umsonst arbeiten. Einen Interessenkonflikt gibt es erst, wenn irgendwelche Personen aus dem Middle Management meinen irgendwelche messbaren Ziele controllen zu wollen. Das kann nur nach hinten losgehen. Eine Ertragsrechnung ist aussagekräftig - ein paar in den Markt gedrückte Fonds oder Versicherungen zum Glück nur Kleckerbeträge, aber leider wird das nicht überall gesehen - dann entsteht aber erst der Interessenkonflikt. Das ist bei den Sparkassen zum Glück nicht überall so.

Neutral beraten - warum denn dass??? Wenn Sie zum Bäcker gehen sagt der Ihnen auch nicht, dass die Brötchen gegenüber vielleicht 10Gramm mehr wiegen.

Für eine neutrale Beratung suchen Sie sich besser einen Honorarberater, der dann von Ihnen bezahlt wird. Der greift zwar auch nur auf die Produkte zu die Banken eh anbieten (und die Unterschiede sind nicht sonderlich groß), haftet aber für die Beratung. Dass ist Ihnen ja sicher einige hundert Euro Wert.

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