Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2006

13:33 Uhr

Widerstand der Gesellschafter

Kritik an AHBR-Sanierung

VonRolf Benders mit Marietta Kurm-Engels

Die Sanierung der angeschlagenen Immobilienbank Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) durch seinen Käufer, den US-Fonds Lone Star, trifft auf massiven Widerstand der stillen AHBR-Gesellschafter.

FRANKFURT. „Wir wollen verhindern, dass die Sanierung der AHBR auf Kosten der stillen Beteiligten und der Genussscheininhaber erfolgt“, sagte Bernd Zens, Vorstand bei der Versicherung DEVK dem Handelsblatt. Daher würden die stillen Gesellschafter in der nächsten Woche eine Interessengemeinschaft gründen, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Damit bekennt sich erstmals einer der Betroffenen öffentlich zum Widerstand gegen das AHBR-Sanierungskonzept. Die DEVK ist mit rund 30 Mrd. Euro stillen Einlagen bei der AHBR engagiert. Weitere größere Einlagen haben die DZ Bank und die Volksfürsorge und HSH Nordbank.

Die AHBR war im Dezember vom Private-Equity-Investor Lone Star übernommen worden, nachdem die deutsche Finanzbranche eine Insolvenz des wegen Zinsspekulationen in Bedrängnis geratenen Gewerkschaftsunternehmens mit vereinten Kräften verhindert hatte. Kurz danach kündigte die AHBR für 2005 einen Bilanzverlust von 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro an, obwohl sie Ende September noch einen Gewinn über 13 Mill. Euro ausgewiesen hatte. Die stillen Einlagen von insgesamt 372 Mill. Euro und das Genussscheinkapital über 567 Mill. Euro sollen zur Deckung des Verlustes mit herangezogen werden. „Es kann nicht sein, dass wir die Rendite für Lone Star zahlen“, ärgert sich Zens. Die Beteiligung der Einlagen am Bilanzverlust würde sie im schlimmsten Fall um rund 80 Prozent entwerten. Um dies zu vermeiden oder die Verluste zu verringern, fordert Zens: „Wir wollen, dass auch der „Welteke-Fonds“ für die Deckung des Bilanzverlustes herangezogen wird.“

Die Gewerkschaften hatten der AHBR Anfang 2005 einen vom ehemaligen Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke treuhänderisch verwalteten Sicherungsfonds über 584 Mill. Euro bereit gestellt. Diese Summe steht der AHBR nach Aussagen eines Sprechers der Gewerkschaftsholding BGAG auch nach wie vor zur Rekapitalisierung zur Verfügung. Ein AHBR-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, was mit dem Geld geschehen soll. Nach Handelsblatt-Informationen wird der Fonds seit Ende Dezember 2005 nicht mehr von Ernst Welteke, sondern von einer Rechtsanwaltskanzlei verwaltet.

Offen ist bislang, mit welchem Geschäftskonzept Lone Star die Immobilienbank AHBR weiter betreiben will. Dazu will sich der Fonds erst Ende Januar äußern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×