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17.01.2005

12:41 Uhr

Wie das Kölner Bankhaus das Wirtschaftswunder mit in Gang brachte und die Auto Union wiederbelebte

Baron Oppenheim und seine vier Ringe

VonChristoph Hardt

Am Freitag, den 7. Oktober 1949, dem Tag, an dem in Berlin die DDR ausgerufen wird, schreibt Baron Friedrich Carl von Oppenheim einen langen Brief in die westdeutsche Hauptstadt. Das Schreiben ist an den Wirtschaftsminister der Bundesrepublik in Bonn gerichtet und hebt mit den Worten an: „Wie Sie unterrichtet worden sind, sind wir bemüht, die in der Ostzone ehemals beheimatete, von den Russen restlos zerschlagene, demontierte Auto Union wenigstens vorerst mit dem weltbekannten DKW-Programm in Westdeutschland zu reaktivieren.“

Ein Gemälde von Hans Jürgen Kallmann, das Friedrich Carl von Oppenheim zeigt, den ersten Chef der Bank nach dem zweiten Weltkrieg.

Ein Gemälde von Hans Jürgen Kallmann, das Friedrich Carl von Oppenheim zeigt, den ersten Chef der Bank nach dem zweiten Weltkrieg.

KÖLN. Der Brief an Ludwig Erhard ist vier dicht beschriebene Schreibmaschinenseiten lang und bietet nichts weniger als eine knapp gefasste Strategie zur Wiederbelebung einer in den Kriegswirren fast untergegangenen Weltmarke.

Der Brief ist aber noch viel mehr: eine der wichtigen Quellen einer überaus reichen, mehr als 200-jährigen Unternehmensgeschichte und ein Beweis dafür, mit welcher Weitsicht der Wiederaufbau der zerstörten deutschen Wirtschaft von Männern und Frauen ins Werk gesetzt wurde, die dem Nazi-Terror nur um Haaresbreite entkommen waren.

Die Familie Oppenheim und ihr Unternehmen, das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim jr., haben dabei eine außergewöhnliche Rolle gespielt. Von den Nazis wegen ihrer jüdischen Herkunft zunächst geschnitten und dann verfolgt, beginnen die Brüder Waldemar und Friedrich Carl gleich nach Kriegsende mit dem Wiederaufbau ihres Bankhauses, das ihr väterlicher Freund, Robert Pferdmenges, unter seinem Namen durch die Diktatur gerettet hat.

Bereits am 16. März 1945 nimmt die Bank ihre Arbeit wieder auf. Waldemar hat das Regime in einem Versteck bei Bekannten in Köln-Bayenthal überlebt, Friedrich Carl, der Vater des gerade verstorbenen Alfred von Oppenheim, in einer Landshuter Gefängniszelle. Nur noch der Dom steht in der Altstadt, der Rest liegt in Trümmern. Das Stammhaus der Oppenheims in der Budengasse ist bis auf den Tresorraum zerstört, man bezieht ein Ausweichquartier der ehemaligen Deutschen Arbeitsfront, einer Unterorganisation der Nazi-Partei. Der Mangel ist Alltag, die erste Korrespondenz wird auf Papier erledigt, das im Briefkopf den Nazi-Adler zeigt.

Doch wichtige, ausgelagerte Firmendokumente sind erhalten geblieben. Gestützt auf diese, eine Hand voll ehemaliger Mitarbeiter und ein Netz von persönlichen Freundschaften, fangen die Brüder noch einmal von vorne an und legen die Fundamente für die inzwischen größte Privatbank Europas, die einst im Jahr 1789 von Salomon Oppenheim in Bonn gegründet wurde.

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