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26.01.2005

08:22 Uhr

Wie Friedrich von Metzler mit einem radikalen Kurswechsel die Zukunft seiner Bank gesichert hat

Die Pioniere des Investment-Bankings

VonMichael Maisch

Der Teppich tief, das Holz dunkel, die hohen Stühle mit edlem Stoff bezogen, spätestens die jahrhundertealten Wertpapiere in der Vitrine an der Wand machen klar, dass es um Tradition und Beständigkeit geht. In seinen gediegenen Beratungsräumen erfüllt das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. alle Klischees einer Privatbank.

HB FRANKFURT/M. Von außen sieht das schon anders aus. Schmucklos und schlicht duckt sich die sechsstöckige Betonfassade in den Schatten der Bankentürme im Frankfurter Finanzviertel.

Der Widerspruch zwischen innen und außen, zwischen der 331-jährigen Geschichte des Hauses und der Nüchternheit des modernen Bankgeschäfts sagt einiges über das Spannungsverhältnis aus, in dem sich Deutschlands älteste unabhängige Privatbank bewegt.

„Man muss die Tradition des eigenen Hauses und die Geschichte kennen, aber man darf sie nicht festschreiben“, so hat es Friedrich von Metzler, Chef des Familienunternehmens in elfter Generation, einmal ausgedrückt. Der freundliche, humorvolle Mann hat bewiesen, dass er bereit ist, die Traditionsbank in eine völlig neue Richtung zu steuern. Seine vielleicht radikalste Entscheidung: Bereits Ende der siebziger Jahre beschloss von Metzler, aus dem Kreditgeschäft auszusteigen. Er war der festen Überzeugung, dass eine Privatbank, die das Gleiche macht wie eine Großbank, keine Daseinsberechtigung hat. Eine Einsicht, für die viele Konkurrenten deutlich länger brauchten, etliche von ihnen kostete das Zögern die Existenz oder die Unabhängigkeit.

Metzler wollte sich auf das Beratungsgeschäft konzentrieren, auf die Vermögensverwaltung, das Private Banking, den Aktien- und Devisenhandel und das, was man heute Investment-Banking nennt – ein Wort, das es damals in Deutschland noch gar nicht richtig gab. Als junger Banker hatte von Metzler bei seinen Auslandsstationen in London und New York erfahren, dass man mit der Beratung von Börsenkandidaten oder mit Fusionen und Übernahmen gutes Geld verdienen kann.

Bis der deutsche Markt dann reif war für das Corporate-Finance-Geschäft angelsächsischen Stils vergingen zwar noch einige Jahre. Aber die von Metzlers waren nicht die Einzigen, die an diese Chance glaubten. Marija Korsch arbeitete damals für die US–Investmentbank Bankers Trust in Frankfurt, und die resolute Managerin beschäftigten ähnliche Ideen: Eigentlich müsste die deutsche Wirtschaft mit ihrem enormen Reformbedarf doch ein ideales Betätigungsfeld für Investmentbanker bieten, sagte sich Korsch und machte sich auf die Suche nach einem Kooperationspartner für ihre Bank. Die von Metzlers mit ihren Kontakten in alle Verästelungen der Deutschland AG schienen die idealen Kandidaten zu sein.

Korsch traf sich mit Christoph von Metzler, dem Cousin des Bankchefs, und die beiden stellten fest, dass sie über Investment-Banking in Deutschland das Gleiche dachten. Bis auf einen Punkt: Die von Metzlers hatten kein Interesse an einer Kooperation, sie hatten Interesse an Korsch. „Bevor wir anfangen, können Sie mir sagen, wann Sie zu Metzler kommen?“ wollte der Privatbankier schon beim zweiten Gespräch wissen.

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