Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2011

12:30 Uhr

Wirtschaftsprüfer

Schuldenkrise erfasst deutsche Banken

Wirtschaftsprüfer schlagen Alarm: Längst nicht alle deutschen Banken sind operativ gut aufgestellt. Besonders krisensicher erscheinen die Geldhäuser nicht - ein EZB-Experte sieht dringenden Handlungsbedarf.

Banken in Frankfurt: Manche müssen sich Sorgen um ihr operatives Geschäft machen. dpa

Banken in Frankfurt: Manche müssen sich Sorgen um ihr operatives Geschäft machen.

StuttgartBanken haben nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny weiterhin Probleme an langfristige Liquidität zu kommen. Zwar hätten die Institute keinen Mangel an kurzfristigem Geld, sagte Nowotny auf einer Konferenz in Wien. Eine aktuelle Studie bestätigt operative Probleme.

„Es ist ein Problem, dass längerfristige Liquidität für die Banken am Markt sehr schwer zu bekommen ist. Das ist eine Herausforderung, die wir diskutieren müssen, auch in der Politik.“ Die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), mit denen sie angeschlagenen Staaten unter die Arme greift, stellten keine zusätzliche Liquidität zur Verfügung und seien begrenzt - auch zeitlich, bekräftigte Nowotny. „Es ist ein befristetes Programm, auch zeitlich befristet, daher ist das nichts, das Teil der gewöhnlichen Instrumente der EZB ist.“

Studie: Krise belastet deutsche Großbanken kräftig

Video: Studie: Krise belastet deutsche Großbanken kräftig

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die Rettung angeschlagener Banken soll nach Ansicht Nowotnys künftig nicht mehr allein die Angelegenheit von deren Heimatländern sein. Vielmehr müssten die Überwachung des Bankensystems und die Rettung strauchelnder Institute als gemeinsame Aufgabe verstanden werden.

Daher sollten auch die Lasten für die Rettung von Banken auf europäischer Ebene und nicht nur von den nationalen Steuerzahlern getragen werden. „Für die Zukunft ist es notwendig, dass wir einen europäischeren Ansatz verfolgen“, sagte Nowotny.

Die aktuelle vorliegende Studie lässt tief blicken: Schuldenkrise, Kursabstürze und Unsicherheit dominieren die Stimmung an den Märkten. Die Mehrheit der deutschen Großbanken hat im operativen Geschäft der ersten Jahreshälfte 2011 geschwächelt - zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Im Schnitt sanken Zins- und Provisionsüberschüsse im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Empfindliche Abschreibungen bei Geschäften mit Griechenland-Bezug schlugen darüber hinaus mächtig ins Kontor. Die Studie unter den 13 deutschen Groß- und Landesbanken, die zuletzt auch am „Stresstest“ der europäischen Bankenaufsicht EBA teilgenommen hatten, lag der Nachrichtenagentur dpa vor.

Demnach entwickelten sich die Banken im Schnitt nur auf den ersten Blick grundlegend positiv: Ihr zusammengerechneter Gewinn vor Steuern stieg um zwei Drittel (knapp 67 Prozent) von 5,7 auf 9,5 Milliarden Euro. Die Ertragskraft erstarkte vor allem, weil die nötige Vorsorge für Bonitäts- und Länderrisiken sank - die gute Konjunktur wirkte sich also einfach positiv aus. Zur Veranschaulichung: Insgesamt konnten die untersuchten Häuser ihre Risikovorsorge locker halbieren: von ehemals 4,4 auf nun nur noch 1,7 Milliarden Euro.

Die höchsten Gewinnsprünge verzeichneten demnach die beiden Landesbanken LBBW und HSH Nordbank sowie die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) - sie alle legten bei den Konzernergebnissen um mehr als 900 Millionen Euro zu.

In absoluten Zahlen spielt die Deutsche Bank in einer ganz anderen Liga: Ihre 4,8 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern sind nicht nur 482 Millionen Euro Verbesserung, sondern auch ungefähr so viel Geld, wie alle übrigen zwölf Banken zusammen an Ergebnis ausweisen. Ihre um 21 Prozent gesteigerten Provisionsüberschüsse sprechen auch für ein brummendes Kundengeschäft, das in der ersten Jahreshälfte noch nicht unter den negativen Vorzeichen der Börsenschwankungen stand.

Die Deutsche Bank ist damit allerdings ein Einzelfall. Von der BayernLB (plus drei Prozent) und der Commerzbank (plus zwei Prozent) einmal abgesehen, fiel der Provisionsüberschuss bei der Mehrheit teilweise deutlich - bis hin zu minus 35 (HSH Nordbank) und minus 37 (WestLB) Prozent. Landesbank Berlin und Helaba stagnierten. Ernst & Young-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier fasst zusammen: „Im Kundengeschäft kamen die meisten Banken im ersten Halbjahr trotz der besseren Lage an den Aktienmärkten kaum voran.“ Und auch bei den Arbeitsplätzen ist der Trend kein positiver: Zwar stieg die Gesamtzahl der Mitarbeiter bei den 13 Häusern um acht Prozent. Bereinigt um die Akquisitionen der Deutschen Bank sank die Gesamtzahl aber um ein Prozent.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pro-FED

03.10.2011, 13:44 Uhr

Jesus hatte Recht als er voller Zorn bei der Tempelreinigung in Jerusalem die Wechseltische umschmiss und die Geldwechsler mit einer Geissel aus Stricken vertrieb. Die Elite verstand diese Aktion als offenen Angriff auf ihre Autorität und Profitquelle, weshalb sie seinen Tod beschloss. Genau so ist es heute, unsere ganze Gesellschaft wird von ihrer Gier beherrscht, erpresst und ausgenommen. Wer ihnen im Weg steht wird vernichtet. Siehe JFK!

Sie sind der Abschaum der Menschheit, weil sie hinter allen Kriegen, allem Leid und der ganzen Ausbeutung stehen, wegen ihrer Spekulation und Profitgier. Mit Geld Geld verdienen, das sie aus Luft erschaffen, ist unmoralisch und pervers. Dahinter steckt keine Leistung und kein Mehrwert für die Gesellschaft. Sie plündern und rauben unseren Planeten aus, versklaven die Menschen mit ihrem Schulden- und Zins- und Zinseszinssystem.

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Die Bankster sind das Problem http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/10/die-bankster-sind-das-einzige-problem.html#ixzz1ZiaRsWuv

Matthes

03.10.2011, 14:05 Uhr

Ich denke, unsere Banken standen im Stresstest alle so super da. Ist doch noch gar nicht lange her. Und jetzt wollen sie schon wieder gerettet werden? Wer vergackeiert hier eigentlich wen? Weder Brüssel noch unserer eigen Politik kann man inzwischen noch Glauben schenken!

mari

03.10.2011, 14:28 Uhr

Wenn ich mir das genau anschaue, dann ist alles im Lot. Falls es brenzlig wird, werden die Banken eben verstaatlicht oder teilverstaatlicht, basta. Das FUNKTionIERT, wie wir seit 2008 und der Schwedenkrise wissen.

Ich bin auch der Meinung, dass die Bankenrettung ausschließlich die Aufgabe der jeweiligen europäischen Länder ist.

Sind diese Wackelkandidaten-Banken, d.h. die NERVÖSEN Marktteilnehmer - aus dem Weg geschafft, dann werden sich die sog. Märkte auch wieder beruhigen. Das haben wir auch aus 2008 gelernt.

Wenn die nervösen Teilnehmer weg sind, geraten auch die Staaten bei der REfinanzierung so unter Druck. Sollten sie dennoch zu hohe Zinsabschläge zahlen müssen, kann man einen Zinszuschuss auf europäischer Ebene gewähren. Das wäre für alle - ausser der Wackelkandidaten-Banken - die beste Lösung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×