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03.12.2012

13:43 Uhr

Wirtschaftsstudie

Schattenbanken-Regeln verstärken Kreditklemme

Eine zu pauschale Schattenbanken-Regulierung könnte den Kreditfluss merklich abbremsen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Wirtschaftskanzlei Allen & Overy. Die Experten warnen vor einer vorschnellen Regulierung.

Der Schattenbanken-Sektor ist genauso bunt wie intransparent. dpa

Der Schattenbanken-Sektor ist genauso bunt wie intransparent.

FrankfurtDie geplante strengere Regulierung des billionenschweren Schattenbankensektors könnte die Kreditklemme in vielen Branchen verschärfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Studie der Wirtschaftskanzlei Allen & Overy unter dem Titel „The Future of Credit“. Die Experten warnen darin vor einer „holzschnittartigen“ Regulierung der Schattenbanken - alternative Kreditgeber, zu denen Investmentfonds, Kreditfonds, Versicherer, Pensionsfonds und andere Kapitalsammelstellen gezählt werden.

Der Sektor ist genauso bunt wie intransparent. Nach Ansicht der Juristen muss er reguliert werden, die verschiedenen Vehikel dürften aber nicht alle über einen Kamm geschert werden. „Die gegenwärtig diskutierten Regulierungsvorschläge sind durch politischen Aktionismus und nicht durch eine rationale Abwägung des Für und Wider weiterer Regulierung geprägt“, kritisiert der für die Studie zuständige Partner Frank Herring.

Er plädiert dafür, zunächst einmal abzuwarten, ob die neuen Regelwerke für die einzelnen Sektoren greifen: So werden Hedgefonds in Europa ab Sommer 2013 mit der AIFM-Richtlinie reguliert und die Versicherer bereiten sich auf die neuen Eigenkapitalregeln „Solvency II“ vor. Diese werden aber wohl nicht vor 2016 eingeführt. Einzelne Löcher könne man im Nachgang immer noch stopfen - im Idealfall im Zusammenspiel mit den USA und Asien, um einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, erklärt Allen & Overy.

Die internationalen Aufseher wollen den Schattenbankensektor in den nächsten zehn Monaten in den Griff bekommen. Derzeit kursiert ein Maßnahmenpaket mit Regulierungsvorschlägen. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20-Staaten hatte kürzlich erklärt, die Schattenbanken seien inzwischen größer als vor der Finanzkrise. Er bezifferte das Volumen der Nicht-Banken, die den weltweiten Geldkreislauf mit Kredit und Liquidität anheizen, per Ende 2011 auf 67 Billionen Dollar.

Zum Start der Krise 2007, für die die Schattenbanken mit verantwortlich gemacht wurden, waren es erst 62 Billionen, vor zehn Jahren 26 Billionen Dollar. Damit sorgen die zum großen Teil unregulierten Institutionen für fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem.

Allen & Overy arbeitet eng mit verschiedenen Finanzinstituten zusammen. Für die Studie sind die Anwälte der Frage nachgegangen, ob die neuen Regelwerke für die einzelnen Sektoren positive, neutrale oder negative Auswirkungen unter anderem auf die Kreditvergabe in elf verschiedenen Finanzierungsbereichen haben.

Von

rtr

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