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10.04.2006

21:57 Uhr

Wo Kundennähe noch zählt

Volksbank Raesfeld: Zwischen Doppelkopf und Lego

VonSigrid Aufterbeck

Hermann Burbaum ist Vorstandssprecher der Volksbank Raesfeld. Für sein Institut in Westfalen hat er ein einfaches Erfolgsrezept: Kundennähe. Und das bedeutet eben auch, dass der Geldautomat am Wochenende Münzen ausspuckt – für die Doppelkopfrunde in der Kneipe. Ein Handelsblatt-Porträt.

Hermann Burbaum. Foto: Laif, PR

Hermann Burbaum. Foto: Laif, PR

RAESFELD. Umgeben von Park- und Waldlandschaft wacht ein prächtiges Wasserschloss über das westliche Münsterland: Schloss Raesfeld, vom Geschlecht derer von Raesfeld zur stattlichen Festung ausgebaut. Der Menschenschlag hier ist erdverbunden und widerstandsfähig, und manche Zeitgenossen sind weit über die Region bekannt – wie Hermann Burbaum, Vorstandssprecher der Volksbank Raesfeld.

Burbaum lacht viel, vor allem aber, wenn man ihn ob seiner hoch gewachsen Erscheinung als „aufrechten Westfalen“ bezeichnet. Als solcher hat er im vergangenen Jahr von sich reden gemacht, als er beim obersten deutschen Gericht Verfassungsklage erhob. Sein Kampf gilt dem „Schnüffelstaat“, gegen den er mit einer Leidenschaft angeht, die für den ansonsten eher ruhigen westfälischen Menschenschlag schon bemerkenswert ist. Als einziges deutsches Kreditinstitut widersetzte Burbaums Volksbank Raesfeld sich gegen die „automatisierte Kontenabfrage“, mit der die Bundesregierung seiner Ansicht nach das Bankgeheimnis aushebelt. Denn durch diese Gesetzesänderungen dürfen seit April vergangenen Jahres nicht nur Strafverfolger, sondern auch Sozialbehörden und Finanzämter bei den Banken Kundendaten abfragen. Und nach einem Jahr steht fest: Gerade die Finanzämter machen davon rege Gebrauch.

„Ich werde oft falsch verstanden“, erklärt Burbaum. „Ich will ja gar nicht Steuerhinterzieher schützen. Es geht darum, dass der Staat sich immer mehr Freiheiten herausnimmt und immer weniger Rechenschaft abgibt.“ Für die Freiheit unbescholtener Bürger, unbehelligt zu bleiben – dafür kämpft er.

Auch in Berlin ist Burbaum als Freiheitskämpfer gegen jegliche Fremdbestimmung bekannt: Beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) stellte er vor zwei Jahren den Antrag, dem Verbandspräsidenten Christopher Pleister die Entlastung verweigern. „Mir missfallen die zentralistischen Tendenzen in der BVR-Zentrale“, sagt Burbaum. Pleister will die genossenschaftliche Bankengruppe eigenständiger Volks- und Raiffeisenbanken „konsolidieren“ – böse Zungen reden von Konzernierung – und die Zahl der Volksbanken durch Fusionen weiter verringern. Zwar wurde Burbaums Misstrauensantrag am Ende abgelehnt, doch von überraschend vielen Mitgliedern mitgetragen.

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