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25.01.2010

07:00 Uhr

Wohnförderung

Bausparkassen kämpfen um Kunden

VonChristoph Sandt

Die Branche hat das Jahr 2009 mit zum Teil massiven Einbußen im Neugeschäft abgehakt. Für 2010 sieht es wieder rosiger aus, die Branche ist zuversichtlich. Dafür legen sich ihre Vertreter mächtig ins Zeug.

Für 2010 sind die Bausparkassen wieder zuversichtlich.

Für 2010 sind die Bausparkassen wieder zuversichtlich.

HB FRANKFURT. Der Marktführer Schwäbisch Hall, der morgen seine Zahlen vorlegt, bleibt von einem Minus nicht verschont, der bisherige Zweite unter den Bausparkassen, die Postbanktochter BHW, ebenfalls nicht. Und auch die Nummer drei, Wüstenrot, kann sich dem Trend nicht entziehen. Allerdings hat Wüstenrot im Neugeschäft – dank der Übernahme eines kleineren Konkurrenten – BHW überholt, wie das zur Stuttgarter Finanzgruppe Wüstenrot & Württembergische (W&W) gehörende Unternehmen am Freitag mitteilte. Die Bausparkasse steigerte die Brutto-Bausparsumme um zehn Prozent auf rund elf Mrd. Euro. Die Einbußen im Branchenschnitt schätzt Wüstenrot auf 14 bis 15 Prozent. Ohne Zukauf der Vereinsbank Victoria Bauspar (VVB) stagnierte das Neugeschäft allerdings, und nach anderen Kennzahlen wie etwa dem Netto-Neugeschäft ging es sogar zurück (siehe „Bausparsummen“). Die VVB alleine büßte 2009 nach Angaben von Wüstenrot zehn Prozent ein.

Jetzt demonstriert die Branche Zuversicht. 2010 dürfte das Neugeschäft wieder zulegen. Der Chef der Landesbausparkasse (LBS) West, Christian Badde, berichtet von einem deutlich positiven Trend im Januar. Wüstenrot-Vertriebsvorstand Bernd Hertweck erwartet für die Branche „ein verhaltenes Wachstum von drei bis sechs Prozent“ und ist für das eigene Haus noch optimistischer: „Wir gehen davon aus, 2010 ein höheres Wachstum als die Branche zu erzielen.“

Auch Schwäbisch Hall erwartet ein Plus. Für 2009 hatte der Branchenprimus bereits die Warnung ausgegeben, dass nach dem Rekordjahr 2008 mit einem deutlichen Minus zu rechnen sei.

Denn die deutschen Bausparkassen sind im vergangenen Jahr Opfer ihres fulminanten Schlussspurts von 2008 geworden. Damals verkauften die Institute in den letzten Wochen vor Silvester so viele Verträge, dass sich zum Beispiel Schwäbisch Hall über ein Rekordgeschäft freute. Wichtigster Verkaufsgrund waren Einschränkungen bei der Wohnungsbauprämie, der wichtigsten staatlichen Förderung für Bausparer, ab 2009. Bausparguthaben dürfen seither nur für den Bau, den Kauf oder die Renovierung der eigenen vier Wände verwendet werden. Nur wer den Vertrag noch vor seinem 25. Geburtstag abschließt, darf sein Guthaben samt Förderung weiter nach eigenem Gutdünken verwenden. Die Vertreter haben offenbar im Jahresendgeschäft so stark mit dem Argument „Wohnungsbauprämie“ geworben, dass sie viele Kunden danach erst einmal abgeschreckt hatten. LBS-West-Chef Badde beklagt: „Derzeit bedarf es einiger Beratungsanstrengung, um neuen Kunden bewusst zu machen, dass die Wohnungsbauprämie keinesfalls abgeschafft wurde.“

Nun setzen die Anbieter vor allem auf das boomende Geschäft mit Wohn-Riester-Verträgen, die sie seit gut einem Jahr verkaufen können. Das Potenzial ist groß: Erst 13 Mio. von 37 Mio. Förderberechtigten riestern bislang. Zum anderen versuchen die Bausparkassen mit neuen Tarifen zu punkten. Die LBS West etwa hat einen Bausparvertrag für unter 20-Jährige auf den Markt gebracht, der gut läuft.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen Wettbewerber zu schlucken, wie das Beispiel Wüstenrot zeigt.

Kommentare (2)

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Holger Lang, der Finanzschrauber

25.01.2010, 14:25 Uhr

Als Teil einer Finanzierung mag das bausparen ja noch einigermaßen Sinn machen. Als Geldanlage taugt es in keinster Weise. Dies erkennt man, wenn man mal die Perspektive wechselt: Lege ich mein Geld bei der bausparkasse an? Nein, ich leihe es ihr, und sie verleiht es weiter. Dafür verlangt sie eine Gebühr von mir und bietet mir Mini-Zinsen. Absurd!

Gegen Schrauber im Finanzwesen

25.01.2010, 21:51 Uhr

Tja, und wenn man mal die Perspektive wechselt, erkennt man, dass auch die bank u. U. das Anlegergeld verleiht. Nennt man auch Aktiv und Passiv. Nur mal so für diejenigen, die nicht schrauben, sondern ihren beruf mit Qualifikation ausüben. Übrigens, auch wenn es Sie erstaunt, auch Versicherungen verleihen Geld und, wenn man es genau nimmt, sogar die investmentgesellschaften. bekommen Sie bitte keinen Schreck, das Ganze liegt am System (deswegen treffen es die begriffe Aktiv und Passiv ja auch genauer). Genau genommen, gibt es keinen Guthabenzins und keine Geldanlage. Das gesamte Finanzsystem ist auf Schulden aufgebaut. Der Eine verleiht Geld - und der Andere leiht es sich. Mehr ist es nicht. Mathematik und keine Zauberei. Zu Schrauben gibt's da schon gar nichts ...

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