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22.01.2012

11:16 Uhr

Wurst-Kampagne

ING-Diba kapituliert vor Vegetariern

Wer sich im Internet mit Vegetariern anlegt, sollte sich warm anziehen. Diese schmerzvolle Erfahrung musste auch die Bank ING-Diba machen: Ein Werbespot, in dem eine Wurst auftauchte, führte zur Facebook-Eskalation.

Für die ING Diba hatte eine Wurst in einem Spot unerwartete Folgen. dpa

Für die ING Diba hatte eine Wurst in einem Spot unerwartete Folgen.

FrankfurtEs geht - im wörtlichen Sinne - um die Wurst. Ein TV-Spot der ING-Diba mit Basketball-Star Dirk Nowitzki ruft Vegatierer und Veganer auf den Plan. Über Tage wird die Facebook-Seite der Direktbank zum Diskussionsforum über Sinn und Unsinn von Fleischverzehr, gesunde Ernährung und den Hunger in Afrika - bis die ING-Diba einen Riegel vorschiebt.

Was war geschehen? Sympathieträger Nowitzki, 2,13 Meter groß und aus Sicht der Bank dennoch ein Sinnbild für Bodenständigkeit, kehrt - so suggeriert das 45-Sekunden-Werbefilmchen - in die Metzgerei seiner Kindheit zurück. Eine Metzgerin reicht ihm eine Scheibe Wurst über die Theke. „Was haben wir früher immer gesagt?“ Nowitzki: „Damit Du groß und stark wirst.“ Schallendes Gelächter.

Was ein Sparprodukt der Direktbank bewerben soll, empört die Internetgemeinde. Ein Veganer postet auf Facebook: „das ist schon krass dass er wurst isst. ... schämt euch diba. stoppt fleisch im fernsehen!“ Eine Vegetarierin nennt den Spot „anstößig“. Die Fraktion der Fleischesser lässt das nicht auf sich sitzen. „Soll jetzt in jedem Film nen Steak etc. gepixelt werden?“, fragt eine Userin. Eine andere ist es leid, „als Tiermörder abgestempelt zu werden“.

„Fruchtzwergenaufstand“ im „Gutmenschenland“ oder berechtigter Ausstausch über unterschiedliche Weltsichten? Selbst der Chef der Bank, der Niederländer Roland Boekhout, zeigt sich erstaunt: „Es ist interessant, wie schnell so eine Diskussion so groß werden kann und die Emotionalität da reinkommt“, sagt Boekhout der dpa.

Mit solchen Erfahrungen steht die ING-Diba nicht alleine da. Auch andere Geldhäuser experimentieren mit Facebook, Twitter und Co. Über soziale Netzwerke direkt Kontakt zu (potenziellen) Kunden aufnehmen - das klingt einfach, viele Banken jedoch nutzen Social Media bislang eher als zusätzlichen Kanal für ihre Werbebotschaften.

Harsche Urteile wie das von Trigema-Chef Wolfgang Grupp (68) aus dem Mai 2010 („Twitter ist für mich einfach nur dumm, und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten.“) gehören in deutschen Unternehmen zunehmend der Vergangenheit an. Doch: „Viele Firmen sind noch völlig planlos“, befand Robert Wauer, dessen Firma Azionare für Kunden die sozialen Netze, Blogs und Webseiten mit spezieller Software überwacht, kürzlich im „Handelsblatt“.

Kommentare (15)

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westerwald

22.01.2012, 12:36 Uhr

Kaum zu glauben welche Wellen ein harmloser Werbespot aufwirbelt. Kann es vielleicht sein, dass eine vegetarische Lebensweise zum Verlust von Gehirnzellen führt ???

aspi

22.01.2012, 12:39 Uhr

Einfach mal Nordkoreaner und Südkoreaner vergleichen: Früher, als es noch ein Korea gab, waren die gleichgroß/gleichklein. Der real existierende Kommunismus im Norden verursacht dort massiven Fleischmangel, die Nordkoreaner sind fast "Zwangsvegetarier". Und vermutlich deshalb deutlich kleiner als die Südkoreaner...

Hermann.12

22.01.2012, 13:05 Uhr

Absolut lächerlich.
Die Werbung in einer normalen Metzgerei zu beantstanden, aufgrund von Unterstellungen, die dem Fleischkonsum insgesamt gemacht werden, ist schlicht idiotisch.
Dem Nachzugeben dekadent!

H.

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