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24.11.2015

18:23 Uhr

Yapital

Das schnelle Ende vom schnellen Bezahlen

VonMatthias Streit

Lebe mobil, zahle mobil. So lautete das Versprechen der Bezahl-App Yapital. Jetzt wird der Dienst eingestellt. Doch hat das Leben ohne Bargeld je funktioniert? Ein Selbstversuch hatte Zweifel aufkommen lassen – zu Recht.

Bei mobilen Nutzern stieß der mobile Bezahldienst auf wenig Begeisterung. Bis zum 31. Januar 2016 wird der Dienst für Endkunden eingestellt. Picture Alliance

QR-Code ohne Fans

Bei mobilen Nutzern stieß der mobile Bezahldienst auf wenig Begeisterung. Bis zum 31. Januar 2016 wird der Dienst für Endkunden eingestellt.

Frankfurt am Main„Kappi… was?“, fragt der Kassierer ungläubig. Er blickt mich misstrauisch an. Offenbar fühlt er sich veräppelt. „Yapital“, antworte ich. „Wie ‚Kapital‘, nur mit ‚y‘ vorn. Das ist eine App. Und mit der kann ich hier bezahlen. Da.“ Ich zeige ihm die Karte auf meinem Smartphone. Auf dem Rewe-Laden im Frankfurter Grüneburgweg klotzt ein fetter lila Pfeil des Yapital Shop Finders. Der bedeutet: In diesem Laden können Kunden mit Yapital zahlen.

„Davon hab' ich noch nie gehört. Sie sind der erste, der damit hier zahlen will“, sagt er. Verunsichert wendet sich der junge Mann an diesem Spätsommertag 2015 an seine Kollegen. „Weiß einer von euch, was Yapital ist?“ Nein, wissen sie nicht. Sie sind genauso ratlos. Weil nun die wartenden Kunden hinter mir entnervt stöhnen, gebe ich auf. Statt mit einem Wisch auf dem Smartphone zu zahlen, krame ich doch das Portemonnaie heraus. Ich zahle mein Brot, Birnen und Bananen ganz einfach in bar.

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Genauso misslingt ein weiterer Versuch in einer anderen Filiale der Supermarktkette im Frankfurter Vorort Rodgau. Auch dieser Supermarkt ist laut Yapital-App ein Partner des mobilen Zahlsystems. Der Bäcker oder der Imbissladen um die Ecke bieten die neue Zahlart gar nicht erst an. Der Blick in den Shop-Finder verrät: Das Partnernetz von Yapital ist selbst in der Finanzmetropole Frankfurt nur dünn verwoben.

So sollte es eigentlich nicht laufen. Einst wollte Yapital europaweit das erste mobile Bezahlsystem etablieren. Das ging gehörig schief. Nach knapp fünf Jahren stellt die Muttergesellschaft, die Otto Group, zum 31. Januar 2016 das Endkundengeschäft des Bezahldienstleisters ein. „Bereits vor drei Jahren sprach man vom Mobile-Payment Durchbruch, und dennoch gibt es heute laut Studien gerade mal 200.000 Nutzer in Deutschland“, konstatiert Yapital-Geschäftsführer Marc Berg. Nur geschätzt die Hälfte davon ist bei Yapital angemeldet. Für das Start-Up ist das zu wenig. Nun kommt das schnelle Ende vom schnellen Bezahlen.

Zumindest an starken Partnern im stationären sowie im Onlinehandel habe es nicht gemangelt, glaubt zumindest Yapital-Chef Berg. Das stimmt aber nur so halb. Zwar zählen zu den großen Partnern unter anderem die Parfümerie-Kette Douglas, die Schuhläden von Görtz oder Cinemaxx-Kinos. Doch auch weniger namhafte Unterstützer wie das italienische Restaurant „Bella Ciao“ am Hamburger Stadtrand, eine kleine Werbeagentur namens „Gerhardt“ oder der Onlinevertrieb für wasserdichte Taschen, Aquaman, preist Yapital auf seiner Internet-Seite als prominente Partner an. Letztere sind allesamt Handelspartner, die aber im Alltag der meisten Deutschen wohl kaum eine Rolle spielen.

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