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11.10.2016

12:33 Uhr

Youtube-Star teilt aus

LeFloid vergleicht Deutsche Bank mit „Bibis Beauty Palace“

VonJulian Trauthig

Die Deutsche Bank steckt tief in der Krise, selbst über Staatshilfen wird diskutiert. Jetzt macht sogar Youtube-Star LeFloid Deutschlands größtes Geldhaus nieder – und teilt gleichzeitig gegen die eigene Konkurrenz aus.

DüsseldorfEs ist ja nicht so, dass die Deutsche Bank nicht schon genug Probleme derzeit hätte. Die Unsicherheit über die Höhe der Strafzahlung an das US-Justizministerium lässt nicht nur die Märkte verrückt spielen, auch eine Debatte über eine mögliche staatliche Stützung hat das Land erfasst.

Die Bank muss nicht nur das Gespött von Satire-Sendungen wie Extra 3 oder heute-show ertragen. Auch Youtube-Star LeFloid hat sich zu ihr äußert – und lässt wenig Gutes an dem Geldhaus. In einem Video, das LeFloid am Montag veröffentlichte, bedenkt der 29-Jährige, der so etwas wie der Jan Hofer des Videoportals ist, die Bank mit wenig schmeichelhaften Worten.

Vor einigen Jahren seien etliche deutsche Großbanken mit Steuergeldern in Milliardenhöhe gerettet worden, weil sie sich verzockt hätten, sagt LeFloid. Er spielt auf die Hypo Real Estate und Commerzbank an. In Zeiten von Minuszinsen und noch betrügerischeren Zockereien, um überhaupt noch richtig Schotter machen zu können, drohe wieder einer großen deutschen Bank, dass sie krachen geht.

„Das heillos korrupte Kapitalismusschlachtschiff, die Deutsche Bank, muss Millionen und Abermilliarden an Strafen zahlen, weil sie gegen Wettbewerbsregeln und Gesetze verstößt und in geradezu kriminelle Spekulationsgeschäfte verwickelt ist“, sagt LeFloid und teilt weiter aus.

Er zieht einen Vergleich zu einer seiner großen Youtube-Konkurrentinnen: Nach den Spekulationen sei der Aktienwert der Deutschen Bank erst einmal ins Bodenlose gestürzt, aber hey, auf Nahrungsmittelpreise oder Hypotheken zu wetten und darunter Millionen Menschen leiden zu lassen, sei doch geil, getreu dem Motto: „Wir sind die Deutsche Bank, Geld über alles, wir sind sprichwörtlich Bibis Beauty Palace.“ – „Verstehste, weil sie ein Haus sind“, fügt er an und blendet ein Bild der Bankzentrale ein.

Bibi ist ebenfalls eine der deutschen Youtube-Größen, aber meistens eher mit Stylingtipps als mit ernsthaften Themen wie der Deutschen Bank beschäftigt. Während LeFloid noch damit kämpft, die Drei-Millionen-Abonnentengrenze zu knacken, liegt Bibi mit mehr als 3,7 Millionen Abos deutlich vor ihm. Gerade erst hat Dagi Bee, ein weiterer Youtube-Star, die Drei-Millionen-Marke überschritten.

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LeFloid fragt sich, wie es mit der Deutschen Bank weitergehen soll: „Wird also die Deutsche Bank jetzt tatsächlich an ihrer Gier ersticken oder wird sie sich von selbst erholen, was meint ihr? Komme es zum Bankenabriss oder bricht die Bundesregierung mal wieder zusammen und wird mal wieder mit Milliarden Steuergeldern in die Bankenrettung investieren müssen?“ Es ist etwas deftiger formuliert, als es Kapitalmarktexperten tun – aber die Stabilität des Geldhauses ist auch bei Finanzgrößen ein Thema. Der langjährige Chef der Allianz-Vermögensverwaltungstochter Pimco, Mohamed El-Erian, etwa fordert von dem Institut eine Schrumpfkur.

An den Reaktionen in der Kommentarspalte lässt sich ablesen, dass die jüngere Zielgruppe vom Thema Deutsche Bank wenig elektrisiert zu sein scheint.

Die meisten Reaktionen gibt es zu US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, über den der Youtuber in seinem Beitrag ebenfalls redet.

Zustimmung gibt es zu dem Kommentar, dass einige beim Lesen des Titels des Videos die Deutsche Bank mit der Deutschen Bahn verwechselt hätten. Und Nutzer „Weltuntergang ist doof“ fragt, ob die Bank nicht auf die Zahlungsaufforderungen und Mahnungen der Amerikaner ignorieren könne, wie es die USA auch mit europäischen Forderungen machten.

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Deutsche-Bank-Chef John Cryan täte wahrscheinlich nichts lieber, dürfte die Realitätsferne des Vorschlags aber durchaus richtig einschätzen. Stattdessen dürfte er weiter in Verhandlung mit den US-Behörden darüber sein, die 14-Milliarden-Dollar-Forderung so weit wie möglich runterzuhandeln. Wie schon am Montag schwankte der Aktienkurs am Dienstagvormittag und wurde auf 12,47 Euro 0,27 Prozent im Minus gehandelt.

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