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16.04.2012

12:50 Uhr

Zerschlagene Landesbank

Der bittere Abgang der WestLB

VonFrank Matthias Drost, Thomas Bauer, Saskia Littmann

Im vergangenen Jahrzehnt pumpten Steuerzahler und Eigentümer 21 Milliarden Euro in die WestLB. Zurzeit bereitet das elftgrößte Kreditinstitut Deutschlands seine eigene Beerdigung vor. Doch selbst dafür fehlt noch Geld.

Große Säuberungsaktion bei der WestLB: Die Landesbank wird zum 30. Juni aufgelöst. dpa

Große Säuberungsaktion bei der WestLB: Die Landesbank wird zum 30. Juni aufgelöst.

Berlin, FrankfurtWenn die Beschäftigten der WestLB heute aus ihren Büros auf den Düsseldorfer Kirchplatz schauen, sehen sie Baumaschinen und Kräne. Die Stadt baut eine neue U-Bahn-Linie. Doch von der neuen Station direkt vor der Bankzentrale werden die meisten von ihnen nichts haben. Bis zur geplanten Fertigstellung wird die einst größte Landesbank Deutschlands längst der Vergangenheit angehören. Am 30. Juni 2012 ist Schluss. Morgen legt Vorstandschef Dietrich Voigtländer die letzte Bilanz des Instituts vor. 4400 Beschäftigte zittern um ihre Jobs.

Noch nie wurde in Deutschland eine Bank dieser Größe zerschlagen – 2010 war sie mit einer Bilanzsumme von 191 Milliarden Euro immerhin noch die elftgrößte Bank des Landes. Die Abwicklung der WestLB hat weder in Deutschland noch in der Europäischen Union Parallelen.

Aktuell hat die WestLB ein sehr großes neues Problem: Bisher hat die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft offengelassen, ob oder wie das Land die zugesagte eine Milliarde Euro für die Zerschlagung der Landesbank WestLB aufbringen wird.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Das Kabinett berät heute über das Thema: „Wir haben keinen Haushalt, in dem die eine Milliarde drin steht“, sagte Kraft. Auf die Frage, ob sich die Zerschlagung der Bank dadurch verzögern könnte, sagte Kraft, sie könne das jetzt nicht bewerten.

Das Land hat zur Neuordnung der Landesbank eine Milliarde Euro für den Rest der WestLB zugesagt. Dies war auch im Haushaltsentwurf der rot-grünen Landesregierung vorgesehen. Der Landtag hatte sich vorige Woche aber im Streit über den Haushalt selbst aufgelöst und Neuwahlen für den 13. Mai angesetzt.

Kommentare (15)

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peer

20.03.2012, 09:53 Uhr

Hiermit begann das Unglück:
- Die FED wurde ihre Gifpapiere los

und dafür versprachen die Bilderberger, dass Herr Steinbrück mal Bundeskanzler wird.


NRW-Ministerpräsident Steinbrück ist seinen Pflichten als Aufsichtsrat nicht nachgekommen

Fragen nach seiner Rolle bei der WestLB-Krise mag Peer Steinbrück (SPD) überhaupt nicht. Als vor wenigen Tagen ein Fernsehreporter vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten wissen wollte, ob er nicht als früherer Finanzminister die riskanten Kreditvergaben der NRW-Landesbank hätte kennen müssen, schob ein Steinbrück-Mitarbeiter das Mikrofon des Journalisten einfach beiseite.

Die Nerven liegen blank in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Zusätzlich zum parlamentarischen Untersuchungsausschuss droht wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten bei den Landesgesellschaften nun ein weiterer in Sachen Landesbank.

Dabei steht Steinbrück selbst als Mitglied in den Aufsichtsgremien der fünftgrößten deutschen Bank und als Vertreter des Hauptgesellschafters NRW (43,2 Prozent) im Mittelpunkt des Interesses.

Lutherschule

20.03.2012, 10:05 Uhr

Die Landes-, besser Pleitebanken die der Aufsicht der Regierungen unterstehen, beweisen die Unfähigkeiten unserer Beamten. Der Staat war selbst der größte Zocker u. unterstützt mit dem ESM (Fiskalpackt) weitere Pleitestaaten. Die Gesetzestexte werden den Bürger verheimlicht, denn die anderen Staaten können bei "Bedarf"
mit einfacher Mehrheit uns Deutsche in die Tasche greifen. Ein Austritt aus diesem Bund ist nicht möglich.

Account gelöscht!

20.03.2012, 10:13 Uhr

"Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh." Henry Ford

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