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18.03.2012

11:51 Uhr

Zerschlagene Landesbank

Die letzten Tage der WestLB

Noch gut drei Monate, dann wird die nordrhein-westfälische Landesbank zerschlagen. Doch nicht nur bei der WestLB droht der personalpolitische Kahlschlag. Auch die anderen Landesbanken brauchen eine Schrumpfkur.

Die zentrale der WestLB in Düsseldorf. dpa

Die zentrale der WestLB in Düsseldorf.

DüsseldorfEs ist die letzte Jahresbilanz der WestLB. Wenn Bankchef Dietrich Voigtländer am kommenden Mittwoch (21. März) den Geschäftsbericht 2011 vorstellt, geht eine Ära zu Ende. Nur gut 100 Tage später wird die nordrhein-westfälische Landesbank zerschlagen. Jene Bank, die einst Industriepolitik betrieb, Konzerne schmiedete. Der Wandel des Mischkonzerns Preussag zum Touristikkonzern Tui gilt als Paradebeispiel dafür. Jene Bank, die bei großen Projekten rund um die Welt mitmischte - vom Pipeline-Bau in Ecuador bis zum Neubau des Wembley-Stadions in London. Diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei. 

Ende Juni muss die WestLB ihr Neugeschäft einstellen. Nur ihr Sparkassengeschäft kommt mit 400 Stellen bei einem Schwesterinstitut unter, bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Alle anderen nicht verkauften Aktivitäten werden in die „Bad Bank“ überführt, die schon Schrottpapiere abwickelt. Das Gros der WestLB-Mitarbeiter (4300 Vollzeitstellen) findet sich in einer Servicegesellschaft wieder, die ihre Dienstleistungen insbesondere der „Bad Bank“ anbietet. Für die kommenden Jahre ist ein drastischer Abbau vorgezeichnet: Für etwa 2700 Stellen fehlt nach den Szenarien eine langfristige Perspektive. 

So hart wie für die WestLB kommt es für andere Landesbanken zwar nicht. Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die HSH Nordbank und die BayernLB wurden in der Finanzkrise mit milliardenschweren Garantien oder Kapitalspritzen gestützt. Die EU-Kommission zwingt sie im Gegenzug zu Staatshilfen aber zur Schrumpfkur. Im Fall BayernLB stehen die Auflagen noch nicht fest. Einen Stellenabbau gibt es vielerorts. Binnen acht Jahren seien etwa 10.000 Arbeitsplätze bei den Landesbanken weggefallen, sagt Wolfgang Hermann, Verdi-Sprecher für den Bankensektor. Und das sei nicht das Ende der Fahnenstange. 

Die WestLB-Zerschlagung sei ein Schlussstrich unter jahrelange Debatten, aus mehreren Landesbanken einen Branchenriesen zu formen, meint der Bankenexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, Dirk Müller-Tronnier. „Es geht darum, dass jeder für sich eine Nische findet.“ Mit einer Spezialisierung würden sich Landesbanken auf ihre Wurzeln besinnen. Die Grundidee sei gewesen, dass viele Sparkassen einen Spezialisten für das Abwickeln des Zahlungsverkehrs nutzen. Das Modell könnte man auf andere Geschäftsfelder übertragen. 

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Mit dem WestLB-Umbau wird in Deutschland laut Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis unter schwierigen Rahmenbedingungen etwas bisher Beispielloses gelingen: „Es wird eine der größten Banken abgewickelt, ohne dass es zu Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen wird“, erklärte er vor kurzem. Die Überführung des Sparkassengeschäftes der WestLB zur Helaba trage auch dazu bei, Überkapazitäten aus dem Sektor der Landesbanken herauszunehmen. Bei der DekaBank und der Landesbank Berlin hält er es nach dem Aufstocken der Sparkassen-Anteile für möglich, über eine klare Aufgabenteilung dieser Häuser zu sprechen.

Für den radikalen WestLB-Umbauplan werden Milliarden benötigt. Jeder muss einen Beitrag leisten: Die Sparkassen-Familie bringt für das WestLB-Sparkassengeschäft insgesamt eine Milliarde Euro frisches Kapital auf, davon kommen 250 Millionen Euro von den Landesbanken. Das hoch verschuldete Bundesland Nordrhein-Westfalen muss ebenfalls eine Milliarde Euro locker machen, die für die Servicegesellschaft bestimmt ist. Auch der Bund beteiligt sich am Umbau, in dem er zwei Milliarden Euro in der WestLB belässt. Er hatte die NRW-Landesbank mit einer Kapitalspritze von insgesamt drei Milliarden Euro gerettet.

Von

dpa

Kommentare (2)

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franz

18.03.2012, 12:30 Uhr

Wie wäre es denn mal etwas zu den Kosten zu schreiben, die dem Steuerzahler, in den nächsten Jahrzehnten entstehen, in denen die "Bad Bank" abgewickelt wird und die knapp 3000 Mitarbeiter abgefunden werden. All diese Kosten muss der Steuerzahler tragen und damit für das dramatische Aufsichtsversagen der Sparkassen bluten. Es hätte günstigere Lösungen gegeben, aber der Verkauf an die HSBC ist daran gescheitert, dass die Sparkassen die WestLB als Selbstbedienungsladen missbrauchen, leider zu Lasten der Steuerzahler!

Chr.F.

18.03.2012, 13:45 Uhr

Das wird sicher Frau Kraft mit Ihrer guten Leistung im Finanzwesen erledigen ;-) Der Bund hat damit sicher nix zu tun.

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