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12.09.2012

07:44 Uhr

Zertifikategeschäft

Die Dekabank auf neuen Pfaden

VonElisabeth Atzler, Frank Matthias Drost

Der Startschuss für die Dekabank fällt heute: Das Institut soll zum Wertpapierhaus umgebaut werden. Erwartet wird der Einstieg ins Zertifikategeschäft. Doch einfach würde das für den Sparkassendienstleister nicht werden.

Das Gebäude der Dekabank in Frankfurt. dpa

Das Gebäude der Dekabank in Frankfurt.

Frankfurt/BerlinHeute soll der Umbau der Dekabank zum Wertpapierhaus der Sparkassen starten - voraussichtlich mit dem Einstieg ins lukrative Zertifikategeschäft und mit einem Führungswechsel in der schwächelnden Fondssparte.

Der Verwaltungsrat will das Profil des Fondsanbieters der Sparkassen schärfen. Die Dekabank soll als Wertpapierhaus aufgestellt werden, das verschiedene Produkte anbietet, nicht nur Fonds. Voraussichtlich wird das Gremium der Dekabank daher den Weg in das Zertifikategeschäft ebnen. Das bestätigten Verwaltungsratsmitglieder dem Handelsblatt.

Der Vertrieb von Zertifikaten an Sparkassenkunden könnte das Geschäft der Dekabank stärken. Sie leidet darunter, dass die Kunden hohe Summen aus den Fonds abziehen. Im ersten Halbjahr flossen unterm Strich 3,2 Milliarden Euro ab; insgesamt verwaltet der Anbieter rund 150 Milliarden Euro.

Doch so einfach dürfte es für den Sparkassendienstleister nicht werden, mit Zertifikaten rasch aufzutrumpfen: Ein Teil des Vertriebs, also die Sparkassen, könnte der Dekabank einen Strich durch die Rechnung machen. Mehrere Landesbanken, an denen die Sparkassen maßgeblich beteiligt sind, verkaufen ebenfalls seit längerem Zertifikate - zum Beispiel die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Landesbank Berlin (LBB), die Bayerische Landesbank (BayernLB) sowie die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die das Zertifikategeschäft der zerschlagenen WestLB übernommen hat. Konflikte etwa mit der LBBW und der Helaba sind programmiert - schließlich zielen die neuen Wettbewerber auf dieselben Kunden.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Zwar ist es für neue Anbieter relativ leicht, in das Geschäft einzusteigen, weil die Kosten gering sind. "Aber es ist schwierig, in den Markt wirklich einzudringen und Marktanteile zu gewinnen. Der Wettbewerb ist intensiv", sagt Christian Grabbe, Zertifikate-Experte der Baader Bank. Er traut der Dekabank zu, ein nennenswertes Geschäft aufzubauen, vorausgesetzt die Sparkassen nehmen die Deka-Produkte an und vertreiben sie. "Ich würde die Dekabank letztlich mit der DZ Bank vergleichen. Und sie hat auch mehrere Jahre gebraucht, um oben mitzuspielen", sagt Grabbe. Das genossenschaftliche Zentralinstitut ist heute die Nummer drei unter den Anbietern.

Kommentare (1)

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FrodoBaggins

12.09.2012, 10:35 Uhr

Deka-Fonds kann man in der Pfeife rauchen. Quantität statt Qualität, lausige Performance, hohe Gebühren. Warum soll das bei Zockereien mit Zertifikaten anders werden? Bei der negativen Zinspolitik auf absehbare Zeit (NIRP) werden noch mehr Kundegelder für Managerhonorare abgezweigt werden müssen als bisher.

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