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04.03.2004

16:48 Uhr

Ziehen die Anteilseigner mit?

WestLB-Chef Fischer will 1,5 Milliarden Euro

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als WestLB-Chef ließ Thomas Fischer die Katze aus dem Sack. Die fünftgrößte deutsche Bank, durch zwei rabenschwarze Geschäftsjahre in ein tiefes finanzielles Loch gefallen, braucht dringend eine Kapitalerhöhung. Vor dem Haushaltsausschuss des Düsseldorfer Landtages bezifferte der Banker am Donnerstag den Bedarf auf eine Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro. Was bislang nur in Medienberichten als Gerücht kursierte, ist seit Fischers Auftritt vor den Parlamentariern nun Gewissheit geworden.

Thomas Fischer versprühte bei seinem ersten Auftritt als WestLB-Chef Optimismus. Foto: dpa

Thomas Fischer versprühte bei seinem ersten Auftritt als WestLB-Chef Optimismus. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Noch ist keine Entscheidung über die Kapitalspritze gefallen. NRW-Finanzminister Jochen Dieckmann (SPD) als Vertreter des größten Anteilseigners der Bank, betonte ausdrücklich, dass diese Frage in den Gremien der Bank und nicht in der Öffentlichkeit besprochen werde. Und so darf weiterhin gerätselt werden, ob alle Anteilseigner willens und in der Lage sind, mitzuziehen und die WestLB mit frischem Geld auszustatten.

Neben dem Land sind die Sparkassen- und Giroverbänden im Rheinland und in Westfalen/Lippe sowie die beiden Landschaftsverbände über die Landesbank NRW Eigentümer der WestLB AG. Branchenkenner hatten in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass angesichts der klammen öffentlichen Haushalte eigentlich nur die Sparkassen in der Lage seien, künftig bei der WestLB eine größere Rolle zu spielen.

Der Präsident des westfälisch-lippischen Sparkassen und Giroverbandes, Rolf Gerlach, war der einzige, der diese Position auch offen nach außen vertrat. „Wir können einen nützlichen und wichtigen Beitrag liefern, um der Bank ein gutes und starkes Rating für die Zeit nach Wegfall der Staatsgarantie zu sichern“, sagte er vor einigen Wochen.

Tatsächlich liegen die Sparkassen Fischer sehr am Herzen - ganz so, wie es die WestLB in ihrer neuen Konzernstrategie vorsieht: Vor den Parlamentariern beschwor der Bankmanager den Verbund mit den Sparkassen und die in der engen Zusammenarbeit schlummernden Potenziale. Der Auftritt Fischers sei „eine Lehrstunde für die Abgeordneten gewesen“, befand ein Beobachter. Gleichzeitig versprühte der neue Mann an der WestLB-Spitze Zuversicht und Aufbruchstimmung.

Mit der Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahrs 2003 sieht der WestLB-Vorstand alle Altlasten endgültig beseitigt. Durch eine erneut hohe Risikovorsorge und Bereinigung des Zahlenwerkes hatte die WestLB AG im vergangenen Jahr einen Jahresverlust von 2,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Konzernzahlen lagen noch nicht vor. 2002 hatte der Bankkonzern unter anderem durch riskante Auslandsgeschäfte einen Fehlbetrag vor Steuern von 1,7 Milliarden Euro erzielt. Eine Kapitalerhöhung soll vor allem die Eigenkapitalquote der WestLB erhöhen. Nach Angaben der Bank liegt sie derzeit bei 5 Prozent. Für die Rating-Agenturen, die in regelmäßigen Abständen über die Bonität von Geldinstituten und Unternehmen befinden, sei eine Größe von 7 Prozent notwendig, meinte ein Banksprecher.

Das laufende Geschäftsjahr ist mit Blick auf 2005 ganz entscheidend. Mitte kommenden Jahres entfallen nämlich die Staatsgarantien. Die WestLB wird dann dem harten Wettbewerb in der Bankenlandschaft voll ausgesetzt sein. Ein gutes Rating bekommt Fischer aber nur, wenn Eigenkapital nachgeschossen wird und die Ergebnisse wieder stimmen.

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