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30.09.2016

15:13 Uhr

Zielke stellt Commerzbank-Umbau vor

Betriebsbedingte Kündigungen möglich

Bis 2020 will die Commerzbank zwei Millionen neue Kunden gewinnen und die Kosten kräftig drücken – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Aus der Politik werden Rufe nach Verstaatlichung laut.

„Der Stellenabbau ist mir sehr schwergefallen“ Reuters

Konzernchef Martin Zielke

„Der Stellenabbau ist mir sehr schwergefallen“

Frankfurt/BerlinDie Commerzbank schließt bei ihrem gewaltigen Stellenabbau betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Das Institut werde aber „alles tun“, um solche Schritte zu vermeiden, sagte Konzernchef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt. „Wir sind uns einig, dass das Ziel sein muss, möglichst verträgliche Lösungen zu finden.“ Treffen werde die Schrumpfkur vor allem Deutschland, die Details sollen nun mit den Betriebsräten verhandelt werden.

Der Dax-Konzern hatte am Vortag angekündigt, 9600 seiner derzeit gut 45.000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2020 zu streichen. Weil die Bank zugleich 2300 neue Arbeitsplätze in Einheiten im In- und Ausland schaffen will, fallen unter dem Strich 7300 Vollzeitstellen weg.

„Die Entscheidung für den Personalabbau ist mir sehr schwergefallen“, versicherte der frühere Privatkundenchef Zielke, der den Vorstandsvorsitz im Mai übernommen hatte. Der Bank bleibe aber angesichts des massiven Umbruchs in der Branche keine andere Wahl. „Wir verdienen einfach nicht genug Geld“, betonte Zielke. „Wir müssen dringend selbst etwas tun, um die Bank wieder deutlich profitabler und wettbewerbsfähiger zu machen.“

Von der Konzentration auf die beiden Geschäftsbereiche Privat- und Unternehmerkunden sowie Firmenkunden verspricht sich die Bank einen kräftigen Schub. „Insgesamt wollen wir bis 2020 im deutschen Markt netto zwei Millionen neue Kunden im Privatkundengeschäft gewinnen“, sagte Zielke. „Mir ist bewusst, dass das ambitioniert ist, aber wir haben gezeigt, dass so etwas möglich ist.“ Seit Ende 2012 bis einschließlich Juni 2016 kamen 940 000 zusätzliche Privatkunden hinzu, bis Jahresende sollen es eine Million sein. Damit hätte die Bank dann zwölf Millionen Privatkunden.

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

„Wir wollen mehr Wachstum mit Privatkunden und das möglichst schnell“, betonte Zielke. Die Erträge in dieser Sparte sollen um mindestens 1,1 Milliarden Euro gesteigert werden. Dabei setzt das Institut weiterhin auf ein vergleichsweise dichtes Filialnetz in Deutschland mit derzeit 1050 Standorten. „Wir fühlen uns im Moment mit der Anzahl unserer Filialen sehr gut und ich sehe da auch nach vorne keine wesentlichen Veränderungen“, sagte Zielke.

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