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06.11.2013

18:20 Uhr

Zins-Manipulationen

EU verhängt Rekordstrafe im Libor-Skandal

Vor zwei Jahren schreckte eine Großrazzia führende Geldhäuser in mehreren Ländern auf. Die EU-Kartellwächter verdächtigen die Institute, Zinssätze manipuliert zu haben. Jetzt drohen hohe Strafen.

Die Deutsche Bank in Frankfurt. Die EU-Kommission macht bei der Aufarbeitung des Skandals um die Zins-Manipulationen Druck. ap

Die Deutsche Bank in Frankfurt. Die EU-Kommission macht bei der Aufarbeitung des Skandals um die Zins-Manipulationen Druck.

Brüssel/LondonIm Skandal um Zins-Manipulationen wollen die EU-Wettbewerbshüter Bankenkreisen zufolge beteiligte Finanzhäuser zu einer Rekordstrafe verdonnern. Sechs Institute müssten wegen Fehlverhaltens bei der Ermittlung des Libor-Interbankenzinssatzes mit Bußen von insgesamt mindestens 1,5 Milliarden Euro rechnen, sagte eine mit den EU-Plänen vertraute Person aus der Branche am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die sei die höchste Strafe in der Geschichte der Europäischen Kommission. Betroffen seien unter anderem die britischen Banken Barclays und Royal Bank of Scotland (RBS), die genossenschaftliche Rabobank aus den Niederlanden und der Broker ICAP. Die Schweizer UBS dagegen werde ohne Strafe davonkommen, weil sie in der Untersuchung als erste ausgepackt habe, sagten zwei Insider.

In dem Verfahren geht es um den Yen-Libor. Die sechs Banken hätten Fehlverhalten eingeräumt und dafür einen Nachlass auf die Strafe von zehn Prozent erhalten, verlautete aus den Kreisen. Die EU-Kommmission und die Kreditinstitute wollten sich nicht äußern. Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia will die Strafen bis Ende des Jahres verhängen. Die höchsten Geldbußen hatte bisher ein Kartell von Bildröhren-Herstellern zahlen müssen: zusammen 1,47 Milliarden Euro.

Wegen Manipulationen des Libor wird gegen ein Dutzend Banken ermittelt. Händlern wird vorgeworfen, mehrere Interbanken-Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Auf Zinssätzen wie dem Libor und dem Euribor basieren weltweit unzählige Finanzgeschäfte. Die Zinssätze werden einmal täglich ermittelt und sind die Basis für Finanztransaktionen weltweit im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Die Sätze beruhen derzeit auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Das System soll nach dem Willen vieler Regulierer wegen der Manipulationsanfälligkeit geändert werden. Das kann aber noch dauern.

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass die EU-Kommission im Skandal um die Manipulation des Euribor-Zinssatzes ebenfalls sechs Banken mit dreistelligen Millionenbußen belegen will, darunter die Deutsche Bank.

Die EU-Kommission macht Medienberichten zufolge bei der Aufarbeitung des Skandals um die Manipulation von Referenzzinssätzen Druck. Noch in diesem Jahr wollten sich die Wettbewerbshüter mit der Deutschen Bank und fünf weiteren internationalen Finanzinstituten auf Strafen jeweils im dreistelligen Millionenbereich verständigen, berichteten die Zeitungen „Wall Street Journal“, die „Financial Times“ sowie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch übereinstimmend. Allerdings seien nicht alle der an den Gesprächen beteiligten Banken zu einem schnellen Vergleich bereit. Die EU und die Banken lehnten eine Stellungnahme ab.

Laut „FT“ wollen neben der Deutschen Bank die Royal Bank of Scotland (RBS) und die französische Société Générale das Angebot der EU annehmen. Es sieht unter anderem einen 10-prozentigen Straferlass vor. Dagegen lehnten die US-Bank JP Morgan, die britische HSBC und die französische Crédit Agricole den Vergleichsvorschlag bislang als übertrieben hoch und ungerechtfertigt ab. Die britische Barclays soll straffrei bleiben, da sie maßgeblich zur Aufklärung beigetragen habe.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.11.2013, 18:17 Uhr

Die Ganoven-Strafe ist doch nur eine Untermenge der hohen Ganoven-Gewinne. Und wenn die DB und andere den EU-Politikern dann wieder Geldnot signalisieren, erhalten sie eben "Rettungs-Gelder" und der Gewinn erhöht sich dann womöglich noch. Und wir Normal-Bürger werden von den eigenen Politikern belogen und betrogen durch deren kriminelle Steuergeld-Veruntreuung, die uns enteignet und bestiehlt. Diese Banken-Strafe ist doch nur die übelste Scheinheiligkeit - Brüssel, Merkel, Schäuble und deren Mittäter machen's eben möglich..! Diese EU - nein danke..!

Account gelöscht!

06.11.2013, 19:04 Uhr

Alles Mainstream, was da geschrieben wird>

So siehts aus!
System ohne Strafe
Strafzahlungen: EU und Banken wollen Libor-Skandal vom Tisch haben

Die EU wird vermutlich 1,5 Milliarden Euro an Strafzahlungen gegen drei Banken verhängen. Strafrechtliche Konsequenzen durch die Verantwortlichen für die kriminellen Machenschaften sind damit vom Tisch. Das System spielt nach seinen eigenen Regeln.
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/

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