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26.07.2016

08:07 Uhr

Zins- und Provisionserträge fallen

Comdirect-Kerngeschäft unter Druck

Die Online-Bank Comdirect kämpft darum, das Vertrauen der Kunden nicht zu verlieren. Eine Datenpanne hatte für Aufsehen gesorgt. Das erste Halbjahr – vor der Panne – lief aber wegen eines Sondereffekts gut.

Sonderertrag durch Visa-Europe-Verkauf. dpa

Comdirect-Zentrale in Quickborn

Sonderertrag durch Visa-Europe-Verkauf.

FrankfurtDer Verkauf des Kreditkarten-Dienstleisters Visa Europe soll das Ergebnis des Online-Brokers Comdirect in diesem Jahr um mehr als ein Fünftel nach oben treiben. Vorstandschef Arno Walter stellte am Dienstag einen Gewinn vor Steuern von rund 110 Millionen Euro in Aussicht.

Die europäischen Banken hatten Visa Europe, die ihnen seit 2008 gehört, für 21 Milliarden Euro an die in den USA börsennotierte Visa Inc verkauft. Comdirect brachte das im zweiten Quartal 41 Millionen. Nach sechs Monaten stehen dadurch bereits 87,9 Millionen Euro Gewinn vor Steuern zu Buche. Im operativen Geschäft hinkt Comdirect aber weiter hinter dem Vorjahr her.

Comdirect-Chef Arno Walter: Fremde Kontostände sechseinhalb Stunden abrufbar

Comdirect-Chef Arno Walter

Fremde Kontostände sechseinhalb Stunden abrufbar

Erstmals seit der am Montag aufgetretenen Datenpanne bei der Onlinebank Comdirect, hat sich deren Chef Arno Walter geäußert. In einem Kundenschreiben berichtet er, wie lange fremde Kundendaten abrufbar waren.

Ohne den Visa-Effekt liegt das Ergebnisziel weit unter den 90,6 Millionen Euro vor Steuern, die die Commerzbank-Tochter im vergangenen Jahr erwirtschaftet hatte. Gründe dafür sind der zwischenzeitliche Kursrutsch an den Börsen, der die Erfolgsprovisionen für Fonds drückte, und die niedrigen Zinsen.

Der Provisionsüberschuss ging in den ersten sechs Monaten um sieben Prozent zurück, der Zinsüberschuss um neun Prozent. Um den Visa-Effekt bereinigt, lagen die Erträge insgesamt um acht Prozent unter Vorjahr. Mit gedrosselten Werbeausgaben, die den Verwaltungsaufwand ebenfalls um acht Prozent drückten, steuerte Comdirect gegen.

Größte deutsche Direktbanken nach Kundenzahl

Platz 10

Norisbank

500.000 Kunden (12/2014)

Platz 9

DAB Bank

582.000 Kunden (12/2014)

Platz 8

Advanzia Bank

660.000 Kunden (10/2015)

Platz 7

BMW Bank

770.000 Kunden (Ende 2012)

Platz 6

Consorsbank

843.000 Kunden (09/2015)

Platz 5

Mercedes-Benz Bank

1,112 Millionen Kunden (12/2014)

Platz 4

Volkswagen Bank

1,184 Millionen Kunden (12/2014)

Platz 3

Comdirect Bank

1,957 Millionen Kunden (08/2015)

Platz 2

DKB, Deutsche Kreditbank AG

3,16 Millionen Kunden (09/2015)

Platz 1

ING-Diba

7,975 Millionen Kunden (12/2015)

Quelle

modern-banking.de, Stand: Ende 2015

Vorstandschef Walter sprach von einem „ordentlichen ersten Halbjahr“. Vor einer Woche war die Direktbank aus Quickborn in die Schlagzeilen geraten, weil Kunden wegen eines missglückten Software-Updates über Stunden Einblick in fremde Konten bekamen. „Es ist etwas passiert, was nicht passieren darf - und dafür bitten wir alle Kunden aufrichtig um Entschuldigung“, sagte Walter. „Für das zweite Halbjahr haben wir ein klares Ziel: Wir wollen unseren Kunden beweisen, dass wir ihr Vertrauen verdienen.“

Panne beim Online-Banking

So entdeckte unser Reporter den Comdirect-Gau

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