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18.04.2015

15:46 Uhr

Zinsaffäre

Britische Aufsicht attackiert Deutsche Bank

Neue Vorwürfe gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain: Die Führung des Geldhauses verhalte sich bei der Aufarbeitung der Zinsmanipulation unkooperativ, kritisiert die britische Finanzaufsicht. Das schreibt der „Spiegel“.

Haben die Milliardenstrafen auch personelle Konsequenzen? Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll sich auch nach dem FCA-Schreiben hinter Jain gestellt haben. dpa

Haben die Milliardenstrafen auch personelle Konsequenzen? Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll sich auch nach dem FCA-Schreiben hinter Jain gestellt haben.

BerlinIm Skandal um Zinsmanipulationen muss sich Deutsche-Bank -Co-Chef Anshu Jain laut „Spiegel“ neuen Vorwürfen stellen. Die britische Finanzaufsicht FCA werfe der Führung der Bank unkooperatives Verhalten bei der Aufarbeitung des Falles vor, berichtete das Nachrichtenmagazin. Es berief sich auf einen Brief der FCA, der im Vorstand des Geldhauses erörtert worden sei. Darin werde der Umgang des Instituts mit dem Thema als inakzeptabel bezeichnet. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Die Bank steuert auf einen Vergleich mit den Regulierern in den USA und Großbritannien zu, der bereits am Donnerstag kommen könnte. Eine mit der Sache vertraute Person hatte Reuters zuletzt gesagt, die Einigung werde vermutlich mehr als 1,5 Milliarden Dollar kosten.

Offen ist, ob die Affäre um Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor auch zu personellen Konsequenzen führt. Dem Magazin zufolge wird auch in der deutschen Finanzaufsicht BaFin der Ruf nach einer strengen Sanktionierung laut. „Es kann nicht sein, dass die Manipulation wichtiger Referenzzinsen allein in Deutschland ohne Folgen bleibt“, werden Aufsichtskreise zitiert. Der Abschlussbericht der BaFin werde für frühestens Ende Mai erwartet, hieß es in dem Bericht. Nach Informationen aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen sieht die BaFin-Spitze keinen Anlass für personelle Konsequenzen auf der obersten Führungsebene der Bank. Deren Investmentbanking wurde lange Jahre von Jain geleitet.

Hohe Geldbußen gegen Banken – eine Auswahl

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: April 2015)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Anfang April 2015 berichteten zunächst US-Medien, dass der Deutschen Bank im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Dollar droht. Unter anderem erkenne eine Bank-Tochter in Großbritannien ihre Schuld an. Schließlich landete die Summe bei 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro).

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar
Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dem „Spiegel“ zufolge monieren auch Vertreter des Aufsichtsrats, es sei den Aktionären kaum zu vermitteln, dass Milliardenstrafen an die Behörden gezahlt würden, ohne dass es zu personellen Konsequenzen komme. Aufsichtsratschef Paul Achleitner solle sich jedoch auch nach dem FCA-Schreiben hinter Jain gestellt haben.

Von

rtr

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